„Sie hat mich behandelt wie Abschaum"

Liebesschwindlerin (26) brachte ihn (81) um 55.000 Euro

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Mutig sagte Johann K. (81, l.) aus Sendling am Donnerstag gegen Clara Z. (26.) aus.

München - Auch im hohen Alter glaubte Johann K. (81) noch an die Liebe. Aber er wurde bitter enttäuscht. Eine 26-Jährige erschwindelte sein Vertrauen und zockte ihn ab.

Mit verschränkten Armen steht der Sendlinger Senior am Donnerstag im Amtsgericht. Gerade wurde Clara Z. (26) wegen Betrugs zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. In Handschellen wird sie weinend an Johann K. vorbeigeführt, aber er würdigt sie keines Blickes. „Sie hat mich behandelt wie Abschaum“, sagt er. „Des hätt’s net braucht …“

Das Urteil gegen Liebesschwindlerin: zwei Jahre und sechs Monate Haft.

Es ist das Ende einer traurigen Liebesgeschichte, die Johann K. nicht nur das Herz brach, sondern auch sein Konto geleert hat. Denn seine frühere Herzensdame entpuppte sich als Betrügerin, die ihn um 55.000 Euro prellte! Geld, das der wohlhabende Senior an Clara Z. zahlen sollte, damit sie nicht nach Serbien abgeschoben wird. Aber ihre Not war nur erfunden. Tatsächlich benutzte die Arbeitslose das Geld, um sich eine Wohnung einzurichten.

Im Herbst 2012 lernt der Senior Clara Z. im Supermarkt kennen. Gerade erst war seine Lebensgefährtin verstorben. „Ich war ganz allein“, sagt er. Umso größer seine Freude, als die junge Frau mit ihm spazieren geht und für ihn kocht. Sogar Weihnachten feiern beide gemeinsam. „Es war wunderschön“, sagt Johann K.

Doch plötzlich will sie Geld. Aus Angst, sie zu verlieren, zahlt er zunächst 4000 Euro an Clara Z. Später nimmt der Senior sie mit zur Sparkasse und hebt 11.000 Euro ab. Ein Bankberater schöpft aber Verdacht und informiert die Polizei. So fliegt der Betrug auf – elf Monate lang muss Clara Z. ins Gefängnis. Als sie entlassen wird, meldet sie sich sofort wieder bei Johann K. Sanftmütig verzeiht er ihr – und zahlt weitere 40.000 Euro, nachdem sie ihn tagelang bedrängt.

„Es tut mir so leid“, entschuldigte sich Clara Z. „Sie haben sich das Vertrauen eines einsamen, alten Mannes erschwindelt. Und ihn dann gnadenlos abgezockt“, schimpfte Richterin Gertrud Schröder bei der Urteilsbegründung. „Wenn er nicht gespurt hat, konnten Sie sehr energisch werden. Sie haben mit hoher krimineller Energie gehandelt.“ Selbst Verteidiger Thomas Pfister sagte: „Das waren üble Taten, die man nicht schönreden kann.“ Er zahlte Johann K. am Donnerstag aber 20.000 Euro in bar aus – die Hälfte des verbleibenden Schadens. Die 15.000 Euro der ersten Episode hatte K. bereits zurückbekommen.

„Leider fiel ich auf Clara herein“, sagt Johann K. Mit seiner Aussage brachte er die Betrügerin aber hinter Gitter.

Andreas Thieme

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