Drei Brennpunkte entschärft

Leerstände und Elendshaus: Jetzt beginnt der Abriss

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Im Oktober wurde in der Pestalozzistraße noch demonstriert, jetzt wird das Haus demontiert.

München - Die Stadt entschärft mit dem städtischen Wohn- und Bürohaus an der Müllerstraße einen von drei Brennpunkten in München. Auch an zwei anderen Stellen rücken die Abrissbagger an.

Das städtische Wohn- und Bürohaus an der Müllerstraße wird dem Erdboden gleich gemacht. Nächstes Jahr sollen hier Wohncontainer für Asylbewerber aufgestellt werden, langfristig plant die Stadt dort Sozialwohnungen. Und die Goldgrund-Gorillas, die in der Pestalozzistraße ein Integrationshaus planten, dürfen das wohl in der Müllerstraße realisieren.

Demo in der Pestalozzistraße.

Ende Oktober hatten die Aktivisten um Kleinstkunst-König Till Hofmann gegen den Abriss des grünen Hauses demonstriert. Die Stadt hatte die drei Wohnungen in dem Gebäude aus den 50er-Jahren seit 2007 leer stehenlassen, die Büros sind seit 2011 verwaist. Ursprünglich sollte auf dem Grundstück ein Wohnheim für NS-Verfolgte entstehen, doch die Israelitische Kultusgemeinde sprang diesen Sommer ab. Jetzt will die Stadt dort 30 Sozialwohnungen errichten. Doch bis es so weit ist, wird es wohl drei Jahre dauern. Dennoch wird der Altbau schon seit zwei Wochen abgerissen! Zuerst kamen die Fenster raus, der Geh- und Radweg davor ist gesperrt, Radler müssen auf den Altstadtring ausweichen, die Fußgänger durch eine Blech-Röhre. Bis März soll der Abriss dauern.

Und was passiert bis zum Baubeginn? Im Januar wird der Stadtrat voraussichtlich das Aufstellen von Wohncontainern genehmigen, in denen 60 minderjährige Flüchtlinge oder Flüchtlingsfamilien untergebracht werden. Goldgrund-Sprecher Grisi Ganzer: „Wir freuen uns, dass dort Flüchtlinge unterkommen.“ Die Aktivisten sollen vom Stadtrat im Januar ihrerseits Grünes Licht für ihr Integrationshaus an anderer Stelle bekommen – in der Müllerstraße, wo sie ebenfalls gegen den Abriss städtischer Häuser protestiert hatten.

Rothmundstraße: Flüchtlingsheim für den Übergang

Hier ziehen bald junge Flüchtlinge ein.

Das 1897 errichtete Wohnhaus in bester Lage an der Rothmundstraße im Glockenbachviertel bröckelt vor sich hin, das Sozialreferat lässt hier fünf von neun Wohnungen schon zwischen drei und 15 Jahre lang leer stehen. Sie gehören zu einer Stiftung, die die Stadt verwaltet. Derzeit wird ein Bewertungsgutachten erstellt. Im kommenden Jahr fällt dann die Entscheidung, wie es mit dem Haus weitergehen soll. Da es noch dauert, bis die Behörde die Sanierungsarbeiten einleitet, sollen einstweilen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge hier untergebracht werden.

Im nächsten Leerstandsbericht, den der Stadtrat am 17. Dezember behandeln wird, wird die Rede davon sein, dass 0,9 Prozent des Bestandes städtischer Wohngesellschaften leer steht und dass es sich um „zeitlich befristete und damit keine dauerhaften Leerstände“ handle.

Im Juli hatte es im letzten Leerstandsbericht geheißen, dass bei 81 Prozent der damals 1197 leer stehenden Wohnungen bis Ende des Jahres Sanierungs-, Modernisierungs- oder Abbruchmaßnahmen umgesetzt würden. In 98 Prozent dieser Fälle sei tatsächlich damit begonnen worden. Bei 53 Wohnungen sei der Beginn der Maßnahmen vorgezogen worden.

Das Elendshaus ist leer

OB Dieter Reiter (56, SPD) war erschüttert, als die tz Ende Oktober am über die unglaublichen Zustände im Elendshaus in Kirchtrudering berichtete: An die 70 Menschen aus Bulgarien lebten hier im Dreck, sie sollen 176 Euro pro Matratze im Monat bezahlt haben.

Es gab kein Warmwasser, die Heizung war kaputt, die Menschen verrichteten die Notdurft im Keller, im Hof stand ein stinkender Container mit Müll. Reiter verfügte, dass Dach und Keller nicht mehr vermietet wurden dürfen – aus feuerpolizeilichen Gründen.

Das Elendshaus in Kirchtrudering. Über 70 Menschen lebten hier im Dreck. Seit Anfang der Woche ist es leer.

Nachbarn holten die Polizei, auch weil es ständig Streit gab. Offenbar hatte Vermieter Mehmet K. die Sache nicht mehr unter Kontrolle. Die Stadt brachte 30 Bewohner in städtischen Einrichtungen unter. Seit Anfang der Woche, so berichten Nachbarn, stehe das Haus jetzt leer. Die Lichter seinen nachts aus, die Rollos heruntergelassen. Nach tz-Informationen haben die Besitzer dem Betreiber des Elendshauses gekündigt. Das Sozialreferat bestätigt, dass niemand mehr dort lebt. Man habe zuletzt zwei Familien in Pensionen unterbringen können, eine Familie sei in einer anderen städtischen Unterkunft untergekommen, eine Familie sei zurück nach Bulgarien gegangen.

J. Welte

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