Trauer um Schlager-Star und Ex-Dschungelcamper Gunter Gabriel

Trauer um Schlager-Star und Ex-Dschungelcamper Gunter Gabriel

Villa und Gießerei in Laim

Geschichtsträchtig, aber dem Abriss geweiht - wegen Nachverdichtung

+
Nicht schutzwürdig, sagen die Experten: Zum Entsetzen vieler Laimer soll die Villa an der Mitterhoferstraße abgerissen werden. 

München - Auf dem Grundstück in Laim wurden einst die Glocken des Münchner Glockenspiels und die der Frauenkirche gegossen. Jetzt soll die Fabrikantenvilla samt Gießerei abgerissen werden. Der Denkmalschutz greift nicht – zum Entsetzen der Anwohner.

Für viele Menschen in Laim ist das Anwesen an der Mitterhoferstraße 7 ein Kleinod. Umgeben von Wohnblöcken steht dort eine hübsche ehemalige Fabrikantenvilla mit großem Garten. Immer seltener gibt es so etwas in dem Wohnviertel. Doch das Schmuckstück wird wahrscheinlich verschwinden. Die Stadt will dort eine Unterkunft für heranwachsende Flüchtlinge bauen. Dass damit eine der letzten grünen Inseln in der Gegend verschwindet, sorgt für Unmut. Bürger und der Laimer Bezirksausschuss (BA) fordern, dass das historische Gebäude erhalten wird.

Die Villa, ein Stück Münchner Geschichte

Mehr als 100 Jahre ist die Villa alt. Einst lebte in dem Gebäude eine Familie, der damals auch die dahinterliegende Kunst- und Glockengießerei Oberascher gehörte. Noch heute wird dort Metall verarbeitet. Ein Stück Münchner Geschichte: In dem früheren Betrieb entstanden unter anderem das Glockenspiel des neuen Münchner Rathauses und die Klangkörper für die Türme der Frauenkirche.

Die geplante Nachverdichtung ist massiv

Bereits Mitte des Jahres hatte der BA ungehalten auf die Abriss- und Neubaupläne reagiert. Dabei ging es nicht um die jungen Flüchtlinge, die in die neuen Gebäude einziehen sollen. Sondern vielmehr um die Dimension der neuen Bauten. Die vorgesehene Nachverdichtung sei zu massiv, so die einhellige Meinung. Der BA sprach sich schließlich dafür aus, das gesamte Ensemble unter Denkmalschutz stellen zu lassen.

Genau das wurde kürzlich auch in der Bürgerversammlung gefordert. Die Stadt soll alle Hebel in Bewegung setzen und nun prüfen, wie ein Abriss der Villa doch noch verhindert werden kann. Falls nötig müssten Rechtsmittel eingelegt werden. Dieser Antrag eines Anwohners wurde mit großer Mehrheit angenommen. Ebenfalls fast einstimmig abgesegnet wurde der Antrag einer Frau, die dafür plädierte, sowohl die Villa als auch die Glockengießerei unter Denkmalschutz zu stellen. „Sonst wird dort das letzte Grün endgültig verschwinden“, warnte sie.

Landesamt sieht keine Denkmaleigenschaften

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) hatte allerdings schon vorher auf den BA-Antrag mit einer negativen Antwort reagiert: Weder die Villa noch die Glockengießerei könnten in die Denkmalliste aufgenommen werden, teilte das BLfD der Lokalbaukommission (LBK) in einem Schreiben mit. „Das Wohnhaus ist ein nur über die Massen gegliederter, eher schlicht gehaltener Bau“, heißt es in der Begründung. „Der Grundriss des Gebäudes ist konventionell angelegt.“ Auch für die Glockengießerei könne die Denkmaleigenschaft nicht erkannt werden.

Bürger können Abrisspläne nicht nachvollziehen

BA-Chef Josef Mögele akzeptiert den Bescheid nicht.

Viele halten das für unverantwortlich und wollen sich damit nicht abfinden. Die Stadt weist unterdessen auf die Notwendigkeit eines Neubaus hin und hält an den Plänen fest. Entstehen soll ein Wohnprojekt für Flüchtlinge mit humanitären Bleiberecht. „Wir planen 150 Bettplätze für junge Erwachsene und Familien sowie nichtlärmende Gewerbeeinheiten, sagt Stefan Enes vom Sozialreferat. „2018 wollen wir eröffnen.“

Ebenso wie die Bürger können auch die BA-Mitglieder die Abrisspläne nicht nachvollziehen. Sie wollen sich trotz des ablehnenden Bescheids des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege weiter für den Erhalt der Villa einsetzen. „Ich werde deswegen auf die LBK zugehen“, kündigte BA-Chef Josef Mögele (SPD) an.

Denkmalschutz greift nicht - viele Fälle

Die ist nicht der einzige Fall denkmalgeschützter oder denkmalwürdiger Bauten, der in letzter Zeit die Gemüter erregt. Erst vor kurzem fiel die Entscheidung, dass große teile der historischen Gebäude der Tierklinik am Englischen Garten einem neubau weichen sollen, auch eine Petition im Landtag konnte dies nicht verhindern. In der Schwabinger Sailerstraße  soll außerdem eine ganze historische Häuserzeile weichen, wegen mangelhafter Kommunikation der Behörden. Ein möglicher Abriss und Neubau eines Seitenflügels am Nymphenburger Schloss ist ebenfalls sehr umstritten. Immerhin die Villa des Dichters Paul Heyse nahe dem Königsplatz wird nach langem Hin und her nun wohl doch erhalten. 

Die zweite Zerstörung Münchens: Bausünden nach dem 2. Weltkrieg

Brigitta Wenninger

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Kommentare