BMW-Fahrer flüchtet nach dem Crash

Betrunkener rast Lehrerin (45) beim Gassigehen tot

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Thomas K. (39) (l.) räumte den Unfall ein - nicht aber die Fahrerflucht.

München - Wie rechtfertigt sich ein Mensch, der einen anderen auf dem Gewissen hat? Wie erklärt sich ein Mann, der eine Frau totgefahren hat? Thomas K. (39) zuckt mit den Schultern und startet vor Gericht einen Versuch:

„Ich habe nicht gesehen, was passiert ist. Ich hatte getrunken und war einfach überfordert.“

Rückblick: Am 17. Januar fährt er gegen 17 Uhr mit seinem BMW Touring 523 betrunken von Parsdorf nach Forstinning, rauscht mit Tempo 70 durch die 30er-Zone. Dort geht Lehrerin Birgit B. (45) mit ihrem Hund Gassi. Der Gerüstbauer rammt sie von hinten in einer Kurve und schleudert ihren Körper 22 Meter durch die Luft. Trotzdem fährt er danach einfach weiter. Elf Tage später stirbt Birgit B. im Klinikum Bogenhausen. Ihr Hirn ist zerquetscht, die Ärzte können sie nicht retten.

Thomas K. steht seit Donnerstag vor Gericht. Die Anklage: versuchter Mord. Weil er angeblich wusste, dass er die Frau verletzt hat. Er aber nicht anhielt, um ihr zu helfen. Das bestreitet der Todesfahrer: „Ich dachte, ich hatte ihren Hund erwischt.“ Zum Prozessauftakt erzählt er seine Version – und verstrickt sich in Widersprüche!

Am Todestag hat der Gerüstbauer um 12 Uhr Feierabend. „Noch auf der Baustelle trank ich zwei Halbe“, sagt er. Am Bahnhof Poing kauft er zwei weitere Bier und drei Dosen Whiskey-Cola. Dann fährt er von Zuhause aus mit Stiefsohn Marc (14, Name geändert) nach Parsdorf, will seiner Verlobten ein Geschenk kaufen – mit 1,1 Promille! „Einen Führerschein besaß ich nicht.“ Auf dem Weg zurück verliert er die Orientierung und kracht zunächst noch gegen einen anderen BMW. „Ich dachte erst, das ist der Randstein.“ Als die Besitzerin seine Daten will, flüchtet er. „Ich war panisch, wollte nur noch weg.“ Er tritt aufs Gaspedal – und steuert viel zu schnell in die Kurve, in der Birgit B. steht.

„Sie war links, nach rechts sah ich eine Leine. Ich wollte ausweichen“, stammelt K. Er erwischt die Fußgängerin mit seinem Frontstoßfänger an den Beinen – und hält nicht mal an. „Ich war wie im Tunnel, wollte nur noch heim.“ Dort erzählt er seiner Verlobten vom Unfall: „Ich habe Scheiße gebaut, wir müssen das Auto wegbringen.“

Richter Martin Rieder glaubt das nicht. „Sie können uns nicht für dumm verkaufen, wir kennen die Akten.“ Auch Beifahrer Marc widerspricht: „In der Kurve hat er gebremst, dann wieder beschleunigt.“ Beim Aufprall splittert die Scheibe. Marc: „Ich habe gesagt, er soll bitte stehen bleiben. Und gehofft, dass nichts Schlimmes passiert ist.“

Aber Birgit B. wird getroffen, sie stirbt. Dem Fahrer droht jahrelange Haft. Urteil am 10. Dezember.

„Sie war ein Segen“

Die Todesanzeige war schlicht und in schwarz-weiß gehalten. Mit dem Gruß „Der Tod hat keine Bedeutung, ich bin nur nach nebenan gegangen“, verabschiedete sich die Familie von Birgit B. Sie hinterließ Ehemann Thomas, sowie Tochter Loredana und Sohn Matteo, die heute in die 7. bzw. 10. Klasse gehen.

Auch die Forstinninger Dorfgemeinschaft trauerte bitterlich um die 45-Jährige, die so tragisch ums Leben kam und am Waldfriedhof beerdigt wurde. „Ich habe den Eindruck, dass das Mitgefühl riesengroß ist“, sagte Bürgermeister Arnold Schmidt nach ihrem Tod. Rund zehn Jahre lang war die Lehrerin am Franz Marc Gymnasium angestellt. „Birgit war ein großer Segen. Sie war innovativ und hat sich sehr engagiert“, sagte Schulleiter Gerhard Dittmann. Ihre Schüler verabschiedeten sich mit den Worten: „Gerne denken wir an die gemeinsamen Abende, Spaziergänge, Gespräche und unendlichen Diskussionen mit Dir über Gott und die Welt.“ Und: „Wie sehr mochten wir Deine ehrliche, aufrichtige und mutige Art. Du warst einfach grod raus. Wir sind dankbar dafür, dass wir Dich ein Stück Deiner Reise begleiten durften.“

Andreas Thieme

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