Lebenslänglich für Doppelmord gefordert

München - Lebenslange Haft hat die Staatsanwaltschaft im Prozess um einen Doppelmord in Portugal für den Angeklagten verlangt.

„Ich bin der Überzeugung, dass der Angeklagte die ihm zur Last gelegten Taten begangen hat“, sagte Staatsanwältin Elisabeth Ehrl am Donnerstag in ihrem Plädoyer vor dem Landgericht München. Sie beantragte zudem die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Das würde bedeuten, dass der Mann nicht nach 15 Jahren Haft freikommen kann.

Laut Anklage tötete der 45-jährige Münchner seine Ex-Freundin und die gemeinsame Tochter bei einem Portugalurlaub im Juli 2010. Die Ermittler werfen dem gelernten Fluggerätebauer vor, die Frau aus Habgier im Meer vor der portugiesischen Küste ertränkt zu haben, um keinen Unterhalt für das gemeinsame Kind zahlen zu müssen. Außerdem habe er die Affäre mit der aus Angola stammenden Frau vor seiner langjährigen Lebensgefährtin verheimlichen wollen.

Die eineinhalb Jahre alte gemeinsame Tochter hatte während der mutmaßlichen Tötung ihrer Mutter am Strand gespielt. Wie das Kleinkind zu Tode kam, konnte nicht mehr eindeutig geklärt werden. Der Angeklagte hatte Portugal jedenfalls ohne das Mädchen verlassen, das am Strand am Tattag zuletzt gesehen wurde. Fischer fanden die Leiche des Mädchens erst Monate später zwischen Klippen.

„Sehr, sehr gute“ Zeugen der Tat

Mehrere einheimische Zeugen hatten die Ereignisse am Strand beobachtet. Laut Ehrl waren die Aussagen dieser Zeugen während der Verhandlung absolut glaubwürdig. Die Männer zeigten „keinerlei Belastungseifer und waren sehr, sehr gute Zeugen“. Die Portugiesen leiden noch heute unter dem, was sie damals miterlebten. Während ihrer Aussage in München im März dieses Jahres brachen einige von ihnen in Tränen aus.

Ehrl lobte in ihrem Plädoyer ausdrücklich auch die internationale Ermittlungsarbeit. Das Verfahren habe gezeigt, „wie gut die Zusammenarbeit von Polizei und Justiz in Europa mittlerweile funktioniert“.

Bevor der Mann die Frau, die Zeugen als „gute und fürsorgliche Mutter“ schilderten, zu der gemeinsamen Reise überredete, sei er Ende Juni alleine zwei Tage nach Portugal gefahren, um die Tat vorzubereiten. Vor seiner Lebensgefährtin tarnte er die Reisen nach Portugal als Geschäftsreisen.

Mord war von Anfang an geplant

Die akribische Vorbereitung der Reise zeigt laut der Staatsanwältin, dass es dem Angeklagten „von Anfang an darauf ankam, zwei unliebsame Zeugen seiner Vergangenheit zu beseitigen“. Gegen den Beschuldigten war in Stuttgart bereits vor der Ereignisse ermittelt worden, weil er seiner Unterhaltspflicht gegenüber seiner Tochter nicht nachgekommen war.

Während des gesamten Plädoyers schüttelte der Angeklagte immer wieder heftig den Kopf. Er hatte sich während der Verhandlung kaum geäußert. Zu den Vorwürfen selbst machte er keine Aussage.

Die Verteidigung wird voraussichtlich am Freitagnachmittag ihre Schlussvorträge halten.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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