Experte erklärt das Phänomen

Liebe zu Knackis - "Diese Frauen sind krank"

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München - Warum fühlen sich viele Frauen zu Knackis hingezogen? Vor dem Hintergrund des jüngsten Falls sprach die tz mit einem Kriminalpsychologen. Er erklärt, warum dieses Verhalten krankhaft ist.

Frauen lieben Knackis. Egal ob Wärterinnen wie im Fall von Ulrike V.oder Privatpersonen – solche Beziehungen sind für Außenstehende unerklärlich. Die tz hat mit dem Kriminalpsychologen Christian Lüdke (Buch: Wenn die Seele brennt) gesprochen.

Herr Lüdke, wie oft gibt es solche Fälle?

Christian Lüdke: Häufiger als wir glauben. Der Norweger Massenmörder Anders Breivik bekommt bis zu 70 Liebesbriefe pro Woche.

Was sind das für Frauen?

Lüdke: Einige fasziniert das Abscheuliche. Der gewalttätige Mann wird oft als stark und Sieger dargestellt und ist damit für manche begehrenswert. Es ist aber erwiesen, dass die meisten dieser Frauen in der Kindheit selbst entweder Gewalt- oder Missbrauchserfahrungen hatten oder emotional vernachlässigt worden sind. Dann spricht man von Hybristophilie. Das heißt, dass sich Betroffene insbesondere von Sexual- und schweren Gewaltverbrechern sexuell angezogen fühlen. Das ist krankhaft.

Warum ist das so?

Lüdke: Diese Frauen haben ein schwaches Selbstwertgefühl. Über solch einen Mann können sie Kontrolle ausüben. Außerdem greift das Amiga-Syndrom. Die Abkürzung steht für „Aber meiner ist ganz anders“. Sie sind überzeugt vom Guten in diesem Mann – und da sie damit meist alleine dastehen, wird ihre Beziehung zu etwas Besonderem. Das wertet die Frau zusätzlich auf. Der zweite Aspekt ist die Identifikation mit dem Täter: Er war stark und hat Gewalt ausgeübt – was die Frau sich in ihrer Kindheit nicht getraut hat.

Gibt es dieses Phänomen auch bei Männern?

Lüdke: Nur selten. Und in den meisten Fällen handelt es sich dabei um reine Sex-Beziehungen, nicht die krankhafte Hybristophilie.

Kann solch eine Beziehung funktionieren?

Lüdke: Nein. Die Beziehung scheitert fast immer, wenn der Mann frei kommt. Dann kippt das Verhältnis – und die Frau wird wieder zum Opfer.

Nina Bautz

 

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