Haben Sie das verloren?

MVG-Fundbüro: Jeden Monat landen hier bis zu 3000 Sachen

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MVG-Fundbüro-Chef Robert Gräcmann zeigt seine Schätze.

München - Suppenkellen, Spülwannen, Rollstühle oder ein ganzes Kasperltheater – es gibt praktisch nichts, was in U-Bahn, Bus und Tram nicht vergessen wird. Die tz hat sich auf die Suche nach den kuriosesten Fundstücken in Münchens öffentlichen Verkehrsmitteln gemacht.

Ein Blick in das Fundbüro der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) in der Elsenheimerstraße zeigt, wie akribisch die Mitarbeiter versuchen, jeden verloren gegangenen Gegenstand wieder seinem rechtmäßigen Besitzer zu übergeben.

Verlorene Schlüssel.

Seit 1. September letzten Jahres verwaltet die MVG Fundstücke, die ihre Kundschaft liegen gelassen hat. Vorher wurden alle herrenlosen Gegenstände im städtischen Fundbüro in der Ötztalerstraße gesammelt. Ein praktischer Service: Die MVG bietet auf ihrer Internetseite www.mvg.de unter dem Menüpunkt Fundbüro eine Suchfunktion an. Landet ein Fundstück in der Zentrale, wird es mit einer Nummer versehen und sofort in einer Online-Datenbank eingepflegt. Aus Datenschutzgründen werden Namen, etwa bei Bankkarten, Personalausweisen und Führerscheinen nicht angegeben. Dafür kann der Suchende das Fundstück nach Zeitpunkt und Ort des Verlustes genau eingrenzen.

Das MVG-Fundbüro erhält täglich neue Lieferungen. Bis zu 3000 Gegenstände landen monatlich im Lager an der Elsenheimerstraße. Alles wird hier genau sortiert: Kleidung, Rucksäcke, Handtaschen, Geldbörsen, Mobiltelefone, Tablets, Bargeld. Was die Menschen verlieren, hängt auch oft von der Jahreszeit ab, weiß Robert Gräcmann, Leiter des Fundbüros. „Vor den Pfingstferien waren es viele Schulsachen, im Januar bis zu 180 Paar Handschuhe. Und komischerweise werden zur Wiesn-Zeit viele Eheringe gefunden“, schmunzelt der 53-Jährige.

Das Fundbüro der MVG liegt in der Elsenheimerstraße.

Nach fast einem dreiviertel Jahr beobachtet die MVG eine relativ hohe Finderquote. Das liegt zum einen daran, dass Fundsachen in der Regel innerhalb eines Tages im Fundbüro landen, aber auch an der Ehrlichkeit der Finder. „Hut ab vor diesen Menschen“, sagt Gräcmann. Denn nicht selten bleiben hochpreisige Geräte wie Tablets, Laptops oder auch prallgefüllte Geldbörsen liegen. So hat ein Professor wichtige Unterlagen für seine Steuererklärung verloren, im MVG-Fundbüro aber wieder gefunden. Gräcmann: „Er meinte nur: ‚Das hätte mich 300.000 Euro gekostet‘. Aber auch ein 50-Cent-Stückerl wurde schon abgegeben…

Und was passiert mit den Sachen, die nie wieder abgeholt werden? Die Fundstücke müssen mindestens ein halbes Jahr aufbewahrt werden. Danach werden sie versteigert. Der Erlös bleibt dann aber noch für weitere drei Jahre auf einem Konto. So lange hat der rechtmäßige Besitzer Zeit, sich den Betrag auszahlen zu lassen. Erst danach bleibt das Geld bei der MVG.

Kuriose Fundstücke hat der Fundbüro-Leiter schon jede Menge gesehen. Er sagt: „Man wundert sich schon, wenn bei uns ein ganzes Kasperltheater landet. Aber ich bin immer wieder erstaunt, wie dreckig das Innenleben einer Tasche sein kann.“

Johannes Heininger

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