Online-Banking ohne ihr Wissen aktiviert

Seniorin betrogen: 200.000 Euro weg

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Mit gefälschten Online-Banking-Formularen gelangten die Täter an die Kontodaten der ahnungslosen Frau.

München - Eine 80-Jährige ist um mehr als 200.000 Euro betrogen worden. Die Täter nutzten falschen Online-Banking-Formulare, um an die Kontodaten der Frau zu gelangen.

Der erste Anruf kam an einem Märztag. Angeblich eine Angestellte der Postbank, die eine 80-jährige Rentnerin aus Laim mit einem gewissen Nachdruck aufforderte, nun endlich ihr Online-Banking freizuschalten. Es war der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Aktionen, die die alte Dame beinahe um ihr gesamtes Vermögen gebracht hätte.

Denn diese Anruferin war nicht von der Bank. Sie war eine Betrügerin, die genau wusste, dass die Seniorin mit dem Begriff Online-Banking überhaupt nichts anfangen konnte. In den folgenden Tagen bekam die Frau eine Menge Post mit angeblich offiziellen Postbank-Formularen, die sie ausfüllen und unterschrieben wieder zurücksenden musste. Angeblich hatte sie damit ihren Online-Zugang aktiviert. Tatsächlich jedoch enthielten diese Formulare sämtliche Angaben, die die Betrüger benötigten, das gut gefüllte Depot der Seniorin aufzulösen und die erhebliche Summe von 200 000 Euro online auf das Girokonto der alten Dame zu überweisen. Sogar die Geheimzahlen (TAN) für die Überweisung hatte die arglose Frau herausgegeben. Ebenfalls online wurde die ganze Summe am 12. und 14. August plötzlich vom Konto der Rentnerin in 20 Einzel-Überweisungen in die Türkei verschoben.

Glücklicherweise war die 80-Jährige zu diesem Zeitpunkt bereits misstrauisch geworden. Die hohe Summe auf ihrem Girokonto hatte sie so erschreckt, dass sie die Polizei um Rat bat. Kurz bevor das Konto in der Türkei geplündert und das Geld verloren gewesen wäre, gelang es der Polizei, das Konto mit Hilfe der türkischen Bank zu sperren. Die ganze Summe wurde inzwischen wieder auf das Konto der rechtmäßigen Besitzerin zurücküberwiesen.

Bei diesem Betrugsversuch scheint es sich nach Einschätzung der Polizei um einen extremen Einzelfall zu handeln. Jedenfalls sind vergleichbare Betrugsversuche derzeit nicht bekannt. Woher die Täter wussten, dass die zurückgezogen lebende Dame ein erhebliches Vermögen angelegt hatte, ist Gegenstand der Ermittlungen.

In diesem Zusammenhang weist die Münchner Polizei darauf hin, niemals gegenüber Fremden und schon gar nicht am Telefon Auskünfte über Vermögensverhältnisse zu machen oder Kontodaten, Online-Banking-Zugänge oder gar Geheimnummern wie PIN oder TAN preiszugeben. Im Zweifelsfall: Sofort den Polizeinotruf 110 wählen.

Dorita Plange

So schützen Sie sich vor Betrügern

Die Münchner Polizei rät, bei Anrufen und E-Mails, die um persönliche Daten für Online-Banking bitten, sehr vorsichtig zu sein. Gerade bei E-Mails mit einer allgemeinen Anrede wie "Sehr geehrter Kunde" ist Skepsis angebracht. Außerdem sollte man sich nicht von vorgetäuschter Dringlichkeit verunsichern lassen. Keine seriöse Bank würde seinen Kunden mit der Sperrung ihrer Konten drohen, wenn diese ihre Daten nicht rechtzeitig bekannt geben.

sr

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