Die Lebenslügen der Todesmutter

+
Am Donnerstag vor dem Landgericht München I: Alexandra S. verbirgt ihr Gesicht. Wegen ihres erheblichen Übergewichts waren ihre Schwangerschaften kaum aufgefallen

München - Sie hat ihre vielen Männer belogen. Sie hat unzählige Ärzte belogen. Sie führte Verwandte und Bekannte hinters Licht. Und sie hat sich auch selbst belogen. Jetzt steht Alexandra S. vor Gericht:

Alexandra S. (39), die sich wegen der Tötung von zwei ihrer Babys vor dem Münchner Schwurgericht verantworten muss, hat sich immer mit Lügen durchs Leben zu mogeln versucht. Nun steht sie vor einem Scherbenhaufen. Die Anklage wirft der Verkäuferin Totschlag durch Unterlassen vor.

Fall 1: 1995 wurde sie schwanger. Nicht von ihrem damaligen Ehemann, sondern von ihrem Freund. Der Vorwurf: „Die Angeklagte wollte das Kind nicht haben und deshalb nach der Geburt töten.“ Bei der Geburt ließ sie das kleine Mädchen hilflos in der Toilettenschüssel sterben und schaffte die Leiche später beiseite.

Fall 2: In ihrer Wohnung am Jagdfeldring in Haar brachte sie am 5. Januar 2009 einen gesunden Buben zur Welt. Sie ließ das Kind im Badewasser ertrinken! Das tote Baby steckte sie in eine Plastiktüte und legte es auf einen Balkon. Erst zehn Wochen später wurde die Leiche von Bekannten zufällig entdeckt. Mit Lügen versuchte Alexandra S., diese von einer Anzeige abzuhalten. Gegenüber den Ermittlungsbehörden hat die Mutter zweier lebender Kinder die Verbrechen eingeräumt, aber immer wieder neue Versionen über die Umstände geliefert. Zu den Vorwürfen machte sie auf Anraten ihrer Anwältin Dr. Birgit Schwerdt keine Angaben. Eine weitere Version wäre vermutlich bei den Richtern nicht gut angekommen.

Alexandra S. und die Männer: Vor Gericht berichtete sie von sechs Lebenspartnern. Von vieren wurde sie schwanger. Nur zwei Kinder ließ sie am Leben: Ein Bub ist heute 18, ein Mädchen acht Jahre alt. Einigen Partnern habe sie von der Existenz der Kinder nicht berichtet: „Ich habe sie totgeschwiegen!“ Mit der Verhütung habe sie es nicht genau genommen, sagt die Frau, die zeitweise 117 Kilogramm auf die Waage brachte: „Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht.“ Ihren Partnern habe sie erzählt, sie nähme die Pille. Durch ihr gewaltiges Übergewicht fielen ihre Schwangerschaften kaum auf. Außerdem erzählte sie allen, sie leide an Brustkrebs.

Alexandra S. und die Ärzte: Sieben Mediziner suchte sie regelmäßig auf. Allen log sie vor, dass sie eine Brustkrebs-Operation hinter sich habe. Sie leide unter furchtbaren Schmerzen. Alle glaubten ihr, ohne die Frau näher zu untersuchen. Sie verschrieben ihr große Mengen Schmerzmitteln sowie Antidepressiva. Und förderten so ihre Medikamenten-Abhängigkeit. Der Prozess geht weiter.

Eberhard Unfried

Auch interessant

Meistgelesen

Mann raste ins Stauende, 25-Jährige starb - Verfahren eingestellt, keine Entschuldigung
Mann raste ins Stauende, 25-Jährige starb - Verfahren eingestellt, keine Entschuldigung
„Hier rasen alle“: Münchner sucht beim KVR nach Hilfe - und erhält eine kuriose Auskunft
„Hier rasen alle“: Münchner sucht beim KVR nach Hilfe - und erhält eine kuriose Auskunft
Fatales Ergebnis: Diese S-Bahn ist die unpünktlichste Münchens
Fatales Ergebnis: Diese S-Bahn ist die unpünktlichste Münchens
Stromausfall in München: Mehrere Stadtteile und auch Mathäser-Kino betroffen
Stromausfall in München: Mehrere Stadtteile und auch Mathäser-Kino betroffen

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion