Ex-Frau und Schwester ermordet

Das härteste Urteil gegen Emrullah C.

+
Schuldig im Sinne der Anklage: Emrullah C.

München - Dieses Lächeln, es verschwindet einfach nicht. Es ist kein freundliches Lächeln, eher eins, das sagt: „Wenn ihr wüsstet.“ Es ist überheblich, dieses Lächeln, das dem Doppelmörder nicht mal jetzt vergehen will. Das Landgericht München I hat gegen Emrullah C. (64) gerade das härteste Urteil gesprochen, das deutsche Gerichte sprechen können:

Lebenslange Haft mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Damit wird Emrullah C. auch nach 15 Jahren nicht vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen werden. Er hat, davon ist das Gericht überzeugt, seine Ex-Frau Muradiye A. (60) und seine Schwester Semra C. (51) brutal erstochen.

Als der Vorsitzende Richter Michael Höhne die blutige Tat noch einmal in allen Einzelheiten schildert, beginnen Angehörige im Publikum zu weinen. Emrullah C. sieht das, es ist auch seine Familie, die hier verzweifelt. An seiner Tat, und an seinem Lächeln. Höhne spricht über die Mordmerkmale, die Messerstiche, über den „absoluten Vernichtungswillen“ des Angeklagten. Emrullah C. gähnt.

„Ich habe niemanden getötet“ – das sind die letzten Worte des Angeklagten im Gerichtssaal. Seine Anwälte hatten wie berichtet einen Freispruch gefordert. Sie halten die Beweise gegen Emrullah C. für nicht verwertbar. Für juristische Laien ist das schwer verständlich, war Emrullah C. doch nach der Tat mit blutigen Schuhen zur Ramersdorfer Polizei gelaufen und hatte ein Geständnis abgelegt. Doch weil er dort möglicherweise nicht rechtzeitig belehrt wurde – das heißt, seine Rechte als Beschuldigter nicht kannte –, bezog das Schwurgericht nur den allerersten Teil seines Geständnisses in die Urteilsfindung ein. Jenen Satz nämlich, den Emrullah C. am 2. Dezember 2012 um 0.40 Uhr zum wachhabenden Beamten an der Bad-Schachener-Straße sagte: „Ich habe vor kurzem meine Ex-Frau und meine Schwester ermordet.“ Dies habe Emrullah C. „freiwillig und ungefragt“ offenbart, sagte Richter Höhne – an der Verwertbarkeit dieser „Spontanäußerung“ bestehe kein Zweifel. Alles, was danach folgte, ließen die Richter lieber außen vor, um das Urteil nicht angreifbar zu machen. Somit hatten die Verteidiger mit ihrer Kritik an der Polizei womöglich Recht – doch es spielte letztlich keine Rolle. Am Tatort fanden die Ermittler einen Schuhabdruck im Blut, der sehr wahrscheinlich C. gehört, an seiner Jacke haftete das Blut seiner Schwester.

Das Gericht ist überzeugt, dass Emrullah C. die beiden Frauen tötete, weil er seiner Ex-Frau Geld schuldete. Muradiye A. hatte sich scheiden lassen, nun standen ihr Ausgleichszahlungen für Immobilien in der Türkei zu. Ihre Schwägerin Semra C. unterstützte sie dabei, half Muradiye A. auch bei den zivilrechtlichen Schritten. Das passte Emrullah C. überhaupt nicht, dessen „gesamte Persönlichkeit“ nach Ansicht von Richter Höhne geprägt ist „durch Werte wie Geld und Macht“.

Mehrfach drohte Emrullah C., der seit 1999 wieder in der Türkei lebt, den beiden Frauen. So schrieb er an seine Schwester: „Pass auf deine Gesundheit auf. Vergiss nicht, du gehörst mir. Verzichte auf die Klagen oder nimm sie zurück, oder ich werde dich besuchen. Ich kann dorthin kommen und auf Hasenjagd gehen, vergiss das nicht.“ Seinem Sohn drohte er in einer E-Mail: „Ich werde deine Mutter Muradiye erwischen. Ein Wolf bleibt ein Wolf, auch wenn er altert.“

Am 1. Dezember 2012 setzte Emrullah C. seinen Plan in die Tat um. Vor dem Wohnhaus seiner Ex-Frau an der Hofangerstraße metzelte er zuerst seine Schwester nieder, die, noch mit einem Kuchenteller in der Hand, ahnungslos vor die Tür trat. Als Semra C. dann sterbend im Hausflur lag, trat Emrullah C. die Tür zur Wohnung ein und tötete auch Muradiye A. mit 15 Stichen. Beiden Frauen versetzte er jeweils einen finalen Messerstich in den Nacken – so, wie es „Jäger und Schlachter“ machten, um ein Wirbeltier zu töten, sagte Höhne. Bei diesen Worten schließen auch unbeteiligte Zuschauer im Saal die Augen, schütteln den Kopf.

Nicht so Emrullah C. Er sitzt halb abgewandt vom Richter, schaut ins Publikum. Und lächelt. Seine Anwälte haben Revision angekündigt.

A. Gerke

auch interessant

Meistgelesen

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion