Trambahn auf dem Abstellgleis?

Zukunftspläne für die Westtangente kommen ins Stocken

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Die derzeit noch virtuelle Westtangente hier an der Fürstenrieder Straße

München - Ist die Westtram gestorben? Teile der CSU sagen: Ja! Die Trambahn-Westtangente gilt neben der zweiten Stammstrecke als Münchens größtes Verkehrsprojekt – doch der Plan ist umstritten.

Die SPD will die Tram, in der CSU gibt es heftigen Widerstand. Jetzt gießen Prüfungen der MVG Wasser auf die Mühlen der Gegner.

Die Tram-Westtangente soll fünf Stadtbezirke erschließen: Sendling-Westpark, Neuhausen-Nymphenburg, Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln, Hadern und Laim. Die geplante Neubaustrecke führt vom Romanplatz über die Wotan-, Fürstenrieder und Boschetsrieder Straße zum Ratzingerplatz und endet am U-Bahnhof Aidenbachstraße. Sie ist knapp neun Kilometer lang und hat voraussichtlich 16 Haltestellen.

Die Tram würde auf Rasengleisen in der Straßenmitte fahren – dafür muss auf der Fürstenrieder Straße jeweils eine Fahrspur pro Richtung wegfallen.

CSU und SPD hatten sich im Koalitionspapier darauf verständigt, die Pläne für die Trambahn weiter zu forcieren – unter der Bedingung, dass die Leistungsfähigkeit für den Autoverkehr möglichst unangetastet bleibt. Das war insbesondere der Wunsch der CSU. „Nach Vorliegen dieser neuen Planung wird im Konsens über das weitere Vorgehen entschieden“, heißt es weiter.

Daraufhin hat die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) zusammen mit der Stadt die Pläne überarbeitet. Das Ergebnis war im Frühjahr bekannt – und schon damals hakte es. Während die SPD die Trasse durch den Westen bauen will, regte sich in der CSU Widerstand.

MVG und Stadt mussten nachsitzen, die Pläne Stück für Stück überarbeiten und weitere Prüfungen durchführen.

Das ist mittlerweile durch. „Die Aufgaben sind abgearbeitet“, sagt MVG-Sprecher Matthias Korte. Und: „Wir warten jetzt auf die Entscheidung.“

Knackpunkt: Die ursprüngliche Planung sah an der Boschetsrieder Straße keine Linksabbieger-Spur in die Höglwörther Straße vor. Das hätte die CSU nicht mitgetragen. Die MVG hat nun eine andere Lösung: eine so genannte indirekte Linksabbiegespur. Das würde so funktionieren: Autofahrer biegen dazu zunächst rechts in die Drygalski-Allee ein, machen dort eine Kehrtwende und überqueren anschließend die Kreuzung mit der Boschetsrieder Straße geradeaus in die Höglwörther Straße.

Eine klassische Linksabbiegespur wäre zwar auch mit Tram machbar, würde die Leistungsfähigkeit der Kreuzung aber schmälern. Mehr Ampeln bedeuten mehr Standzeiten, also mehr Stau. Die Straße würde zudem breiter, damit näher ans Thomas-Mann-Gymnasium rücken und dort mehr Lärm verursachen, befürchtet die MVG.

Deshalb ist die MVG für die indirekte Abbiegemöglichkeit. „Das ist übrigens nichts Exotisches. Das haben wir x-mal in München“, sagt Korte. Die CSU sieht das offenbar anders. „Das ist mit uns nicht machbar“, sagt Stadtrat Otto Seidl, der allerdings seit Anbeginn kein Freund der neuen Trasse war.

An der Höglwörther Straße entstehe ein neues großes Quartier mit Wohnungen. Es sei ein Unding, wenn das nicht vernünftig erschlossen wird. „Das ist kein Zustand“, sagt Seidl. Er sieht auch die Kosten kritisch. Die MVG rechnet mit 70 bis 80 Millionen Euro, Seidl mit dem Dreifachen: „Das ist so nicht zustimmbar.“

Zustimmen müssen aber beide – SPD und CSU. Zwar könnte die SPD das Projekt auch mit den übrigen Parteien durchdrücken, denn die sind nahezu alle dafür. Allerdings hat sich Schwarz-Rot ja laut Papier auf einen Konsens geeinigt. Und der rückt in weite Ferne … Zumal die Westtram-Trasse unter der Stammstrecke entlanglaufen müsste. Bei Laim ist eine so genannte Umweltverbundröhre geplant. Die wird’s aber wiederum nur geben, falls auch die zweite Stammstrecke kommt. Erst dann kann man seriös auch über die Tram sprechen …

Die MVG indes beharrt auf den Plänen: „Grundsätzlich gilt, dass es eine Beibehaltung des Status quo in der Fürstenrieder Straße nicht geben kann“, sagt Korte. MVG-Chef Herbert König hatte sich unlängst mit den gleichen Worten zitieren lassen. Alle Prognosen zeigten: Wenn dort nichts passiert, nimmt der Autoverkehr weiter zu – und das bedeutet dann noch mehr Stau. In dem befindet sich zumindest jetzt erst mal die Tram-Westtangente.

Sascha Karowski

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