Häftling findet Gerald H. tot auf

Lissis Killer erhängt sich im Knast!

Ein Bild aus glücklichen Tagen: Gerald H. mit seiner Lissi im Bolivien-Urlaub

München - Die Aussicht auf ein Leben lang im Knast ließ ihn offenbar verzweifeln: Gerald H., der im Oktober seine bolivianische Freundin in Ramersdorf ermordet hatte, hat sich in seiner Gefängniszelle erhängt.

Die Aussicht auf ein Leben lang im Knast ließ ihn offenbar verzweifeln: Gerald H. (45), der im Oktober seine bolivianische Freundin Lisseth „Lissi“ E. (31) in Ramersdorf ermordet hatte, hat sich jetzt in seiner Gefängniszelle in Stadelheim erhängt!

Die Mord-Anklage der Staatsanwaltschaft München I war bereits fertig, es dauerte nur noch wenige Wochen bis zum Prozess. Dass dort noch einmal alles aufgerollt und von den Richtern das schreckliche Drama seiner Dreiecksbeziehung zerpflückt wird – das wollte Gerald H. wohl nicht zulassen. Monatelang verbarg er seinen desaströsen psychischen Zustand so geschickt, dass Mitinsassen und Justiz­beamte die Gefahr nicht erkannten. Es war ein Sonn­tagnachmittag, „Umschluss“-Zeit: „Da dürfen sich die Häftlinge gegenseitig besuchen, die Türen stehen offen. Als sein Zellennachbar zurückkam, machte er die traurige Entdeckung“, sagt Anstaltsleiter Michael Stumpf der tz. Der sofort herbeigerufene Arzt und einige Pfleger konnten nichts mehr tun. Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch: „Wir bestätigen den Suizid. Es gibt derzeit keine Anhaltspunkte auf ein Fremdverschulden.“

Gerald H. wollte sich schon einmal das Leben nehmen. Unmittelbar nachdem er Lissi, die Mutter seiner Tochter Luisa (1 Jahr), mit mehreren Messerstichen niedergemetzelt hatte, brauste er mit seinem Renault Kangoo davon, versuchte sich während der Fahrt die Pulsadern aufzuschlitzen und raste schließlich auf der A 92 bei Freising mit voller Absicht in die Leitplanke! Gerald H. kroch aus dem Wrack und wollte mehrmals auf die Autobahn laufen – doch Polizei und Rettungskräfte waren schneller. Der Grund für seine Verzweiflung: verschmähte Liebe und die Angst, seine kleine Tochter zu verlieren.

Denn „Lissi“ war allein in eine eigene Drei-Zimmer-Wohnung gezogen, als sie von seinen Plänen erfuhr, wieder zur bis dahin getrennt lebenden Frau und den zwei Kindern (11, 15) nach Steinach (Landkreis Straubing-Bogen) zurückkehren zu wollen. Gerald H. war hin- und hergerissen. Und am Ende lagen die Nerven blank: Die ständigen Streitereien arteten aus. Mal hatte Lissi ein blaues Auge, dann er ein zerkratztes Gesicht. Wenige Tage vor dem Mord beklebte er ihre Fenster noch mit rosa ­Rosen und einem herzzerreißenden Versöhnungsbrief – doch Lissi wollte nicht mehr.

Bilder: Leiche im Münchner Osten gefunden

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Gerald H. kam wegen seines labilen Zustands zunächst nach Straubing. Doch als die Selbstmord-Gefahr gebannt schien, wurde der Geschäftsmann nach Stadelheim verlegt. „Ich kann mir das nicht erklären, die Nachricht hat mich sehr überrascht“, sagt H.’s Pflichtverteidiger Michael Adams. Auch im Gefängnis ist die Betroffenheit riesig: „Die Gefangenen konnten bereits bei einer Andacht in der Anstaltskirche Abschied nehmen“, sagt Stumpf. Nach tz-Informationen hinterließ Gerald H. zwei Abschiedsbriefe. An wen er sie gerichtet hat, ist unklar.

Sebastian Arbinger

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