Ein Leben voller Lügen

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Peter M. am Freitag vor Gericht: Er gestand die angeklagten 207 Betrügereien sowie die vorgetäuschte Straftat

München - Weil der einstige Tankstellen-Unternehmers Peter M. (49) seine eigene Entführung inszentiert hat, wurde er jetzt zu 22 Monaten Knast verurteilt. Er führte ein Leben voller Lügen. Die Liste seiner Betrügereien ist lang.

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Er liebte den Luxus, war stets braun gebrannt und mit einem weißen Porsche unterwegs. Jetzt bestimmt Knast-Blässe die Gesichtsfarbe des einstigen Tankstellen-Unternehmers Peter M. (49), der die Polizei mehrere Tage lang in Atem gehalten hatte. Vor Gericht gab er am Freitag zerknirscht zu, dass er sein Leben durch Lügen und Betrügen finanziert hat. Und dass er dann irgendwann auf die blödsinnige Idee kam, seine eigene Entführung zu inszenieren…

Rückblende: M.s Tankstelle an der Richard-Strauss-Straße gehörte mal zu den umsatzstärksten in ganz Deutschland. Doch mit dem Bau des Tunnels im Jahr 2004 gingen die Umsätze zurück. Er hätte seine privaten Entnahmen zurückschrauben müssen. Aber, so Staatsanwältin Nicole Selzam: „Der Angeklagte war nicht bereit, seine private Lebensführung dem geschäftlichen Erfolg anzupassen.“ Peter M., der sich laut Selzam „über Statussymbole und Geld definiert“, habe seinen Lebensstil mit Betrügereien finanziert:

- Durch Falschabrechnungen an den Zapfsäulen kassierte er 55 000 Euro.

- Durch Manipulationen an den Autowaschanlagen ergaunerte er allein im Jahr 2010 über 200 000 Euro.

- Dank seiner Lügen räumten ihm Banken Kredite von zusammen 120 000 Euro ein.

- Seinem Prokuristen versprach er, 20 000 Euro gewinnbringend anzulegen. Das Geld verbrauchte er selbst. Sein Anwalt Stephan Tschaidse: „10 000 Euro hat er schon zurückbezahlt, den Rest des Schadens macht er auch wieder gut.“

Irgendwann stand das Lügengebäude dann vor dem Zusammenbruch. „Ich hatte nur noch einen Tunnelblick“, sagte M. vor Gericht. „Ich wollte meinem Leben ein Ende setzen.“ Am 31. Januar parkte er seinen Porsche vor einer Bank, schmierte sein Blut an die Fahrertür und tauchte unter. Die Polizei ging zunächst von einem Raubmord aus.

48 uniformierte Polizisten, zehn Beamte der Mordkommission, zwei Raub-Experten, zwei Spurensicherer und drei Mantrailer-Hunde nahmen die Verfolgung auf. Am 5. Februar tauchte Peter M. plötzlich wieder auf und erzählte eine abenteuerliche Geschichte von einer Entführung. Seither sitzt er in U-Haft.

„Das war meine dümmste Entscheidung überhaupt“, gab er vor Gericht zu. Das Urteil ist das Ergebnis einer Absprache zwischen Verteidiger und Staatanwältin: ein Jahr und zehn Monate Gefängnis – ohne Bewährung. Das Schlimmste an seiner Tat, so Richter Kai Dingerdissen in Richtung M.: „Sie haben ihre Familie im Regen stehen lassen!“

ebu

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