Klinikum Großhadern

Lebensretter Organspende: Diese Kinder sind der schönste Beweis

+
Kinder und ihre Ärzte: Johannes (3), Josua (4), Prof. Christian Hagl, Eva (12), Prof Nikolaus Haas mit Sophia (5), hinten Michael und Dejan (beide 17)

München - Manchmal kann nur noch eine Organspende das Leben eines Patienten retten. Doch leider gibt es noch viel zu wenig Lebensretter.

Es ist nicht nur eine eindrucksvolle Behandlungs-Bilanz, sondern auch eine Liebeserklärung an das Leben: 14 schwerkranke Kinder haben in den vergangenen drei Jahren im Uniklinikum Großhadern ein Spenderherz bekommen. Der älteste ist 18, der jüngste gerade mal sechs Monate alt. Alle sind große Kämpfer, haben heikle Eingriffe überstanden – zum Teil nach einem dramatischen Wettlauf gegen die Zeit. Doch jeder einzelne ist über den Berg! Gleich neun dieser Königskinder und ihre überglücklichen Familien trafen sich am Donnerstag zu einer gemeinsamen Adventsfeier.

Das Ronald-Mc-­Donald-Familienwohnheim am Uniklinikum – fest in der Hand einer fröhlichen Rasselbande, die nur so strotzt vor Energie und Lebensfreude. „Diese Kinder sind der schönste Beweis dafür, wie wertvoll und wichtig Organspende ist“, sagt Professor Dr. Christian Hagl der tz. Mit viel Leidenschaft warb der Chef der Großhaderner Herzchirurgen um neues Vertrauen in die Transplantationsmedizin: „Leider ist sie in der öffentlichen Wahrnehmung momentan negativ behaftet. Deshalb ist auch die Bereitschaft zur Organspende in den letzten Jahren zurückgegangen. Aber für viele schwerkranke Menschen ist ein Spenderorgan die einzige Überlebenschance.“ Allein in Deutschland stehen mehr als 10.000 Patienten auf der Warteliste, darunter auch die kleine Herzpatientin Medina (siehe Anhang unten).

Doch im Bemühen um Spenderorgane werden die Mediziner von den Nachwehen eines selbstverschuldeten Transplantations-Skandals ausgebremst. So war es zwischen 2010 und 2012 bundesweit zu Unregelmäßigkeiten und Kungeleien bei der Organvergabe gekommen. In der Folge nahm die Spendenbereitschaft massiv ab. Immerhin: Zumindest der Rückgang der Organspenden scheint vorerst gestoppt zu sein. So berichtet die Deutsche Sitftung Organtransplantation (DSO) für den Zeitraum Januar bis Oktober 2015 sogar von einer Zunahme um 3,2 Prozent auf 736 Spender. Damit ist erstmals seit vier Jahren wieder eine leichte Aufwärtsbewegung in der Statistik der Lebensretter zu erkennen.

Professor Hagl hofft, dass sich dieser Trend noch verstärken wird – vor allem deshalb, weil die Bundesärztekammer im Sommer 2016 neue Richtlinien für eine gerechtere Verteilung der Spenderorgane beschließen will. Die neuen Regeln stellen zwei Kriterien in den Mittelpunkt: zum einen das Risiko des Patienten, während der Wartezeit zu versterben; und zum anderen die Prognose, wie groß die Erfolgsaussichten einer Transplantation sind. „Diese Faktoren werden dann mit einer Art Punktesystem bewertet“, erläutert Prof. Hagl.

Welche großen Chancen ein Spenderorgan den schwerkranken Patienten eröffnen, belegen zahlreiche Behandlungs-Statistiken, unter anderem sogenannte Zehn-Jahres-Überlebensraten. Ein Beispiel aus der Herzchirurgie: 70 Prozent der Erwachsenen und sogar 80 Prozent der Kinder sind zehn Jahre nach einer Transplantation noch am Leben. „Es lohnt sich also, um jedes einzelne Spenderorgan zu kämpfen“, betont Prof. Hagl.

Andreas Beez

Medina braucht ein Herz

Die Maschine, an der ihr Leben hängt – sie ist fast doppelt so groß wie die süße Maus selbst. Schon seit 1. Juni lebt Medina (20 Monate alt) mit einem Kunstherzen – was ausschaut wie ein blauer Rollwagen, ist die Antriebseinheit. Sie ist über einen Schlauch mit dem eigentlichen Kunstherzen verbunden, von dem aus wiederum ein Doppelschlauch in Medinas Bauch führt. Ihr eigenes Herz hatte immer mehr an Kraft verloren. „Ein Infekt hat den Herzmuskel zerstört“, erklärt der neue Chef der Kinderkardiologie, Prof. Dr.Nikolaus Haas. Wie lange Medina mit dem Kunstherzen überleben kann, ist schwer vorherzusagen. Haas: „Die längste Zeit, die mir von einem Kind bekannt ist, war vier Jahre.“

Organtransplantationen (Vergleich für Januar bis September)

Organ 2013 2014 2015
Herz 246 239 224
Lunge 287 278 230
Niere 1190 1146 1186
Leber 677 665 648
Pankreas* 96 84 84
Dünndarm 5 6 1
Gesamt 2501 2418 2373

Einen Organspenderausweis kann man sich unter anderem im Internet herunterladen: www.organspende-info.de. Weitere Infos zum Thema auch auf der Seite www.dso.de.

Auch interessant

Kommentare