Gerd Bittls Ziehsohn wird beerdigt

Leukämie reißt Sidney (†26) mitten aus dem Leben

Sidney und seine Mutter Farah Sina Wendt: Zwei Menschen, die auch der Tod nicht trennen kann.

München - In der Stunde seines Todes war seine Mutter ganz nah bei ihm. Eine Hand hielt ihn fest, die andere lag an seinem Herzen. Den letzten Herzschlag spürt Farah Sina Wendt (51) noch immer. 26 Jahre lang hatte sie alles getan für ihren Sohn. Am Ende konnte sie ihrem Sonnenschein nicht mehr helfen.

Leukämie hat Sidney mitten aus dem Leben gerissen! Am Dienstag wird er auf dem Parkfriedhof in Untermenzing beerdigt – in der Nähe seines väterlichen Freundes Gerd Bittl, dem 2012 verstorbenen, ehemaligen Chef des gleichnamigen Sportgeschäftes und Lebensgefährten von Sidneys Mutter.

Noch vor einem Jahr ist Sidney voller Pläne. Er studiert Maschinenbau, macht seinen Master in London. Zuvor hatte er bei namhaften internationalen Firmen, beispielsweise in Russland, gearbeitet. Die Welt steht ihm offen.

Im Juni vergangenen Jahres kehrt Sidney zurück zu seiner Mutter nach Moosach. Er will seine Masterarbeit hier in vertrauter Umgebung schreiben. Hat er etwa da schon eine leise Vorahnung? Denn im August klagt der junge Mann auf einmal über Schwäche. Verspannungen plagen ihn, er verlangt nach Massagen.

Sidney lässt sich durchchecken. Einige Arztbesuche später dann die Diagnose, die seine Welt, die seiner Mutter und all seiner vielen Freunde erschüttert: akute lympathische Leukämie. Blutkrebs! „Ein Tumor war schon um seine Aorta herum gewachsen“, schildert Sidneys Mutter das Drama.

Es folgen Chemotherapien im Klinikum Großhadern. Farah Sina Wendt weicht nicht von der Seite ihres einzigen Kindes. Auf nahezu der ganzen Welt beten Sidneys Freunde für ihn. „Das hat ihm Kraft gegeben“, sagt sie der tz. Hoffnung keimt auf, als die Ärzte eine passende Knochenmarkspenderin finden. Doch die Frau wird schwanger, die Transplantation von Stammzellen scheitert.

Die einzige Hoffnung ist jetzt Sidneys Mutter selbst. „Wir mussten es versuchen, obwohl ich als Mutter nur 50 Prozent Übereinstimmung hatte.“ Die zierliche Frau nimmt im Januar alle Kraft zusammen und spendet genügend Zellen, die schließlich ihrem Sohn transplantiert werden.

Nach einer vorübergehenden Besserung muss Sidney wieder für Monate ins Krankenhaus. Wieder folgen Therapien. Sie können Sidney nicht helfen. Anfang Juni holt Farah Sina ihren Sohn zurück zu sich. Sidney besteht jetzt nur noch aus Haut und Knochen. „Aber er hat seine Würde behalten“, sagt seine Mutter und blickt dabei auf ein Foto, das ihren Sidney im eleganten Anzug zeigt.

Wieder besuchen Sidney viele Freunde im Haus seiner Mutter in Moosach. Sie kochen für ihn, beten für ihn, berühren ihn. Am 30. Juni, einen Tag nach dem Tod von Farah Sina Wendts Mutter, stirbt Sidney in den Armen seiner Mama. „Für ihn war es sicher eine Erlösung“, sagt Farah Sina Wendt. „Für mich ist eine Welt zusammengebrochen. Mein Sohn war die Liebe meines Lebens. 

JAM

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