Immerhin wird es wieder wärmer

So leiden wir unter dem Schmuddelwetter

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Der Umsatz im Gastronomebereich ist um bis zu 30 Prozent eingebrochen.

München - Gähnende Leere an den Badeseen und in den Biergärten, zum Teil tiefster Winter oben auf den höheren Bergen: Ganz Bayern leidet unter dem Wetter!

„Die Situation ist katastrophal. Manche Betriebe müssen Umsatzeinbrüche von weit über 30 Prozent hinnehmen“, weiß Frank-Ulrich John, der Sprecher des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (BHG).

„Wir mussten über weite Strecken einen Quasi-Winter verdauen, der bis über den kalendarischen Sommeranfang hinaus angedauert hat“, so John. Das größte Problem dabei: Normalerweise verlagert sich an schlechteren Sommertagen das Gaststätten-Geschäft von draußen nach drinnen – sprich vom Wirtsgarten oder der Terrasse in die Wirtsstube. Das gilt vor allem für die ländlichen Ausflugsziele im Oberland. „Aber in den vergangenen Wochen ging oft gar nichts. Die Gäste hatten bei dem schlechten Wetter offenbar keine Lust, überhaupt erst raus aufs Land zu fahren. Die sind zu Hause geblieben“, analysiert der BHG-Experte.

Besonders hart hat es die Wirte in den Hochwassergebieten erwischt. „Sie müssen nicht nur die Einnahmeausfälle verkraften, sondern jetzt auch noch die Schäden bezahlen.“ Dieses Horror-Szenario sei für einige Betriebe existenzbedrohend.

Aber auch in München haben die Gastronomen derzeit wenig zu lachen – vor allem jene, die ihre Gäste im Freien bewirten. „Das Minus, das sie heuer schon gemacht haben, ist selbst bei einem guten Restsommer nicht mehr aufzuholen“, sagt John.

Besagte Gäste sowie all die Ausflügler und Wanderer, die sich auf einen tollen Bergsommer gefreut haben, werden noch einige Zeit die Folgen des Schmuddelwetters zu spüren bekommen. Jenseits der 2000-Meter-Grenze hat es wieder geschneit – zum Teil ergiebig – und noch immer liegen viele Altschneefelder auf den Wegen. Auf der Zugspitze türmt sich der Schnee noch 2,70 Meter hoch. An eine Tour über die beliebten Klettersteige über den Höllentalferner oder das Tiroler Schneekar brauchen Otto-Normal-Kraxler noch gar keinen Gedanken zu verschwenden. Auch der Mittenwalder Höhenweg im Karwendel ist erstmal wieder dicht. Dabei hatte Hans-Peter Gallenberger, der Wirt der Brunnsteinhütte, gerade erst mit einem engagierten Team aus einheimischen Burschen die heikelsten Stellen freigeschaufelt. Jetzt hat’s wieder draufgeschneit. „Wir warten auf besseres Wetter“, sagt Gallenberger.

Selbst manche Spazierwege in höheren Lagen mussten am Montag aus Sicherheitsgründen vorübergehend gesperrt werden, beispielsweise der Panoramaweg durch die Karwendelgrube an der Bergstation der dortigen Kabinenbahn.

„Die Neuschneemengen sind aber immerhin relativ überschaubar“, erläutert Hüttenwirt Gallenberger, „sie dürften schnell schmelzen, wenn wieder die Sonne scheint.“ Sonnenschein? Auf Dauer? Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Sonne nur im Wechsel

Meterologe Dominik Jung

Petrus hält uns kurz: Das Sonnen-Intermezzo bis zum vergangenen Donnerstag war das bislang einzige Hitze-Highlight dieses Sommers. Auch die Statistik der Meteorologen belegt, dass es mit dem berühmten weiß-blauen Himmel über Bayern heuer noch nicht weit her war. „In München gab es im Juni bislang nur 180 Sonnenstunden. Das entspricht einem Minus von 15 Prozent gegenüber dem langjährigen Mittelwert“, erläutert Dominik Jung. Und seine Trend-Prognose für die nächsten Wochen klingt nicht sonderlich ermutigend: „Es schaut nach einem eher unbeständigen Sommer aus – mit einem Wechsel aus kürzeren Hitze- und Schlechtwetterperioden.“

In den nächsten Tagen ist erstmal eine weitere Schmuddelphase angesagt: Bis übers Wochenende hinaus soll es immer wieder regnen. Immerhin: Es wird wieder merklich wärmer.

Dabei hätten wir einen Traumsommer redlich verdient – denn nach dem trübsten Winter seit 1951 ist auch das Frühjahr mehr als enttäuschend verlaufen. Im Großraum München schien von März bis Mai nur 348 Stunden die Sonne – das sind 220 Stunden (!) weniger als im Vorjahr. Die Folgen werden die Wanderer und Hüttenwirte noch lange ausbaden müssen. „Die Bergsaison ist heuer drei bis vier Wochen hinter einem normalen Sommer zurück“, weiß Hans-Peter Gallenberger von der Brunnsteinhütte im Karwendel.

tz

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