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Leseraktion: Kein Anschluss in diesem Bad - Er bekam Recht

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Salih S. (55) klagte, weil die Anschlüsse für Waschmaschine und Trockner nicht passten – er bekam Recht

München - Salih S. zieht neu in eine Wohnung ein. Doch alle Anschlüsse im Badezimmer sind falsch platziert. Er geht zum Anwalt und bekommt recht. Wir veranstalten für solche Fälle eine große Leseraktion.

Der Gang zum Rechtsanwalt hat sich für Salih S. gelohnt. Im Streit mit seinem Bauträger um falsch platzierte Anschlüsse im Badezimmer schien der Ingenieur erst leer auszugehen. Dann nahm er sich einen Anwalt. Der verhalf ihm zu einem Termin vor Gericht. Und dort gelang es, die vorgeschlagene Vergleichssumme von 2000 Euro auf letztendlich 15.000 Euro zu steigern. Ein Erfolg, weil sie sich nicht einfach abspeisen ließen.

Anfangs war die Lage für Salih S. nicht so komfortabel. Der 55-Jährige hatte von einem Bauträger eine Wohnung in Moosach gekauft. Die komplette Wohnanlage wurde im Jahr 2014 neu errichtet. Wünsche der Kunden konnten bei der Ausführung der Wohnung noch berücksichtigt werden. Und Salih S. hatte einen Wunsch: Die Wasser- und Stromanschlüsse sollten im Bad so gelegt werden, dass er in einer Ecke einen Waschmaschinen-/Trocknerturm aufstellen konnte. Dafür musste er zwar extra bezahlen, aber das war es ihm wert.

Badezimmertür ging nicht mehr auf

„Wir haben dann die Wohnung übernommen und das Übergabeprotokoll unterschrieben“, erzählt Salih S. der tz. Schon am ersten Abend aber bemerkte er, dass er voreilig unterschrieben hatte: Im Badezimmer passte nichts. Die Anschlüsse waren so gelegt, dass der Turm aus Waschmaschine und Trockner nicht in die Ecke passte und die Badezimmertür nicht mehr aufging, ohne gegen die Geräte zu stoßen. Außerdem verdeckten die beiden Geräte den Lichtschalter. Es herrschte zwar keine vollkommene Finsternis, aber die Miene des Wohnungsbesitzers verdüsterte sich zunehmend.

Die Ursache für den Ärger war schnell klar. Beim Nachmessen entdeckte Salih S., dass die Armaturen und die Toilette anders eingebaut waren als ursprünglich geplant, nämlich um etwa 30 Zentimeter versetzt. „Und dann war der Platz für die Waschmaschine zu klein.“ Klarer Fall von Fehlplanung also.

Er versuchte, das Übergabeprotokoll zu revidieren – vergeblich. Auch Aufforderungen an den Bauträger, diese Mängel zu beseitigen, verhallten ungehört. „Die wollten mich über den Tisch ziehen“, vermutete er.

Keine gütliche Einigung - Anwalt

Als der Ingeniuer keine Chance mehr auf eine gütliche Einigung sah, ging er zum Anwalt. Aber auch auf dessen Aufforderungen zur Mängelbeseitigung gab es keinerlei Reaktionen, geschweige denn eine Lösung.

Also ging die Sache vor Gericht. „Wir verklagten den Bauträger schließlich auf Zahlung der voraussichtlichen Kosten für die Verlegung der Anschlüsse“, erläutert Rechtsanwalt Dr. Frithjof Päuser, der ihn vertrat, die Vorgehensweise. Diese Kosten schätzte er zunächst einmal auf 10.000 Euro.

Viel zu viel, befand das Gericht in der ersten mündlichen Verhandlung. Man riet den Klägern, sich mit dem Bauträger auf einen Betrag von 2000 Euro zu einigen. Viel zu wenig, befand der Anwalt. Und lehnte ab. Danach wurde ein Gutachter vom Gericht beauftragt. Und siehe da: Dieser bestätigte nicht nur, dass die Anschlüsse falsch ausgeführt worden waren (also Salih S. im Recht war), sondern bezifferte die Kosten für eine Verlegung obendrein auf eine Summe von rund 16.000 Euro!

Letztlich einigten sich die beiden Parteien dann auf eine Zahlung von 15.000 Euro. Darüber hinaus musste der unterlegene Bauträger sämtliche Anwalts- und Gerichtskosten übernehmen und den Gutachter bezahlen. Ohne Anwalt wäre Salih S. vermutlich komplett leer ausgegangen. Der Bauträger hatte wohl gehofft, dass er sich nicht wehrt und sich stattdessen mit dem Zustand im Bad arrangiert, um einen vermeintlich langwierigen Prozess zu vermeiden. Ohne hartnäckigen Anwalt wäre Salih S. wohl mit nur 2000 Euro abgespeist worden. Stattdessen hat er nun eine ganz andere Summe aufs Konto überwiesen bekommen – und die hat sich gewaschen.

Das sind unsere Experten

Der Rechtsanwalt: Dr. Frithjof Päuser ist seit 1997 in München als Rechtsanwalt tätig, seit 2006 ist er Partner in der Kanzlei iutax Steuer & Recht (www.iutax.de, Tel. 089/59 97 67 90). Er ist auf den Bereich Bau- und Architektenrecht spezialisiert und darf die Bezeichnung Fachanwalt führen. Zu seinen Fachgebieten gehört u.a. das Werkvertragsrecht – also Bauverträge, Nachbesserungen, Mängel, Garantie und Rücktritt.

Die Verbraucherschützerin: Tatjana Halm ist Referatsleiterin Markt und Recht bei der Verbraucherzentrale Bayern (www.vzbayern.de, Tel. 089/552 79 40). Die Juristin arbeitete zunächst als Anwältin in Nürnberg und wechselte 2009 als Verbraucherberaterin zur Verbraucherzentrale Bayern in Nürnberg. Ein Jahr später wechselte sie in die Geschäftsstelle nach München, zunächst als Referentin, später als Referatsleiterin. Sie beschäftigt sich mit den rechtlichen Fragen des Verbraucherschutzes.

Der Handwerks-Berater: Holger Scheiding ist Rechtsanwalt und arbeitet seit 2001 für die Handwerkskammer für München und Oberbayern (www.hwk-muenchen.de, Tel. 089/511 90). Der Anwalt ist Experte für Zivil- und Wirtschaftsrecht und berät Handwerksbetriebe bei allen Fragen dazu. Die Handwerkskammer vertritt die Interessen ihrer rund 78 000 Mitgliedsbetriebe mit knapp 300 000 Beschäftigten gegenüber Politik und Medien. Fotos: privat, VZB, Thomas Einberger/argum

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