Pläne des Wirtschaftsreferenten 

Leerstand in bester Lage: Wie retten wir die Innenstadt

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Nachmieter verzweifelt gesucht: Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner vor der verwaisten Douglas-Filiale in der Kaufingerstraße.

In der Münchner Innenstadt gibt es zusehends mehr Leerstand. Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) macht das neben Corona auch an weniger Passanten und dem wegfallenden Autoverkehr fest. Er will nun einen Quartiersmanager einstellen, der gezielt Laden-Nachfolger suchen soll.

Münchens Fußgängerzone ist nicht mehr die Elite-Einkaufsmeile in Deutschland. Das Immobilienunternehmen Engel & Völkers Commercial hat mittels Scannern die Passanten in mehreren deutschen Großstädten gezählt – und das Ergebnis ist ernüchternd. Die Frankfurter Zeil, die Flinger Straße in Düsseldorf und die Kölner Schildergasse haben den jahrelangen Spitzenreiter Neuhauser Straße von Platz eins verdrängt. Allein an den vier Samstagen im Mai musste sie ein Passanten-Minus von mehr als 56 Prozent hinnehmen. Das mag an Corona liegen, vielmehr an den Lockerungen, die andernorts rascher erfolgten als in Bayern. Dennoch: Ein schleichender Trend ist erkennbar, glaubt Münchens Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU).

Etwa in der Sendlinger Straße, die komplett zur Fußgängerzone wurde. „Das erste Drittel vom Marienplatz aus gesehen hat profitiert, die anderen beiden nicht“, sagt Baumgärtner. Und tatsächlich zeigt sich ungewöhnlich viel Leerstand: die Filiale der Bäckerei Kamps – geschlossen. Der Schuhhändler Bartu ein paar Häuser weiter hat Räumungsverkauf. Planet Sports am Oberanger – ebenfalls dicht. Am Donnerstag hat Esprit angekündigt, rund die Hälfte seiner Geschäfte in Deutschland schließen zu wollen.

Und es geht ja noch weiter, denn neben den angedrohten Schließungen von Galeria am Stachus und Karstadt Sports in der Fußgängerzone sind auch die Douglas-Filiale an der Kaufingerstraße und das Bekleidungsgeschäft Desigual geschlossen, Ladenflächen stehen auch rund um den Dom leer.

Der Leerstand macht Baumgärtner besondere Sorgen. „Das gab es früher nicht. Wenn früher ein Laden zugemacht hat, standen 20 Interessenten schon Schlange“, sagt Baumgärtner. Das ließe sich mit der Corona-Pandemie allein nicht mehr begründen. „Die Frequenz stimmt einfach nicht mehr. Früher wären die Läden trotz Corona sofort wieder besetzt gewesen, weil es eine Perspektive gab. Aber die Zuversicht schwindet, auch weil der Individualverkehr stark reduziert wird“, meint Baumgärtner.

Ähnliche Erfahrungen hat auch Karl-Heinz Burgetsmeier mit seinem Geschäft „Die Blumenbinder“ an der Kreuzstraße gemacht. Der Laden befindet sich im Umgriff der Sendlinger Straße. Aber wie lange noch? „Ich überlege, zuzumachen“, sagt er. Und Baumgärtner erklärt: „Seitdem die Sendlinger Straße nicht mehr Fahrstraße ist, hat Herr Burgetsmeier 30 Prozent weniger Umsatz. Die Leute haben früher in der Sendlinger Straße geparkt und sind dann rüber zum Einkaufen.“

Gegenüber dem Blumenladen stehen ebenfalls Räume leer, darin befand sich das Glashaus, ein paar Meter weiter steht ein Hotel zum Verkauf. „Die Frage ist, was unser Ziel als Stadt ist. Es kann ja nicht sein, dass wir wollen, dass Läden leer stehen“, sagt Baumgärtner.

Münchens Wirtschaftsreferent will nun einen Posten für einen Quartiersmanager Innenstadt installieren, der gezielt Ladenflächen vermittelt. „Das machen sonst einzelne Makler. Aber es braucht jemanden, der das Ganze im Blick hat und schaut, welche Geschäfte reinpassen.“

Um die Innenstadt wieder attraktiver zu machen, kann sich Baumgärtner ferner vorstellen, dass autonom fahrende Klein-Busse durch die Fußgängerzone pendeln, wie im Olympiapark angedacht. „Damit macht man Kunden zumindest ein Angebot und kompensiert die weggefallenen Parkplätze.“

Der Sprecher des Verbandes der Innenstadthändler City Partner, Wolfgang Fischer, ist angetan von der Idee eines Quartiersmanagers. „Das gibt es ja in anderen Städten bereits. Es wäre wunderbar, dann hätten wir einen einheitlichen Ansprechpartner.“ Ferner, sagt Fischer, gebe es ein grundsätzliches Problem mit der Erreichbarkeit der Innenstadt. Die häufigen Sperrungen der Stammstrecke, die Bauarbeiten in den Hauptzufahrtsrouten und das Fernbleiben der Touristen seien alles Gründe, warum die Passantenzahlen in München hinter anderen Städten lägen. „Dass derzeit Ladenflächen länger leer stehen, ist auch dem geschuldet, dass zurzeit kaum jemand neue Standorte sucht.“ Einen positiven Effekt könnte die Situation aber auch haben: „Rekordmieten von 350 Euro pro Quadratmeter werden wohl nicht mehr aufrufbar sein.“

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