tz-Serie: Münchens neue Macher

Lingoking: Hier spricht man alle Sprachen

+
Die Tischtennisbälle zeigen den Erfolg von Timo Müller (l.) und Nils Mahler. So viele neue Unternehmen arbeiten seit Anfang des Jahres mit ihnen zusammen.

München - Sie sind die jungen Vordenker, die Macher. Doch wer steckt hinter den jungen Münchner Unternehmen mit ihren visionären Ideen? In der tz stellen wir sie Ihnen jetzt täglich vor.

Wuff, ertönt es, als ich die Klingel bei Lingoking in Berg am Laim drücke. Entgegen kommt mir Ludwig (2) und lacht. „Er kann wirklich lachen. Manche denken, dass er mit den Zähnen fletscht, aber bei ihm ist das ein Zeichen der Freude“, erklärt mir Lingoking-Gründer Timo Müller (32) auf dem Weg in den Konferenzraum. Dort wartet schon Mitgründer Nils Mahler (32).

Das Start-Up bietet schnell und unkompliziert Dolmetscherleistungen an. Sie vermitteln Dolmetscher vor Ort, Übersetzungen von Dokumenten und Dolmetscher, die per Telefon übersetzen. „Kunden werden per Telefonkonferenz mit dem Dolmetscher verbunden. Wir übernehmen die Vermittlung. Je nach Sprache dauert das nur wenige Minuten“, erklärt Nils.

Auf die Idee kamen die Freunde im Urlaub. Dort waren sie mit dem nagelneuen Wagen von Nils Vater unterwegs und wollten eine Rundreise auf Korsika machen. Kaum dort angekommen, machte die Schaltung schlapp. „Es ging nur der erste Gang rein und so tuckerten wir zu einem Campingplatz und versuchten Hilfe zu organisieren“, so Timo. Und das alles mit dem wenigen Schulfranzösisch. Nils: „Alle waren überfordert.“ Schleppend kriegten sie alles hin, aber mühsam sei es gewesen. Wieder zu Hause überlegten sie, wie toll es wäre, wenn man schnell einen Übersetzer gehabt hätte.

Kennengelernt haben sich Timo, der Medienwirtschaft studiert hat, und Nils (Kulturmanagement und Marketing) bei der Arbeit. Beide sind für einen Job beim gleichen Start-Up nach München gezogen. „Dort lernten wir auch unsere zwei weiteren Mitgründer Christian Koch (32) und Uno-Jüngling Colic (35) kennen“, so Nils. Gemeinsam beschlossen sie im März 2010 zu kündigen. „Unser Chef hat uns immer ermuntert, uns mit etwas Eigenem selbstständig zu machen, also war er auch nicht böse, als wir gingen.“

Einen ihrer ersten Investoren lernte Nils durch Zufall kennen: „Genauer gesagt beim Müll-Rausbringen.“ Er hätte gewusst, dass sein Nachbar bei dem sehr erfolgreichen Start-Up Amiando arbeitet, „aber ich wusste nicht, in welcher Position.“ Der Nachbar, der Mitgründer von Amiando ist, lud die vier Jungs ein, ihr Projekt allen Gründern von Amiando zu präsentieren. Die waren Feuer und Flamme und investierten. Gegründet 2010 zu viert, haben sie heute 20 Mitarbeiter. 3500 Dolmetscher arbeiten mit ihnen zusammen und übersetzen in 60 verschiedene Sprachen.

Abgehoben sind die Gründer nicht. „Mein Vater sagt immer: So lange du noch mit dem VW Fox vorfährst, habt ihr es wohl noch nicht geschafft“, so Timo lachend. Mit ihren Eltern würden sie nicht so viel über ihr Unternehmen sprechen. „Das ist für sie nichts Greifbares. Mein Bruder ist beispielsweise Arzt und meine Schwester Kindergärtnerin. Da liegen Themen näher am Alltag“, sagt Timo. „Wenn wir von unseren Problemen erzählen, schalten unsere Eltern ab“, scherzt Nils.

Die Arbeit würde statt weniger immer mehr, erklärt Timo und weiter: „Aber wir versuchen genug Freizeit zu haben.“ Schließlich sei die Gründung eines Unternehmens wie ein Marathon, meint Nils. „Ich finde es nicht gut, jeden Tag, auch am Wochenende, 16 Stunden zu arbeiten. Das hält keiner durch und macht nur krank“, so Timo. Und raus lockt ihn jetzt auch Ludwig. Der schwanzwedelnd in den Konferenzraum kommt. In der Schnauze seine Leine – Los Spazieren Jetzt!

Auch interessant

Meistgelesen

Verbotener Tanz in Striptease-Bar: Razzia in der Maxvorstadt
Verbotener Tanz in Striptease-Bar: Razzia in der Maxvorstadt
Kostenexplosion! Münchner S-Bahn-Tunnel wird zum Milliardengrab
Kostenexplosion! Münchner S-Bahn-Tunnel wird zum Milliardengrab
Bettler-Alarm in der U-Bahn - MVG warnt vor der Musik-Masche
Bettler-Alarm in der U-Bahn - MVG warnt vor der Musik-Masche
Arnulfsteg kostet 26 Millionen Euro -Stammstrecke muss gesperrt werden  
Arnulfsteg kostet 26 Millionen Euro -Stammstrecke muss gesperrt werden  

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.