Lerchenberg: Wie das Nockherberg-Aus wirklich gelaufen ist

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Michael Lerchenberg spielte 2010 auf dem Nockherberg Bruder Barnabas

München - Michael Lerchenberg enthüllt, wie es kurz nach seiner legendär umstrittenen Rede als Bruder Barnabas auf dem Nockherberg 2010 zu seinem Rücktritt gekommen ist.

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Natürlich weiß Michael Lerchenberg, was der Leser sich zuallererst denkt: Das Buch kauf ich mir, da rechnet der einstige Bruder Barnabas gehörig ab mit Politik und Charlotte Knobloch, die ja erst für die Empörungswelle und den Rücktritt Lerchenbergs gesorgt hat! Doch Michael Lerchenberg will sein Buch „Donner und Blitz auf dem Nockherberg“ trotz des eher polternden Titels nicht als Abrechnung verstanden wissen, sagte er auf der gestrigen Pressekonferenz. Er und sein Mit-Autor Wolfgang Görl blicken zurück auf 27 Jahre Nockherberg. Wie es Lerchenberg am Tag nach der Predigt ging, deftige Zitate und ein Interview zum bitteren Ende des Barnabas lesen Sie hier:

So bitter war das Ende

Ob sich Michael Lerchenberg rückblickend wie Gary Cooper im Western 12 Uhr mittags gefühlt hat? Im Stich gelassen von den Schulterklopfern? Und dann spielte auch noch ein Zug um 12 Uhr mittags eine große Rolle. Darin kam allerdings nicht der Bösewicht an wie im Kinofilm, sondern darin saß Lerchenberg selbst.

Nockherberg 2011: Zehn neue Zutaten für den Starkbieranstich

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Es war der Tag nach der Barnabas-Rede 2010 auf dem Nockherberg. Lerchenberg fährt per ICE nach Braunschweig zu seiner Frau, die dort kurz vor ihrer Tanz-Uraufführung von Macbeth steht. Um 12 Uhr erreicht Lerchenberg der Anruf einer BR-Rundfunkredakteurin, die ihn um eine Stellungnahme zu Charlotte Knoblochs Presse-Erklärung bittet. „Ich fiel aus allen Wolken“, schreibt der Theatermann, als er den Inhalt vernahm, den die damalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland verfasst hatte. Klar, Presse-Anfragen gab es schon abends und vor allem am nächsten Morgen: Ob die Rede nicht zu scharf geworden sei, aber da ahnte der 57-Jährige selbst noch nicht, was der Tag noch bringen würde – seinen Rücktritt.

Wer die ICE-Strecke nach Braunschweig kennt, der weiß, wie schwierig ein Handy-Verkehr bei den Funklöchern ist. Lerchenberg geht es da nicht anders, balanciert zwischen seinem Co-Autor Christian „Fonsi“ Springer und Paulaner-Chef Andreas Steinfatt, mit dem er zwar noch eine Stunde zuvor telefoniert hat – der aber jetzt „nicht mehr zu sprechen“ ist. Die Krisensitzung ist bereits im Gange …

Lerchenbergs Handy glüht, etliche Journalisten wollen ihn sprechen – und per Internet (das funktionierte) verfassen Lerchenberg und Springers Agent eine erste Presseerklärung. Der Druck wird immer größer, in einer ersten SMS mit Paulaner überlegt der Künstler, ob er zurücktritt. Ein Gespräch wird für den nächsten Tag verabredet. Lerchenberg berät sich am Abend mit seiner Familie, die seine Einschätzung teilt. Und beim Telefonat mit Paulaner am nächsten Morgen um 9 Uhr versucht niemand, ihn umzustimmen. Amen und Prost!

Matthias Bieber

Zu ehrlich für einen Politiker

Herr Lerchenberg, ist Ihr Buch eine Abrechnung?

Michael Lerchenberg: Ich hoffe inständig, dass es das nicht geworden ist. Das wäre auch zu billig. Immerhin war ich von 1984 bis 2010 auf dem Nockherberg mit dabei. Ich möchte meine Erfahrungen nicht auf das Jahr 2010 einschränken.

Wie viel Selbsttherapie steckt in den Zeilen?

Lerchenberg: Sagen wir so: Es kommt einiges wieder hoch, und man arbeitet einiges ab. Jetzt freue ich mich wahnsinnig darauf, dass ich nach 26 Jahren ganz entspannt da hingehen kann und mein Bier trinke. Im Nachhinein muss ich sagen: Wir haben einen Fehler gemacht.

Wie groß ist Ihre Nockherberg-Wunde?

Lerchenberg: Die Wunde ist schon da, aber die Zeit heilt schließlich alle Wunden. Aber aus genau diesem Grunde, was sich nach der Rede ereignet hat, könnte ich nie Politiker sein. Für diesen Job bin ich einfach zu ehrlich.

Der Nockherberg-Abschied ist für Sie natürlich auch wirtschaftlich ein Verlust – nachdem es ja auch keine neuen „Bulle von Tölz“-Folgen mehr gibt. Wie sehr trifft es Sie?

Lerchenberg: Ich bin wohl bestallter Intendant der Luisenburg-Festspiele in Wunsiedel. Außerdem kann ich jetzt freier als Schauspieler und Regisseur arbeiten. Im nächsten Jahr etwa werde ich in Kaiserslautern am Pfalztheater inszenieren. Mit einer Stoiber-Perücke in den Händen muss ich also nicht betteln gehen.

M.B.

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