Wie Sie sich schützen

Legionellen-Alarm in München

Studentin Teresa W. (20) in ihrem Badezimmer

München - Plötzlich duscht die Angst mit. Legionellen-Alarm in München! 3500 Wohnanlagen sind betroffen. Hier erfahren Sie, wie Sie sich schützen.

Laut dem Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) sind in der Landeshauptstadt aktuell 3500 Wohnanlagen betroffen. Und es sind noch gar nicht alle gefährdeten Häuser untersucht.

Der gesamte Wohnblock in Bogenhausen ist betroffen

Vor ein paar Tagen erfuhr auch Studentin Teresa W. (20) aus Bogenhausen, dass das Trinkwasser in ihrer Wohnung mit den gefährlichen Bakterien kontaminiert ist. Über Aushänge und Briefe hat die Hausverwaltung die Bewohner der rund 70 Wohnungen in der Anlage Wagenbauer-/Barbarossastraße informiert. „Ich war völlig geschockt, als ich das gelesen habe“, sagt die Münchnerin. Sie und ihre Nachbarn sind aber nicht die einzigen Betroffenen: Beim RGU sind 3500 Wohnanlagen mit einem auffälligen Legionellenbefund gemeldet. Zum Vergleich: Bis Oktober 2012 waren in den vorangegangenen zwölf Monaten nur 800 auffällige Befunde eingegangen.

Die steigende Zahl hängt mit der verschärften Trinkwasserverordnung zusammen, die seit 1. November 2011 gilt. Demnach müssen alle Eigentümer großer Wohnhäuser mit zen­traler Wassererwärmung regelmäßig ihre Trinkwasserinstallationen auf Legionellen überprüfen – bis Ende des Jahres muss die erste Untersuchung erfolgt sein. Von den insgesamt etwa 80 000 Mehrfamilienhäusern in München fallen 50 000 unter diese Verordnung. Das heißt: Schon jetzt ist jede 14. Wohnanlage von Legionellen betroffen. Und es könnten noch viel mehr werden – schließlich ist noch ein halbes Jahr Zeit, bis alle gefährdeten Objekte untersucht sein müssen.

Ab einem Wert von mehr als 100 Legionellen in 100 Milliliter Wasser müssen Hauseigentümer den Befund melden. Bei sehr hoher Verkeimung, das heißt mehr als 10 000 Legionellen in 100 Milliliter Wasser, wird sogar ein Duschverbot verordnet: „Das verhängen wir im Schnitt ein bis zwei Mal die Woche“, sagt RGU-Sprecherin Katrin Zettler.

Denn gefährlich wird es dann, wenn das Wasser feinst zerstäubter Partikelchen, sogenannt Aerosole, in die Lunge gelangt – also vor allem beim Duschen. Neben dem eher harmlosen Pontiac-Fieber (siehe Stichwort) können Legionellen die gefährliche Legionärskrankheit auslösen, die im Extremfall tödlich endet. In München wurden 2013 bislang sieben Fälle der Legionärskrankheit gemeldet.

Die stille Gefahr aus den Leitungen – vor allem immungeschwächte und ältere Menschen sind gefährdet. Häufig sind marode Leitungssysteme oder Defekte an der thermischen Anlage verantwortlich, dass sich die Bakterien explosionsartig ausbreiten. Im Extremfall muss der Hauseigentümer die gesamte Trinkwasseranlage umrüsten! In der Wohnanlage von Teresa W. werden die Legionellen nun mit einer thermischen Reinigung bekämpft. Duschen dürfen die Bewohner zwar, trotzdem fuhr die Studentin dafür lieber in die Wohnung ihrer Eltern: „Da ist mir wohler."

Christina Meyer

So schützen Sie sich:

- Melden Sie dem Eigentümer, wenn das Wasser bei Ihnen nur lauwarm aus dem Hahn kommt. Oft wird aus Energiespargründen die Temperatur am zentralen Boiler gedrosselt –bei diesen Bedingungen können sich Legionellen aber am besten vermehren.

- Lassen Sie vor dem Duschen warmes Wasser so lange ablaufen, bis heißes Wasser kommt. Gleiches gilt für Wasserhähne, die Sie mehr als drei Tage nicht benutzt haben: Wasser so lange laufen lassen, bis es heiß oder eiskalt wird.

- Verwenden Sie für medizinische Geräte, zur Luftbefeuchtung und zum Inhalieren im Zweifel lieber abgepacktes Wasser.

- Kalkablagerungen begünstigen das Wachstum von Mikroorganismen, deshalb sollten Sie Duschköpfe und -schläuche regelmäßig entkalken und austauschen.

- Spülen Sie Leitungen, die selten oder nie benutzt werden, regelmäßig durch, indem Sie für drei Minuten heißes Wasser laufen lassen.

tz-Stichwort Legionellen

Legionellen sind Stäbchenbakterien, die natürlicherweise im Wasser vorkommen und bei geringer Konzentration nicht gesundheitsgefährdend sind. In Leitungssystemen bei Temperaturen zwischen 30 und 50 Grad und bei längerer Lagerung (etwa in Boilern) können sie sich aber schnell vermehren und zu zwei Arten von Erkrankungen führen: Das sogenannte Pontiac-Fieber mit Symptomen wie bei einem grippalen Infekt klingt nach wenigen Tagen auch unbehandelt wieder ab. Legionellen können aber auch die gefährliche Legionärskrankheit auslösen, bei der auf grippeartige Symptome eine schwere Lungenentzündung mit hohem Fieber folgt. Etwa vier Prozent aller Lungenentzündungen gehen auf Legionellen zurück – bis zu 15 Prozent davon verlaufen tödlich.

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