Zweifel an Testament

Litt Gurlitt an paranoiden Wahnideen?

München - An der Gültigkeit des Testaments von Cornelius Gurlitt sind laut eines Medienberichts Zweifel aufgetaucht. Demnach litt er zum Zeitpunkt des Verfassens an einer psychischen Krankheit.

Einem neuen Gutachten des Psychiaters und Juristen Helmut Hausner zufolge litt Gurlitt - der Sohn von Hildebrand Gurlitt, einem der Kunsthändler Adolf Hitlers - an „paranoiden Wahnideen“, als er seinen Letzten Willen im Januar 2013 niederschrieb. Wegen dieser psychischen Erkrankung sei Gurlitts „Freiheit der Willensbildung“ aufgehoben gewesen. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung in ihrer Montagsausgabe.

Bereits seit den 1960er Jahren soll sich Gurlitt von Nazis verfolgt gefühlt haben, er habe ein Komplott befürchtet, das ihm die vom Vater geerbten Bilder wegnehmen wolle. Hausner beruft sich laut „SZ“ auf Dokumente und Briefe. Bei Hausner soll der Anwalt von zwei gesetzlichen Erben des am 6. Mai gestorbenen Kunsterben das Gutachten in Auftrag gegeben: Der Cousin Dietrich Gurlitt und die Cousine Uta Werner waren in dem Testament übergangen worden.  Sie hatten das Gutachten in Auftrag gegeben, um die Situation zu klären - auch für künftige Erbengenerationen. Allerdings wollen sie weder einen Erbschein beantragen noch das Erbe anfechten.

Gericht prüft Testament nicht

Deshalb sieht das zuständige Nachlassgericht zur Zeit keinen Anlass, das Testament zu überprüfen. Da derzeit kein Erbscheinsantrag vorliegt, findet auch keine Prüfung der Wirksamkeit des Testaments statt“, teilte eine Sprecherin des Münchner Amtsgerichtes mit. Ob das Gericht Ermittlungen aufnimmt sofort durch Beschluss entscheidet wenn so ein Antrag eingeht, entscheidet die für das Verfahren zuständige Richterin.

Gurlitt hatte seinen Besitz dem Kunstmuseum Bern vermacht - darunter hunderte Kunstwerke aus seiner Wohnung in München-Schwabing und seinem Haus in Salzburg. Das Kunstmuseum Bern will seine Entscheidung am 26. November bekanntgeben.

Ermittlungen der Taskforce "Schwabinger Kunstfund"

Im November 2013 war bekanntgeworden, dass Steuerfahndung und Staatsanwaltschaft im Februar 2012 fast 1300 Kunstwerke in Gurlitts Münchner Wohnung beschlagnahmt hatten.

Die Sammlung Gurlitt umfasst hunderte Werke, bei denen es nicht auszuschließen ist, dass es sich um Nazi-Raubkunst handelt. Nach Angaben eines Sprechers der eigens eingerichteten Taskforce „Schwabinger Kunstfund“ müssen 492 Werke auf ihre Herkunft untersucht werden. Nach weiteren Funden wurde die Zahl nach oben korrigiert. Erst bei zwei Bildern, der „Sitzenden Frau“ von Henri Matisse und „Zwei Reiter am Strand“ von Max Liebermann, ist die Provenienzrecherche abgeschlossen. Das Ergebnis: Bei den Gemälden handelt es sich um Raubkunst.

Wenn das Kunstmuseum Bern das Erbe des Kunstsammlers Cornelius Gurlitt ausschlagen sollte, will die Cousine Uta Werner als gesetzliche Erbin sämtliche Raubkunst sofort zurückgeben, wie sie in der vergangenen Woche über ihren Anwalt erklären ließ. Die beiden Verwandten haben selbst jüdische Wurzeln. „Die Familie wünscht, dass die Sammlung der Klassischen Moderne, die Hildebrand Gurlitt aus der Aktion „Entartete Kunst“ gerettet hat, zusammenbleibt und dauerhaft in einem deutschen Museum ausgestellt wird“, teilte der Anwalt Wolfgang Seybold mit.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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