So lange müssen Sie warten

München - Warten kann ganz schön lästig sein. Eine Juristin erklärt gegenüber der tz, wie lange Sie im Restaurant, beim Arzt oder beim Pizzalieferservice wirklich ausharren müssen.

Ich war letztens mit meiner Frau und Bekannten im Restaurant. Obwohl nicht viel los war, haben wir fast eine Stunde auf unser Essen warten müssen. Unser Bekannter meinte, das müssten wir nicht hinnehmen. Stimmt das? Auch beim Arzt oder Telefonanbieter muss man manchmal ziemlich lange warten. Gibt es eigentlich Regelungen, wie lange die Warterei dauern darf?

Helmut H. (67), Rentner aus München

Warten kann ganz schön lästig sein. Der Durchschnitts-Deutsche wartet fast fünf Stunden im Jahr auf eine Dienstleistung – Zeit, die man viel besser nutzen könnte! Starre Vorgaben zu Wartezeiten gibt es grundsätzlich nicht. Tatjana Halm, Juristin bei der Verbraucherzentrale Bayern, gibt trotzdem eine Orientierungshilfe:

Im Restaurant: Eine halbe Stunde Wartezeit muss der Kunde im Restaurant hinnehmen. Danach kann er vom Kellner verlangen, dass die Bestellung rückgängig gemacht wird. Tatjana Halm: „Unter Umständen kann auch der Preis gemindert werden. Dies aber eher dann, wenn beispielsweise ein Büffet für einen besonderen Anlass bestellt wurde.“ Wer trotz mehrmaliger Aufforderung auf die Rechnung warten muss, hinterlässt Name und Anschrift. Ohne zu zahlen, einfach zu gehen, ist unzulässig – das wäre Zechprellerei!

Beim Arzt: Auch die Wartezeit beim Arzt sollte nicht mehr als 30 Minuten betragen. „Ausnahmen sind nur möglich, wenn mit den Krankenkassen eine vertragliche Vereinbarung besteht – dann muss die Wartezeit kürzer sein“, erklärt Verbraucherexpertin Tatjana Halm. Bei häufig langen Wartezeiten können Patienten unter Umständen sogar Schadenersatzansprüche wegen Organisationsverschuldens stellen. Halm: „Beachten Sie aber immer, dass Notfälle dringend behandelt werden müssen!“

Handwerker: Wer trotz verabredetem Termin länger als 30 Minuten auf den Handwerker warten muss, kann den Termin absagen und einen neuen vereinbaren. „Bei einem zweiten Termin darf der Handwerker Ihnen dann nicht erneut die Fahrtkosten berechnen“, erklärt Halm.

Telefonservice: „Zwischen 9 und 16 Uhr“ – Telefonanbieter geben bei Terminen, z. B. für die Installation von neuen Anschlüssen, oft einen großzügigen Zeitrahmen an. Das ist rechtlich in Ordnung. Taucht der Techniker allerdings in der genannten Zeit nicht auf, gelten die gleichen Vorgaben wie bei den Handwerkern.

Lieferservice: Beim Lieferservice wie Pizzadiensten ist die Lage komplizierter. „Hier hängt die Wartzeit auch davon ab, wie weit die Anfahrt ist“, sagt die Juristin. Grundsätzlich kann man auch hier von 30 Minuten ausgehen. „Kommt die Lieferung erst danach, können Sie die Annahme und Bezahlung verweigern.“

Warenbestellung: Hier hängt die Lieferzeit von der Art der Ware ab – bei Produkten, die nicht in großer Menge auf Lager sind, dauert die Lieferzeit länger. „Grundsätzlich sollte die Wartezeit auf die Bestellung nicht länger als zwei bis drei Wochen dauern“, erklärt Tatjana Halm. Wem der Lieferzeitpunkt sehr wichtig ist, der sollte im Vorfeld eine Vereinbarung mit dem Händler treffen. Halm: „Kommt die Ware dann noch immer nicht, sollte der Verbraucher den Anbieter schriftlich zur Lieferung auffordern und ihm eine konkrete Frist setzen. Nach Ablauf der Frist kann der Kunde vom Vertrag zurücktreten.“

Christina Schmelzer

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