Helfer versuchen vergeblich, 15-Jährigen zu retten

Gauting: 15-Jähriger von Laster überrollt

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Seine Freunde trauern: Der Gautinger Enzo (15) war am Samstag von einem Laster überrollt worden und starb.

Gauting - Seine Freunde trauern: Der Gautinger Enzo (15) wurde von einem Laster überrollt und starb. Die Passanten regten sich indes über die Absperrung auf.

Man muss sich das einmal vorstellen:

Notarzt, Feuerwehr und Polizei rasen zu einem Unfall in Gauting. Ein Bub wurde von einem Laster überrollt und ringt mit dem Tod. Polizeihauptkommissar Alfred Ziegler muss das den Eltern beibringen. Der Notarzt fordert den Hubschrauber an, es geht um jede Minute. Die Freiwillige Feuerwehr leitet Verkehr und Fußgänger um. Und was passiert? Autofahrer und Passanten beschimpfen die Helfer!

So geschehen am Samstagmittag in Gauting: Enzo (15) gerät mit seinem Mountainbike auf der Münchener Straße zwischen Lkw und Anhänger eines 49-jährigen Weilheimers und wird überrollt – nur wenige Meter von seinem Elternhaus entfernt. Der Bub kommt mit schwersten Verletzungen per Rettungshubschrauber ins Schwabinger Krankenhaus. Dort stirbt er.

Der Unfallhergang und die Schuldfrage sind völlig offen. Der Vize-Chef der Gautinger Polizeiinspektion, Alfred Ziegler, lässt die Straße zwischen 13 und 16.30 Uhr sperren. Ein Gutachter muss die Unfallstelle genau untersuchen, Teile, Splitter und Spuren können auf der ganzen Fahrbahn verstreut sein. Vorbeifahrende Autos würden die Spuren verändern.

Die Feuerwehr leitet den Verkehr um, es gibt kaum Stau, alle können durch den Ort trotzdem zum Starnberger See fahren – mit ein paar Metern Umweg. „Leider gab es diverse uneinsichtige Verkehrsteilnehmer und Passanten, die sowohl gegenüber Kräften der Feuerwehr als auch der Polizei verbal ihr Unverständnis über diese Sperrung äußerten“, schreibt Hauptkommissar Ziegler in seinen Bericht. Aber das ist noch harmlos formuliert: Neben der Blutlache stehend motzt ein Spaziergänger den Beamten an, weil er einen kleinen Umweg gehen muss.

29 Jahre leistet Hauptkommissar Ziegler jetzt Dienst. Er sagt: „Was soll man denn dazu noch sagen?“ Fassungslos ist auch der Vize-Kommandant der Gautinger Feuerwehr. Eberhard Kolb sagt: „Es kam zu Reibereien, die richtig unter die Gürtellinie gingen. Die Menschen haben uns beleidigt, es kam fast zu Körperverletzungen. Wir opfern unsere Freizeit und begeben uns selbst in Gefahr – und die Leute hupen uns an und beschimpfen uns!“

Der Polizist Ziegler fordert ein wenig mehr Vertrauen: Den Passanten, die weder Hubschrauber, noch Notarzt, noch Blaulicht gesehen haben, die also den Ernst der Lage nicht selbst erfassen konnten, denen gibt er zu Bedenken: „Die Einsatzkräfte stehen doch nicht zum Spaß herum …“

dac./ast.

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