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Der Leinwand-Glamour des alten München: Als die Stars in Haidhausen glänzten - „Anders als Netflix...“  

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Von: Andreas Thieme

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Ana de Armas als Marilyn Monroe im Netflix-Film „Blonde“.
Ana de Armas schlüpft im Netflix-Film „Blonde“ in die Rolle der 50er-Jahre-Ikone Marilyn Monroe. © Netflix

Marilyn Monroe, James Dean oder Uschi-Glas: Die großen Stars des Filmgeschäfts liefen einst im Oli-Kino nahe des Ostbahnhof - es war eines der ältesten Kinos der Stadt und wäre heuer im August 110 Jahre alt geworden.

München - Als Tarzan wurde er weltbekannt - und auch in Haidhausen turnte Schauspieler Johnny Weissmüller (†84) über die Leinwand. Damals, in den 1950er-Jahren, im Streifen Diamanten-Jagd im Urwald. Das Oli-Kino zeigte nicht nur diesen Film: Etliche Stars glänzten über die Jahre in der Nähe des Ostbahnhofs. 1912 wurde es einst eröffnet und wäre heuer im August stattliche 110 Jahre alt geworden. Doch das damalige Lichtspielhaus hat bereits im Jahr 1970 seine Pforten geschlossen.

Das legendäre Oli-Kino: Es ist ein Stück Geschichte in München. „Wir waren als Kinder oft dort und haben die Wild-West-Filme angeschaut“, sagt Wilhelm Hermann (73), Leiter des Haidhausen Museum. „Es war ein ganz besonderes Kino.“

Heute dokumentiert nur noch der Sonderband Haidhauser Geschichte: Kino in der Vorstadt den Glanz der einstigen Leinwand: Demnach wurde der Filmpalast zunächst unter dem Namen „Erstes Münchner Lichtspielhaus“ am Orleansplatz 2 eröffnet, ab 1916 änderte sich der Name in „Zachs Lichtspielhaus am Ostbahnhof“, ab 1920 hatte es 800 Plätze. Als „künstlerisch bemerkenswert“ adelten die Münchner Neusten Nachrichten das Kino im Jahr 1920.

München: Das Oli-Kino zeigte die großen Filme, bis es 1970 schließen musste

Das Oli-Kino am Orleansplatz
Das Oli-Kino am Orleansplatz im Jahr 1953. Das Foto stammt aus dem Sammelband „Haidhauser Geschichte“ von 1990 © Sybille Hoeszler/Archiv

Leuchtende Buchstaben an der Hausfassade gaben ihm einst seinen Charakter - und natürlich die berühmten Filme. Denn sie wissen nicht, was sie tun (1956, mit James Dean) oder Manche mögen’s heiß (1959, mit Marilyn Monroe) waren Kassenschlager - ebenso wie Dinner for One, Winnetou (beide 1963) oder Zur Sache, Schätzchen (1968, mit Uschi Glas). Im Jahr 1970 schloss das Oli-Kino dann für immer seine Pforten - in München bleibt es unvergessen. Heute steht dort ein Aldi-Supermarkt.

München: Wo es jetzt noch klassisches Kino in der Landeshauptstadt gibt

Traditionelle Kinosäle mit edlen Leinwänden: Davon gibt es in München nicht mehr viele, zuletzt schloss 2019 das Gabriel Filmtheater in der Dachauer Straße. Wer Kino in seiner traditionellen Form liebt, wird heute noch am Sendlinger Tor fündig: Hier residiert das altehrwürdige Filmtheater. Die Betreiber-Familie Preßmar unterscheidet zwischen der „Ware Film“ und dem „Erlebnis Kino“: Deshalb sei es eben nicht dasselbe, Blockbuster auf Netflix anzusehen. Das älteste noch bespielte Kino ist das Museum Lichtspiele in der Lilienstraße. „Unser Erfolg hängt auch von guten Filmen ab“, sagt Betreiber Matthias Stolz. Elvis und Top-Gun liefen zuletzt sehr gut. Ein Geheimtipp ist das Neue Maxim an der Landshuter Allee: In dem liebevoll restaurierten Kino laufen anspruchsvolle Filme - es ist das drittälteste der Stadt.   

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