Gärtnerplatz: So kämpft die Stadt gegen den Lärm

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Bierflasche im Anschlag, schöne Mädchen und Jungs im Blick: Am Gärtnerplatz trifft sich die Jugend. Den Nachbarn graut es vor dem Lärm

München - Am Gärtnerplatz muss es leiser werden. Am Dienstag stellt Münchens oberster Ordnungshüter im Rathaus vor, was Stadt und Polizei bereits unternommen haben – und was nicht möglich ist.

Die Temperaturen klettern wieder Richtung Sommer und damit auch der Lärmpegel am Gärtnerplatz. Nacht für Nacht trifft sich dort die Jugend der Stadt – Bierflasche im Anschlag, immer ein Auge auf das schöne Mädchen oder den hübschen Jungen in der Nachbar-Gruppe. Da bleibt es nicht beim Flüsterton und den Müll nehmen die Leute auch nicht mit nach Hause. „Der Sommer kommt“, ächzt Alexander Miklosy, Chef des Bezirksausschusses in der Isarvorstadt. Auch wenn sich die Situation im vergangenen Jahr etwas gebessert habe, müsse es immer noch leiser werden.

Leichter gesagt, als getan: Am Dienstag stellt Münchens oberster Ordnungshüter Wilfried Blume-Beyerle im Rathaus vor, was Stadt und Polizei bereits unternommen haben – und was nicht möglich sei. Besonders eindrucksvoll untermauern die Lärmmessungen den Ärger der Nachbarn. Da tummeln sich um Mitternacht noch 1000 Leute vor der Haustür, die einen Krach machen wie am Stachus! „Die Beeinträchtigungen können an milden Sommertagen durchaus erheblich sein“, bilanziert das Kreisverwaltungsreferat (KVR). Die Maßnahmen der Stadt:

Reinigung: Der Bezirksausschuss wollte den Platz zwischen 23 und 24 Uhr reinigen lassen – auch, um es den Besuchern etwas „unbequem“ zu machen, wie Miklosy zugibt. Das Baureferat will das aber nicht: Kehrmaschinen dürften nachts nicht fahren – wegen des Lärms.

So laut kann es am Gärtnerplatz werden: Die Messungen der Stadt

Lärm: Das Gesundheitsreferat hat den Krach mitten in der Nacht im vergangenen Sommer gemessen – an zwei Wohnungen im vierten Stock. Die Experten stellten eine Kakophonie aus Gesprächen, Rufen, Lachen, Ständchen, Akkordeon- und Gitarrespielern fest. Wäre der Platz ein Biergarten oder eine Veranstaltung, dürfte die Stadt das nie genehmigen, weil dort nach 22 Uhr 45 Dezibel zulässig seien. Da den Lärm aber einzelne Menschen machten und eine Gesundheitsgefahr erst ab einer Belastung von 55 Dezibel übers Jahr drohe, könne man nichts unternehmen. Miklosy sieht das anders: Am Gärtnerplatz würden die Nachbarn sehr wohl gefährdet. „Ich will nicht einsehen, dass man da nichts machen kann. Ich glaube, man will nichts machen.“

Genehmigungen: Viel Lob gibt’s vom Chef des Bezirksausschusses für die Wirte. Freischankflächen würden ab 23 Uhr zügig geräumt und die Gaststätten geben kein Alkohol mehr im Straßenverkauf aus, obwohl sie das dürften. Weitere Maßnahmen hält auch das KVR für nicht möglich. Auch die Kneipendichte könne die Stadt nicht reduzieren.

Alkohol: Für ein Verbot fehle eine Rechtsgrundlage.

Kontrollen: Die Polizei fährt nach eigenen Angaben in lauen Sommernächten bei 400 Einsätzen schon an der Grenze der Belastbarkeit – vor allem an Maximiliansplatz oder Sendlinger Tor seien die Ordnungshüter nötiger als am friedlichen Gärtnerplatz. Dort werde es zwar ruhiger, wenn ein Streifenwagen auftaucht, fährt er wieder, werde es aber wieder lauter. Und für Verfahren fehlten oft die Zeugen. Aufenthaltsverbote hat das KVR nicht ausgesprochen.

Werbung: Bis vor kurzem warb das Tourismusamt tatsächlich mit dem südländischen Flair des Platzes. „Motto: Feiern bis in die Puppen“, ätzt Miklosy. Die Werbung verschwand.

Gärtnerplatztheater: Die Treppe müsse jetzt während der Vorstellungen freigehalten werden. Auch das Licht bleibt bis Mitternacht an. Da kommen die Besucher eben später. Das KVR und Miklosy hoffen auf die Mediation zwischen Nachbarn und Besuchern – vielleicht hilft drüber reden.

David Costanzo

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