Vier Fälle

Leseraktion: Das müssen Sie bei Ärger mit Handwerker beachten

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Dachdecker Christian Vollmer ist entsetzt über die Mängel am Anbau von Karin H.

München - Immer Ärger mit dem Handwerker? Das muss nicht sein. Wir zeigen Ihnen, wie Sie sich erfolgreich zur Wehr setzen.

Zu unserer Handwerkerserie haben uns viele Zuschriften erreicht. Unsere Leser beklagten sich unter anderem über mangelhafte Arbeit, zu hohe Rechnungen und Probleme beim Nachbessern. Zum Abschluss der Serie wollen wir vier weitere Fälle schildern. Dabei geht es um die Haftung für die Planung eines Architekten, um Beleidigungen durch den Handwerker, um ein hinausgezögertes Vermittlungsverfahren und um vermeintliche Kulanz durch den Kundendienst.

Ein Freundschaftspreis geht so richtig ins Geld

Den Anbau an ihr Einfamilienhaus ließ sich Karin H. von einem Bekannten planen, der Architekt ist. Der Freundschaftspreis, den er ihr machte, kommt sie teuer: Das Bauwerk strotzt vor Mängeln, deren Beseitigung rund 35.000 Euro kosten dürfte. Dachdecker Christian Vollmer, den sie um Hilfe bat, arbeitet nun Position um Position ab. Er ist entsetzt: „Man muss kein Fachmann sein, um die ganzen Mängel zu sehen!“

Eigentlich müsste Karin H. den Architekten verklagen. Dafür braucht sie neben einem Anwalt auch einen Gutachter für ein Beweissicherungsverfahren - und der kostet nach ihren Informationen 9000 Euro, die sie nicht hat. Wir fragten unseren Experten, Rechtsanwalt Dr. Frithjof Päuser (www.iutax.de). Der erklärte, dass der Architekt voll haftet, auch wenn er aus Gefälligkeit einen günstigeren Preis für seine Arbeit verlangt. Ein Architekt sei in der Regel versichert, also „sind Ansprüche gegen ihn meist auch durchsetzbar, sofern ein Planungs- und/oder Bauüberwachungsfehler vorliegt“.

Die Gerichts- und Anwaltskosten schätzt der Jurist auf mindestens 7000 Euro. Ob hier eine Rechtsschutzversicherung hilft, sei fraglich und hänge von Art und Größe des Anbaus ab, „da Streitigkeiten im Zusammenhang mit der Errichtung oder dem Erwerb einer Immobilie gerade wegen der damit verbundenen Kosten grundsätzlich vom Versicherungsschutz ausgenommen sind“. Ein genehmigungspflichtiger Anbau würde unter diese Ausschlussklausel fallen.

Dieser Ton gehört sich nicht!

Viel Ärger hatte Cornelia S. mit ihrer neuen Küche. Die Arbeitsplatte war nicht richtig eingebaut und das Spülbecken schief. Mehrere Male musste der Handwerker kommen und nachbessern. Und dabei fielen nicht nur freundliche Worte. Sie sei übel beleidigt worden, klagt die 65-Jährige im Gespräch mit der tz. Muss man sich das gefallen lassen?

Nein, sagt Holger Scheiding, unser Experte von der Handwerkskammer München und Oberbayern. „Beleidigungen und Herabwürdigungen muss sich keiner der Vertragspartner gefallen lassen.“ Allerdings liege die Beweislast für eine Beleidigung bei demjenigen, der sich darauf berufe. Ohne Zeugen tut man sich da schwer.

Man könne zwar den Handwerker aus der Wohnung weisen; wenn er aber korrekt gearbeitet hat, dürfe man an der Rechnung nichts kürzen.

Endlich repariert: Corneia S. freut sich über ihre neuen Küchenplatte.

Nachbesserungen „rein aus Kulanz“

Für stolze 14.000 Euro kaufte Heidi B. eine neue Küche. Und hatte viel Ärger. 25 Mängelpositionen listete sie schließlich auf - unter anderem blieb ein l-förmiger toter Raum in der Ecke. Die Küchenfirma sagte Nachbesserung zu, „rein aus Kulanz“.

Diese Formulierung irritierte Heidi B. Sie erkundigte sich beim Juristen, ob sie widersprechen müsse. Kein Problem, sagte dieser. Sei der Mangel beseitigt, hat sie ihr Ziel erreicht. Sei nicht alles in Ordnung, können sie ohne weiteres eine weitere Nachbesserung verlangen und - wenn es sein muss - auch vor Gericht ziehen.

Dachdecker kommt nicht

Die Arbeiten am Garagendach von Stefan S. waren nicht so, wie er sich das vorgestellt hatte. Insgesamt vier Mal kam der Handwerker zum Nachbessern, dicht ist das Dach immer noch nicht. Außerdem sieht es furchtbar aus.

Nun wandte sich S. an die Handwerkskammer, um ein sogenanntes Vermittlungsverfahren einzuleiten. Doch das ist rechtlich nicht bindend. Weil der Handwerker immer noch nicht auf seine Anrufe und Mails reagiert, hat Stefan S. nun Kontakt mit einem Anwalt aufgenommen.

Volker Pfau

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