Lebensgefahr aus dem Kräuterpackerl

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Polizeiobermeisterin Berenike Schüler präsentiert die gefährlichen Packerl, die die Fahnder aus dem Verkehr gezogen haben

München - Nach Razzien in vier Münchner Läden warnt die Polizei eindringlich vor den Gefahren der Kräuter-Drogen, die speziell junge Leute oftmals bedenkenlos konsumieren.

Im Vordergrund steht weniger die Frage, ob diese oder jene Mischung gerade legal ist oder nicht. Kriminaloberrat Armin Aumüller ist es viel wichtiger, auf die Gefahren dieses Dreckzeugs hinzuweisen, das speziell junge Leute oftmals bedenkenlos konsumieren. Mit teilweise lebensgefährlichen Folgen. Halluzinationen, Nervenschäden, Herz-Kreislaufzusammenbrüche, Bewusstlosigkeit und sogar Atemstillstände. Es geht um asiatische Kräutermischungen (im Fachjargon Spice oder auch „Legal High’s“ genannt), die als Räucherwerk bei religiösen Zeremonien verwendet werden. Mit Tabak vermischt werden sie hierzulande jedoch von experimentierfreudigen Jugendlichen geraucht wie Marihuana. „Nur dass in diesem Fall kein Mensch weiß, was in diesen Wundertüten drin ist. Im besten Fall sind es nur ein paar trockene Blätter. Im schlimmsten Fall aber ist es eine mit synthetischen Cannabinoiden versetzte, gefährliche Droge. Ausgang völlig ungewiss“, so der Chef des Münchner Drogendezernats.

In den seltensten Fällen sind die Kräuter harmlos. Die Inhaltsstoffe werden allerdings ständig verändert, sodass Polizei und Gesetzgebung ständig einen Schritt hinterhinken. Acht Mal musste in München der Notarzt eingreifen. Andere Städte meldeten Reanimationen.

Die Kräutermischungen werden in bunten Packerln unter Phantasie-Namen (Lava Red, Bonzai Winter Boost, Monkeys go Bananas, et.) in speziellen Oriental-Läden mit dem klingenden Namen „Head & Growshops“ verkauft. Drei davon und ein Army-Shop bekamen Besuch von der Polizei. Bei den Razzien wurden 670 Kräuterpäckchen und satte 600­ 000 Euro Gewinn aus dem illegalen Verkauf beschlagnahmt. Je nach Inhaltsstoffen fallen die Kräutermischungen unter das Arznei- oder Betäubungsmittelgesetz. Deshalb müssen sich die vier Geschäftsleute – vier Frauen (61, 66 und 67 Jahre) sowie ein Mann (48)– vor Gericht verantworten. Zwei von ihnen kündigten an, ihre Läden schließen zu wollen. Das Geschäft mit den Kräutern ist lukrativ: Im Einkauf kosten sie vier bis fünf Euro, im Verkauf zwölf bis 15 Euro. Macht Gewinnspannen von bis zu 300 Prozent.

Dorita Plange

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