Aus dem Lokal geworfen

Asyl-Hetze: Laimer Wirt ließ den Rechten keine Chance

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Stefan Engl duldet keine Nazis in seinem Lokal.

München - Gib Nazis keine Chance: Diesen Leitsatz nahm sich ein Münchner Wirt besonders zu Herzen. Er kam einer rechten Bürgerinitiative auf die Schliche und warf sie aus seinem Laimer Lokal.

Ein bisserl flau im Magen ist Stefan Engl schon, als die Gruppe am Dienstagabend sein Lokal in Laim betritt. "Ich wusste ja nicht, wer da jetzt kommt und was die vorhaben." Tatsächlich gibt es keinerlei äußerlichen Anzeichen darauf, dass es sich hier um Rechte handelt. Die sechs Gäste sehen normal aus - keine Glatzen, Armbinden oder Bomberjacken, wie er es sich schon in schlimmsten Nazi-Szenarien ausgemalt hatte. Trotzdem: Der Wirt weiß, warum die Gruppe hier ist. Und er handelt rigoros. Die Rechten fliegen raus, kaum dass sie drin sind.

Dass Stefan Engl so reagieren konnte, liegt daran, dass er vorher bereits wusste, was ihn erwarten würde. "Ich möchte keine politischen Veranstaltungen in meinem Lokal haben, rechte schon gar nicht", sagt Stefan Engl gegenüber unserer Online-Redaktion. Der Wirt hatte von der Münchner Polizei einen Hinweis auf die selbsternannte Bürgerinitiative "Kein Asylantenheim Laim 2.0" bekommen, die sich wohl in der Gegend zu einer Diskussionsrunde treffen wolle, um gegen das Asylbewerberheim zu propagieren. Und ganz offensichtlich hatten sie sich dazu sein Lokal ausgesucht: Das Laimer's fanden sie wohl passend.

Dem Wirt schmeckte das überhaupt nicht. Er suchte die Reservierung heraus und wählte die angegebene Telefonnummer. Eine Frau meldete sich, von einer rechtsextremen Bürgerinitiative wollte sie aber gar nichts wissen. "Wir wollen uns nur mit ein paar älteren Leuten aus der Gegend treffen und reden, vielleicht auch über das Thema Asyl", sagte sie laut Engl am Telefon. Der Wirt ließ sich davon aber nicht abschütteln. 

Es handelt sich um stadtbekannte Rechtsextreme

Vom SPD-Landtagsabgeordneten Florian Ritter erhielt er den Hinweis, dass es sich definitiv nicht um verunsicherte Nachbarn, sondern um stadtbekannte Rechtsextreme handle. Nun war Stefan Engl endgültig klar: Am Dienstagabend steigt in seinem Lokal eine Anti-Asyl-Runde. Das wollte er sich keinesfalls bieten lassen, volle Unterstützung erhielt er auch von seiner Frau. 

Das Reservierungsschild schrieben sie kurzerhand um auf "Christlicher Verein junger Männer". Und als die eingangs erwähnten sechs Personen schließlich aufkreuzten, wurden sie gleich zur Rede gestellt und darauf aufmerksam gemacht, dass im Laimer's keine Rechtsextremen geduldet werden. Die Frau, die reservierte, stritt zunächst erneut jegliche Verbindung zu dieser asylfeindlichen Bürgerinitiative ab. Letztlich verließen die Nazis das Lokal aber "ohne jeglichen Widerstand".

Die Beweislage ist allerdings mehr als eindeutig für die Engls: Inzwischen hat Stefan Engl weitere erschreckende Details über diese selbsternannte Initiative herausgefunden. Unter anderem kursiert ein Bild im Internet, "auf der die Frau den Hitlergruß zeigt".

js

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