Ein letztes Ave Maria für Margareta

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Am Montag nahmen Familie und Freunde Abschied von Margareta Sch

München - Eine Woche nach dem Schicksalsschlag haben sich Angehörige, Freunde und ehemalige Kollegen zum Abschied von Margareta Sch. getroffen. Sie ist bei einem Wettrennen getötet worden. 

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Bei Wettrennen: Motorradfahrer fährt Frau tot

Am Montag vor einer Woche gerät das Leben von Johann Sch. aus den Fugen. Am späten Nachmittag geht seine Frau Margareta (63) aus dem Haus. Sie kommt nicht zurück. Die freundliche Rentnerin wird von einem Motorradfahrer erfasst, der sich laut Polizei mit einem Porsche ein Beschleunigungsrennen geliefert hatte. Die Münchnerin ist sofort tot. Eine Woche nach dem Schicksalsschlag versammeln sich Angehörige, Freunde und ehemalige Kollegen zu ihrem Abschied.

Schuberts Ave Maria erklingt in der Aussegnungshalle im Friedhof am Perlacher Forst, die Trauergäste blicken auf ein großes Foto, das neben dem mit Lilien geschmückten Sarg steht. Das Foto zeigt Margareta Sch., wie sie ihre Lieben kannten – mit einem fröhlichen Lachen in ihrem Gesicht.

Dann ergreift Trauerredner Dr. Franz Tuscher das Wort. Er skizziert in einfühlsamen Worten das Leben der Münchnerin. Aufgewachsen ist sie in Malzhausen im Kreise ihrer Geschwister. Anschließend verbrachte Margareta Sch. mehrere Jahre im nahen Schrobenhausen, lernte dort ihren ersten Ehemann kennen. Zwei Söhnen schenkte sie das Leben. Dann ereilt sie ein Schicksalsschlag: Ihr Mann stirbt völlig unerwartet. Schon mit jungen Jahren ist Margareta Sch. Witwe – und alleinerziehende Mutter.

Mit dem Umzug nach München lernt die junge Frau ihren zweiten Ehemann Johann kennen, eine Tochter erblickt das Licht der Welt. Bis zu ihrer Rente war Margareta Sch. geschätzte Mitarbeiterin in der Poststelle bei der AOK.

Von einer Sekunde auf die andere wird Margareta Sch. am Montag vor einer Woche aus dem Leben gerissen. Gegen 17.30 Uhr geht die Rentnerin aus dem Haus. Sie will schnell was im Tengelmann um die Ecke einkaufen. Auf dem Rückweg, kurz vor 18 Uhr, will sie die ­Naupliastraße in Harlaching überqueren.

Als sie die Fußgängerfurt erreicht, heulen 150 Meter entfernt die Motoren einer Suzuki-Rennmaschine und eines Porsches auf. Die Ampel springt auf Grün, Zeugen hören quietschende Reifen. Zwei, drei Sekunden später schießt Oliver H. (21) mit etwa Tempo 100 auf Margareta Sch. zu, die in diesem Augenblick ihr Radl über die zweispurige Straße schiebt.

Das Motorrad erfasst die Rentnerin, sie wird fünfzig Meter durch die Luft geschleudert – und bleibt tot auf der Fahrbahn liegen. Todesfahrer Oliver H., ein Informatiker, der nur ein paar Straßen weiter wohnt, überlebt den Unfall schwer verletzt. Der Porschefahrer kann rechtzeitig stoppen. Er bestreitet, sich mit Oliver H. ein Rennen geliefert zu haben.

Die Mutter von drei erwachsenen Kindern und stolze Oma eines Enkels (7) wird in einem Urnengrab im Friedhof am Perlacher Forst ihre letzte Ruhe finden. Das Grab hatte sie sich schon vor einem Jahr gesichert. Damals hatte Margareta Sch. eine schwere Darm-Operation zwar gut überstanden – sie ahnte aber wohl, wie vergänglich das Leben sein kann.

J. Mell

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