1. tz
  2. München
  3. Stadt

München wird wohl jetzt erst recht zum Klima-Protest-Hotspot – „Bayern symbolisch für Klimaversagen“

Erstellt:

Von: Klaus-Maria Mehr

Kommentare

Seit Freitagabend gilt ein Klebeverbot in der Stadt München. Für die Aktivisten der Letzten Generation ist das nur neuer Ansporn. München avanciert sich zur Protesthauptstadt.

München – Just in dem Augenblick, als die Pressemeldung über die neue Allgemeinverfügung der Stadt München rausging, ließen sich eine Aktivistin und zwei Aktivisten gerade auf der Bayerstraße vor dem Hauptbahnhof München nieder. Die drei klebten übrigens nie, konnten von der Polizei recht flott wieder von der Straße geführt werden und ein Verkehrschaos blieb auch aus. Wer sich in München auskennt weiß, die Bayerstraße direkt vor dem Hauptbahnhof gehört nun nicht zu den neuralgischen Autoverkehrstrassen.

München wird zur Protesthauptstadt der Klimabewegung – CSU-Politiker warnen plakativ

„Klimawahnsinnige“ findet Herrmann rechts. Eine Aktivistin sitzt vor dem Hauptbahnhof München (l.). Die Polizei versprüht bei solchen Einsätzen inzwischen eher gelangweilte Routine.
„Klimawahnsinnige“ findet Herrmann (l.). Eine Aktivistin sitzt vor dem Hauptbahnhof München (Mitte). Die Polizei versprüht bei solchen Einsätzen inzwischen eher gelangweilte Routine. © Alexander Pohl/Imago

Trotzdem ein passendes Bild für das, was sich da gerade in der bayerischen Landeshauptstadt hochschaukelt. Und irgendwie hat man den Eindruck, es ist beiden Seiten auch ganz recht. Der CSU-Landesregierung und den Aktivistinnen und Aktivisten der „Letzten Generation“ (LG). Die CSU-Granden übertreffen sich derzeit gegenseitig mit Warnungen vor den „Klimawahnsinnigen“ (Herrmann) und der „Klima-RAF“ (Dobrindt) und können sich so endlich wieder in gewohnter Law-and-Order-Manier gegen Links präsentieren. Die bayerische Justiz unterstützt zudem gewohnt streng mit langer Präventivhaft, ein Mittel, das vom Gesetzgeber eigentlich mal für Terroristen gedacht war.

(Unser München-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Isar-Metropole. Melden Sie sich hier an.)

Klimaaktivisten reisen aus ganz Deutschland nach München für Aktionen

Das alles schafft natürlich auch mehr Aufmerksamkeit. Mehr, als irgendwo anders in Deutschland, wo meist freundlicher mit den Klimaklebern umgegangen wird. Wohl ein Grund, warum die LG nun schon mehrmals angekündigt hat, Bayern in den Fokus zu nehmen. Der andere Grund lässt sich wohl mit „Jetzt erst recht“ umschreiben.

(Übrigens: Unser Bayern-Newsletter informiert Sie über alle wichtigen Geschichten aus dem Freistaat. Melden Sie sich hier an.)

Ein gewisser Zuzug von Klimaaktivisten aus anderen Landesteilen nach Bayern beobachtet man auch im Innenministerium. Auffällig ist die Herkunft beispielsweise bei der bisher spektakulärsten Aktion in Bayern, der Blockade einer Startbahn am Flughafen München. Die sieben Aktivisten stammen eben nicht nur aus Bayern, sondern auch aus Berlin, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.

Letzte Generation macht Bayern bewusst zum Ziel „symbolisch für Deutschlands Klimaversagen“

Die Allgemeinverfügung der Stadt München dürfte da nur ein weiterer Ansporn sein. Jakob Beyer, LG-Sprecher, schreibt uns auf Nachfrage: „Von der Allgemeinverfügung wird sich die Letzte Generation ebenso wenig wie von Präventivhaft und Geldstrafen einschüchtern lassen. Wir werden unsere Aktionen auch in den kommenden Tagen und Wochen in München fortführen.“ Denn gerade Bayern stehe symbolisch für Deutschlands Klimaversagen. „Seit Jahren werden wichtige Schritte wie der Ausbau von Windenergie aktiv behindert, Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor werden nicht einmal erfasst.“ Auch auf Twitter reagiert man mit triefender Ironie: „Wir sind schachmatt“, schreibt dort die Letzte Generation als Reaktion auf das Münchner Verbot.

Auch ironischerweise könnte der Faktor Wetter die bisher bewährten Klebeproteste ein Stück weit erschweren. Es schneit in München und es ist verdammt kalt. Nun hat Sekundenkleber sicher herausragende Qualitäten, bei Schneematsch und Minusgraden werden es allerdings auch die besten Fabrikate schwer haben.

Alle News und Geschichten aus Bayern sind nun auch auf unserer brandneuen Facebook-Seite Merkur Bayern zu finden.

Auch interessant

Kommentare