Lesung von Breivik-Rede

Begegnung mit dem Ekelhaften

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Anders Breivik

München - Anders Breivik erklärte im April 2012 sich und seine Taten in einer 70-minütigen Rede. Regisseur Milo Rau hat diese Rede als Lesung auf die Bühne gebracht.

Im Juli 2011 hat der norwegische Rechtsterrorist Anders Breivik in Oslo und auf der Insel Utøya 77 Menschen ermordet. Als ihm im April vergangenen Jahres in Oslo der Prozess gemacht wurde, erklärte der Angeklagte am zweiten Verhandlungstag sich und seine Taten in einer 70-minütigen Rede. Regisseur Milo Rau hat diese Rede als Lesung auf die Bühne gebracht. Nun war er mit seinem Abend zum Festival Radikal jung eingeladen.

Das Theater (in diesem Fall der Saal des Stadtmuseums) bietet einen geschützten Rahmen für die intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Pamphlet des Massenmörders. Rau lässt den Text von der deutsch-türkischen Schauspielerin Sascha Ö. Soydan lesen.

Breivik hetzt in seiner Rede gegen „Kulturmarxismus“, „Balkanisierung“ und „grassierende Islamisierung“ Europas. Seine Morde begründet er mit dem Selbstverteidigungsrecht. Menschen wie sich selbst, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe nennt er „europäische Nationalhelden“.

Es ist die Begegnung mit einem ekelhaften Text. Breiviks Erklärung zeigt allerdings auch, wie konsequent, intelligent, bestechend und schlüssig das ideologische Konstrukt gebaut ist und funktioniert, in dem der Täter denkt, lebt, handelt.

Wer den Attentäter dämonisiert, isoliert ihn zugleich von der Gesellschaft, schiebt ihn weg aus deren Mitte. Dagegen zeigt der Abend von Milo Rau und Sascha Ö. Soydan, wie verbreitet einige Denkmuster, die zu den Morden in Oslo und auf Utøya führten, in unserer Gesellschaft sind.

Und das ist eine so wichtige wie schmerzhafte Erkenntnis.

Michael Schleicher

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