Münchner Alex Wetzstein (44) stirbt bei Motorradunfall in Kreuth

Für den Lebensretter gab es keine Hilfe mehr

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Alex Wetzstein (44) auf seiner roten Yamaha. Mit ihr raste er am Nachmittag des 12. August auf der B307 sechs Kilometer vor Kreuth in den Tod.

München - Ein Mann wie ein Bär und ein Herz aus Gold: Alex Wetzstein rettete als Sanitäter zahlreiche Menschenleben. Doch als der passionierte Motorradfahrer selbst verunglückt, kommt jede Hilfe zu spät.

Früher - da war der starke Alex Wetzstein (44) einer, der keiner Konfrontation aus dem Weg ging. Ein Mann wie ein Bär. Groß, stark, immer auf Achse. Gab sich gern hart und kompromisslos und verbarg den weichen Kern seiner Seele gut. Dramatische Ereignisse in seinem Privatleben und immer wieder auch Begegnungen mit dem Tod bei In- und Auslandseinsätzen jedoch hatten den Münchner Rettungssanitäter über die Jahre verändert. Mehrere  Menschen - darunter viele Kinder - verdanken ihm ihr Leben. Der harte Mann entdeckte seine weichen Seiten, schämte sich seiner Tränen nicht und wurde seinen Freunden der beste Freund, den man sich wünschen kann. Am Ende jedoch hat keiner von ihnen ihm mehr helfen können. Auf der B 307 zwischen Achenpass und Wildbad Kreuth verunglückte Alex Wetzstein tödlich mit seinem Motorrad.

Der 1. Weihnachtsfeiertag im Jahr 2002 war einer der Wendepunkte im Leben des Alex Wetzstein, der damals noch ehrenamtlich als Rettungssanitäter arbeitete und sein Geld als Staplerfahrer und Türsteher verdiente. Vormittags  suchte  er mit Kollegen im Englischen Garten eine vermisste Rentnerin (89). Mittags fanden sie sie - tot im Bach. "Solche Erlebnisse machen mich immer zu traurig", sagte Alex damals. Nachmittags klingelt seine Nachbarin plötzlich Sturm. In heller Panik hält ihm die Frau ihr Baby entgegen. Michael (16 Monate) hat einen Krampfanfall erlitten. Seine Lippen sind schon blau. Er atmet nicht mehr - Herzstillstand! Und Alex handelt. Mund-zu-Mund-Beatmung, Herzmassage. Als der Kindernotarzt eintrifft, atmet Michael wieder. Abends sitzt  Alex allein in seiner Wohnung - und weint...

Die Brandspuren auf der B 307 zwischen Achenpass und Wildbad Kreuth sieht man noch auf dem Asphalt. Freunde haben ein Kreuz, Kerzen und  Blumen aufgestellt

Nur ein knappes Jahr später - am 6. Oktober  2003 - kommt der Rettungssanitäter in die furchtbare Situation, die eigene Mama reanimieren zu müssen. Er kann sie nicht mehr retten: "Dieses Erlebnis hat den Alex verändert. Er wurde ruhiger und dachte viel nach", berichtet sein bester Freund Keywan Kretschmer, der mit Alex zu mehreren Auslandseinsätzen ausrückte. Bei Katastropheneinsätzen war der Alex nicht zu halten. Er schuftete bis an den Rand des Zusammenbruchs, trieb seine Kameraden zu Höchstleistungen an: "Schlafen könnt’s dahoam", sagte er immer. Nach dem großen Beben in Haiti ging er abends allein wieder los und entdeckte eine   nicht registrierte Krankenstation, in der mehrere schwerstverletzte Kinder unversorgt auf Hilfe warteten. Da lief der Alex den ganzen Weg zurück, holte Hilfe  und rettete den Kindern damit das Leben.

Am 12. August nutzte  der Rettungssanitäter das schöne Wetter für eine Bike-Tour mit seiner roten Yamaha. Auf der Rückfahrt um 15 Uhr überholt er auf Höhe der Gaststätte "Trifthüttn" sechs Kilometer vor Kreuth mit hohem Tempo eine Fahrzeugkolonne. Da biegt plötzlich ein Urlauber-Auto links auf einen Parkplatz ab. Bei der Vollbremsung überschlägt sich das Motorrad, kracht auf den Kofferraum  und geht in Flammen auf. Alex stirbt noch an der Unfallstelle. Für den Lebensretter kommt jede Hilfe zu spät. In seiner Geldbörse finden Schwester und Freunde später ein Tütchen, darin das Bild seiner Mama mit einer ihrer Haarlocken. Die hatte er all die Jahre an seinem Herzen getragen. Und sie begleitete ihn auch auf seine letzten Reise zum Westfriedhof.

Dorita Plange

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