Stadtrat bekräftigt gegen Antrag der Linken Richtlinie zur Geschenkannahme für alle Beschäftigten

Letztes Nein zum Müllmann-Trinkgeld

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Jetzt ist es endgültig. Die städtischen Müllmänner dürfen heuer von den Münchnern kein Trinkgeld mehr zu Weihnachten annehmen.

München - ’s Christkind kommt bald, aber das ist heuer erstmalig kein Grund zur Vorfreude für Münchens städtische Müllwerker.

Seit Sommer 2007 wissen die 750 Männer vom Abfallwirtschaftsbetrieb (AWM), dass sie ab Weihnachten 2008 keine Trinkgelder mehr annehmen dürfen. Die drei Linken-Vertreter im Stadtratsplenum warfen sich am Mittwoch noch einmal für die Beibehaltung der „seit langem bestehenden Tradition“ ins Zeug. Ihr Antrag führte zwar zu einer ausführlichen Debatte, am Ende aber blieb’s dabei: Die Müllmänner dürfen, wie alle anderen städtischen Mitarbeiter, nur Sachgeschenke bis zu einem Höchstwert von 15 Euro akzeptieren. OB Christian Ude gab zu, dass die Abschaffung des alten Brauchs auf den ersten Blick unverständlich erscheine. Er habe sich aber intensiv mit den Thema befasst und schilderte eindringlich die Gefahren der Kriminalisierung, die im Sommer 2007 sogar zu staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen geführt hätten. „Bei kulantem Umgang mit überschießenden Müllmengen“ machten sich die Arbeiter der Bestechlichkeit schuldig.

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Es handle sich um so große Beträge, dass „bei guten Partien bis zu 3000 Euro pro Nase drin waren.“ Weil es laut Personalvertretung „eine dermaßen bedeutende Einkunftsquelle war“ sei das Verbot von 2007 auf 2008 verschoben worden. Bei Briefaktionen, die beklagten, dass kein Trinkgeld mehr gegeben werden darf, erkenne er meist schnell Personalvertreter als Urheber. Wie Ude plädierte auch Kommunalreferentin und „1. Werksleiterin“ Gabriele Friderich für die Gleichbehandlung aller Mitarbeiter. Die Trinkgeldtradition habe auch für Unruhe in der AWM-Belegschaft gesorgt, denn dort gebe es auch Personal, das nicht mit dem Kunden direkt zu tun habe. Der AWM werde am 1. Dezember alle Haushalte auf die neue Richtlinie hinweisen. Friderich schlägt vor, statt Barem eine Tüte mit Plätzchen zu schenken. OB Ude verwies außerdem auf städtische Beschäftigte in anderen Bereichen, vom Straßenkehrer über Lehrkräfte bis zu Erzieherinnen, die auch „nervenaufreibende Jobs haben“ und kein Trinkgeld annehmen dürfen. „Ich persönlich käme wahrscheinlich mit Mülltonnen besser zurecht als mit einer Schar aufgeregter Kinder.“

Barbara Wimmer

Quelle: tz

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