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Ärger im Münchner Nordosten: Landwirte stocksauer – Stadtspitze will „dumme Bauern“ zum Aufgeben zwingen

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Von: Carmen Ick-Dietl

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Die Landwirte sind wütend und wollen endlich ernst genommen werden.
Die Landwirte sind wütend und wollen endlich ernst genommen werden. © Ick-Dietl

Streit um die Stadtentwicklungsmaßnahme im Münchner Nordosten: Die Landwirte fühlen sich gegängelt und fragen sich: Wie weiterwirtschaften ohne Boden?

München – Die Stadtentwicklungsmaßnahme im Münchner Nordosten soll Chefsache werden, fordern die betroffenen Landwirte. Dann könne vielleicht eine Kommunikation auf Augenhöhe stattfinden. Derzeit werde man eher wie „dumme Bauern“ behandelt, die nun mit einer teuren Werbekampagne zur Aufgabe gezwungen werden sollen.

Landwirt Johann Oberfranz würde auf seiner Halle gerne eine große Photovoltaikanlage montieren. Investitionsvolumen: rund eine Million Euro. Das Problem: Sein Hof in Daglfing steht im Gebiet der Stadtentwicklungsmaßnahme (SEM) Nordost und unterliegt einer Veränderungssperre. Nur ein Beispiel dafür, wie gegängelt sich die Bauern fühlen. Ob Investitionen in die Zukunft oder Hofnachfolge, „bei jeder Entscheidung musst du dich fragen, ob man das noch machen soll“, erklärt Thomas Eberl von der Initiative Heimatboden. Seit der Einleitung der SEM vor zehn Jahren stecken die Landwirte in dieser Zwickmühle. Die essenzielle Frage für die Betriebe und die Familien: Wie soll man weiterwirtschaften ohne Boden?

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Der jüngste Stadtratsbeschluss macht zusätzlich Angst

Der jüngste Stadtratsbeschluss macht zusätzlich Angst. Für 700.000 Euro soll nun eine Agentur schön Wetter für die SEM machen. Um „die Akzeptanz zu erhöhen“ für den Bau eines Stadtteils mit 30.000 Einwohnern und 10.000 Arbeitsplätzen. Es ginge einfacher, so die Gegner: Wenn sich Oberbürgermeister Dieter Reiter und Stadtbaurätin Elisabeth Merk mal Zeit nähmen und zu einem persönlichen Gespräch vor Ort kommen würden. Der Eindruck von Oberfranz: „Die wollen die Landwirtschaft zum Aufgeben zwingen.“

Dabei seien die Äcker im Nordosten wegen des hohen Grundwasserstandes die fruchtbarsten Böden in weitem Umkreis und wichtig für die regionale Lebensmittelproduktion. Mit dem geplanten Badesee jedoch senke man den Grundwasserspiegel ab und die Moorlandschaft werde trockengelegt.

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