Lebenslange Haft für Mord an Exil-Kroaten

Knapp 25 Jahre nach der Ermordung eines exilkroatischen Regimegegners in Bayern ist ein Landsmann des Opfers zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Das Oberlandesgericht München folgte am Mittwoch der Forderung der Bundesanwälte, die dem heute 58-Jährigen Mittäterschaft angelastet hatten. Der regimekritische Publizist Stjepan Durekovic war am 28. Juli 1983 in der Druckerei des Verurteilten in Wolfratshausen getötet worden. Durekovic war aus politischen Gründen nach Deutschland geflüchtet. Bislang unbekannte Täter verübten den Mord nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft im Auftrag des früheren jugoslawischen Sicherheitsdienstes SDB.

Der 58-Jährige war laut Urteil eingebunden in den Mordplan des SDB und wollte ihn zunächst selbst ausführen. Wegen Schwierigkeiten mit einem Alibi seien drei andere Täter beauftragt worden, die das Opfer mit sechs Schüssen und mehreren Beilhieben töteten. Tatort und -zeit habe der Angeklagte bestimmt.

Der Mord hatte laut Urteil einen privaten Hintergrund: Ein hochrangiger Politiker im damaligen Jugoslawien habe seinen Sohn vor der Verfolgung wegen Korruption schützen wollen, deren Mitwisser das Opfer gewesen sei. Ein solches Motiv für einen staatlich verübten Mord sei in der kommunistischen Geschichte Jugoslawiens ohne Beispiel. Mit einer gezielten Warnung vor einer angeblich bevorstehenden Verhaftung wurde Durekovic dem Urteil zufolge zunächst in die Flucht geschlagen. Der Geheimdienst habe seine Liquidierung in Deutschland unter Einbeziehung des Angeklagten geplant, der bereits seit Jahren die exilkroatische Szene in Deutschland ausspähte.

Durekovic habe nach Anschlägen auf Exilkroaten um sein Leben gefürchtet und kaum noch das Haus verlassen. Dem Angeklagten aber, der seine Schriften druckte, habe er vertraut. In dessen Hand habe es gelegen, “die Tat ablaufen zu lassen oder sie zu verhindern“, so der Vorsitzende. Die Verteidigung, die auf Freispruch plädiert hatte, will Revision gegen das Urteil einlegen.

Quelle: DPA

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