Die letzten Worte des Vaters: „Jetzt bist’ im Paradies, mei Lauser“

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Markus Roiderer (†33)

München - Um Abschied zu nehmen, versammelten sich noch einmal 1500 Trauergäste in Straßlach und gaben dem viel zu jung verstorbenen Markus Roiderer sein letztes Geleit. 

Als alle Trauergäste gegangen sind, zieht es den Vater noch einmal ans Grab. Wieder übermannen den sonst so starken Gastronomen die Tränen. „Jetzt bist’ im Paradies, mei Lauser. Servus.“ Wiesnwirte-Sprecher Toni Roiderer (66) muss sich vom Grab wegdrehen. Er kann es noch immer nicht fassen. 1500 Freunde und Verwandte sind nach Straßlach gekommen, um von Toni Roiderers Sohn Abschied zu nehmen.

Der Metzgermeister und Junior-Wirt Markus (†33) war am Samstag mehreren Hirntumoren erlegen. Die Feuerwehr regelt den Verkehr im Ort, vor der kleinen Kapelle beim Trauergottesdienst stehen die Gäste bis auf die Straße, der Andrang auf dem Friedhof ist noch größer. Und überall die Frage: „Warum musste er so jung gehen?“

Straßlach: Beerdigung von Markus Roiderer

Straßlach: Beerdigung von Markus Roiderer

Heute ist Trost kaum möglich. In dieser Verzweiflung fließen sehr viele Tränen. Die Familie tritt ihren schweren Gang schon auf dem Weg vom Familienbetrieb Gasthof zum Wildpark zur Kapelle gemeinsam an. Bruder Thomas, dessen Freundin Janina und Markus’ Freundin Naїma nehmen sich an den Händen, die Eltern Toni und Christl halten sich fest in den Armen.

Schon in den Wochen zuvor haben sie Tag und Nacht zusammengehalten, um Markus ein friedliches Ableben zu ermöglichen. Gleich zu Beginn des Gottesdienstes werden die Trauergäste daran erinnert, dass ein junger Mensch gehen musste: Über die Boxen ertönt eine sanfte Version von Markus’ Lieblingslied, dem Rock-Song Under the Bridge von den Red Hot Chili Peppers.

Vorne stehen zwei Kränze aus roten Rosen, einer von den Eltern, einer von Bruder und dessen Freundin, in der Mitte ein Rosenherz: „In Liebe, dein Schatz Naїma“. Dahinter steht überlebensgroß ein Foto von Markus beim Anstich auf der Wiesn 2009. Mit seinem typischen zurückhaltenden Lächeln. Peter Kreuzpaintner, Ex-Chef der Paulaner-Gruppe, spricht in seiner Rede aus, was alle denken:

„Er war voller Energie und Tatendrang, vor Kraft strotzend. Wir können es nicht fassen.“ Wirte-Napoleon Richard Süßmeier ist sehr betroffen: „Mein Bruder ist mit 27 Jahren gestorben. Ich weiß, dass es das Schlimmste für eine Familie ist. Es ist eine Tragödie.“ Hofbräuzelt-Wirt Günter Steinberg, der am Samstag nach Straßlach geeilt war, um von dem Toten Abschied zu nehmen, kann seine Tränen nicht zurückhalten: „Dass am Ende alles so schnell geht … Ich bin selbst Vater von drei Kindern, dass ist das Schlimmste.“ Mit Wut in der Stimme sagt er: „Mit 33 stirbt man nicht.“ Er ist nicht der einzige Wirt, der seinen Gefühlen freien Lauf lässt.

Unter den Gästen sind die Familie Reinbold (Schützenfestzelt), das Ehepaar Kuffler senior (Weinzelt), das Ehepaar Inselkammer (Armbrustschützenzelt), Anneliese Haberl (Ochsenbraterei), Hans Stadtmüller (Fischer Vroni), Sepp Krätz (Hippodrom), Manfred Vollmer (Augustinerzelt), Michael und Gerd Käfer (Käferzelt), Hanns-Werner Glöckle (Glöckle-Wirt). Augstiner-Chef Jannik Inselkammer, Karl-Heinz Wildmoser junior mit seiner Mutter Theres und Sportjournalist Waldemar Hartmann waren anwesend.

Von städtischer Seite waren gekommen: Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl, Wiesn-Stadtrat Helmut Schmid, Bürgermeister Hep Monatzeder, Wirtschaftsreferent Dieter Reiter, SPD-Fraktionsschef Alexander Reissl sowie KVR-Chef ­Wilfried Blume-Beyerle. Einer, der weniger in seiner Funktion als Paulaner-Brauerei-Chef denn als guter Freund gekommen war, schafft es, mit einer persönlichen Rede den Trauergästen für einen Augenblick Trost zu spenden und mit Anekdoten ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern: Andreas Steinfatt.

Ihm selbst bricht aber währenddessen mehrmals die Stimme. Fast alle Gäste sprechen von Markus als einem „Freund“, auch die Kollegen. „Das macht mich sehr stolz“, sagt der Vater Toni Roiderer nach der Beisetzung. Er lächelt, dann ziehen sich die Mundwinkel wieder zusammen. „Auch für seinen Arzt war er ein Freund. Ein Top-Chirurg, der nicht helfen konnte. Und ich konnt’ auch nichts tun. Ich hätte alles gegeben, damit er überlebt. Das tut so weh.“

Nina Bautz

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