Neue Vorwürfe gegen Klinikum

Leber für Alkoholiker: Rechts der Isar im Visier

München - Im Organspende-Skandal werden neue Vorwürfe gegen das Klinikum Rechts der Isar laut. Demnach soll das Krankenhaus auch alkoholkranke Patienten auf die Warteliste für eine Lebertransplantation genommen haben.

Das berichtete die "Süddeutsche Zeitung" am Freitag unter Berufung auf mehrere Transplantationsexperten. Nach den Richtlinien der Bundesärztekammer (BÄK) müssten Alkoholiker aber „für mindestens sechs Monate völlige Alkoholabstinenz eingehalten“ haben, bevor sie ein Anrecht auf eine Spenderleber haben.

Einzelne der am Rechts der Isar transplantierten Patienten seien zuvor vom Universitätsklinikum Großhadern abgelehnt worden. „Es gab ganz offensichtliche Differenzen bei der Bewertung solcher Patienten“, sagte ein Chirurg der „SZ“. In einem konkreten Fall soll eine Patientin, die gar als „hochgradig alkoholabhängig“ beschrieben wurde, im Jahr 2011 eine Leber erhalten haben. Sie sei wenige Tage nach der Transplantation gestorben. Die Klinik bestätigte am Freitag, dass es einen solchen Fall gegeben habe. Für die Frau habe aber ein Gutachten vorgelegen, das ihr für die Zeit vor der Aufnahme auf die Warteliste eine sechsmonatige Abstinenz bescheinigte.

Nach Informationen der Zeitung stand das Lebertransplantationsprogramm am Rechts der Isar unter großem Druck, seit im Jahr 2006 der Wissenschaftsrat die geringe Zahl der dort verpflanzten Lebern kritisiert hatte. Der Rat habe dann empfohlen, Lebern in München künftig nur noch in Großhadern zu transplantieren. Danach stieg die Zahl der verpflanzten Lebern dann stetig an. Im Jahr 2006 waren es nach Klinikangaben noch 20, im Jahr 2011 dann 37.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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