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Nach Vergleich mit Schwiegermutter: Stromrechnung lässt Münchner empört zurück – „Wie kann es sein?“

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Von: Julian Limmer

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Bernd Gerstlauer mit den Ankündigungen der Stadtwerke: Der Münchner zahlt rund doppelt so viel wie seine Schwiegermutter in Landshut.
Bernd Gerstlauer mit den Ankündigungen der Stadtwerke: Der Münchner zahlt rund doppelt so viel wie seine Schwiegermutter in Landshut. © Marcus Schlaf

Ein Münchner soll künftig mehr als doppelt soviel für seinen Strom zahlen, wie seine Schwiegermutter in Landshut. Der 66-Jährige ist überrascht.

München - Als Bernd Gerstlauer (66) die beiden Strompreis-Ankündigungen miteinander verglich, fiel er aus allen Wolken: Seine 92-jährige Schwiegermutter soll kommendes Jahr 28,88 Cent pro Kilowattstunde für den Strom zahlen. Bei ihm selbst erhöhte sich der Arbeitspreis auf ganze 58 Cent pro Kilowattstunde. Beide erhielten das Schreiben von ihren Stadtwerken. Der Unterschied: Er lebt in München, seine Schwiegermutter in Landshut.

München: Mann überrascht von Strom-Rechnung: „Wie kann das sein?“

Der Rentner aus Giesing fragt sich: „Wie kann es sein, dass die Stadtwerke München (SWM) rund doppelt so viel verlangen wie in Landshut?“ Denn während sich der Preis bei den SWM zum Jahreswechsel erst mal um rund 30 Cent mehr als verdoppelt, steigt der Preis in Landshut durchschnittlich nur um sechs Cent. Und auch wenn die SWM kürzlich ankündigt haben, dass sie den Strompreis ab April 2023 wieder um zehn Cent senken wollen, bleiben die Münchner im Vergleich zu Landshut noch immer um rund 20 Cent teurer.

Auch beim Gaspreis verkündeten die SWM zuletzt drastische Erhöhungen.

Wieso ist das so? Es liegt am Markt: Stadtwerke produzieren den Strom für ihre Verbraucher nicht direkt selbst, sondern kaufen ihn größtenteils an der Strombörse. Dort gelten zu einem bestimmten Zeitpunkt einheitliche Preise für alle bundesweiten Abnehmer. Daher entscheidet die Zeit, zu der die jeweiligen Stadtwerke zuschlagen, maßgeblich über den Preis, den sie später an ihre Kunden weitergeben.

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München: Strompreise der Stadtwerke sorgen für Unmut - Stadtrat erhebt Vorwürfe

Das Problem in München war laut SWM: Unglücklicherweise seien die Preise dieses Jahr genau in dem Zeitraum extrem stark gestiegen, als das Unternehmen noch einen erheblichen Teil des Strombedarfs auf dem Markt kaufen musste: Das treibt die Preise für 2023 in München nun nach oben. Andere Stadtwerke, die früher zugeschlagen haben, können weniger verlangen.

In München sorgt das für viel Unmut, nicht nur bei SWM-Kunden: „Die Stadtwerke haben ihren Strom zu kurzfristig eingekauft“, kritisiert etwa Stadtrat Tobias Ruff (ÖDP). Seine Partei wirft den SWM eine „verfehlte Einkaufspolitik“ vor und will das Thema nun in einer Anhörung im Stadtrat aufarbeiten lassen. Die SWM entgegnen, dass sie sich heuer wieder auf bewährte Strategien aus den Jahren zuvor verlassen hätten – nur dieses Jahr hätten sich die Rahmenbedingungen eben drastisch geändert.

SWM-Kunde sauer: „Münchner haben im Gegensatz zu Landshut einiges verschlafen“

Kunde Bernd Gerstlauer ist diese Erklärung zu wenig – er findet: „Die Münchner haben im Gegensatz zu Landshut einiges verschlafen.“ Ausbaden müssten das nun die Kunden. Ein Wechsel des Anbieters ist zwar möglich – allerdings nicht in den Grundversorgungstarif der Stadtwerke einer fremden Kommune. (Julian Limmer)

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