Kahlschlag bei Unternehmen

Lizenz-Entzug: Jetzt sprechen Münchens Taxler

+
Einigen Taxlern soll die Lizenz entzogen werden.

München - Wegen Betrugsverdachts will die Stadt jede fünfte Taxikonzession einkassieren. Und was sagen die Taxler zu dem Kahlschlag? Die tz hörte sich um.

In München gibt es zu viele Taxifahrer. Dieser Meinung ist zumindest das KVR. Es ließ den Stadtrat am Mittwoch entscheiden, dass rund 700 der bestehenden 3368 Taxikonzessionen einkassiert werden. Die große Konkurrenz würde dazu führen, dass viele Taxiunternehmer Steuern hinterziehen und Fahrgäste prellen, behauptet die Stadt.

Das KVR beruft sich auf ein Gutachten von 2015, nach dem die Prüfung der „wirtschaftlichen Plausibilität“ der untersuchten Taxler gezeigt habe, „dass etwa ein Viertel der Betriebe mit ca. 38 Prozent der Fahrzeuge betriebliche und steuerliche Angaben machen, die mit betriebswirtschaftlichen Grundsätzen nicht in Einklang zu bringen seien.“ Der Gutachter sprach von „viel Schattenwirtschaft,“ viele Unternehmen würden unter der Rentabilitätsgrenze arbeiten. KVR-Sprecher Johannes Mayer erklärt: „Es gibt Taxler, die die Taxiuhr abschalten, die sie innerhalb der Stadt und Nachbarlandkreise anlassen müssen. Es gibt auch Beschwerden, dass Taxifahrer sich weigern, Patienten zu einem nahe gelegenen Krankenhaus zu fahren, weil sie eine lukrative Flughafenfahrt wollen.“

Der Gutachter empfiehlt, die während der Olympischen Spiele 1972 aufgebaute Zahl von 3368 Konzessionen, die von 1788 Taxiunternehmen genutzt werden, um rund 700 Lizenzen abzubauen. Das soll durch ein Aussieben der Schwarzen Schafe geschehen: Dazu wird die Zahl der städtischen Taxi-Kontrolleure von vier auf acht verdoppelt. Sie sollen Betrieben, „die sich durch rechtswidriges Handeln Wettbewerbsvorteile gegenüber regelkonform geführten Unternehmern verschaffen“, künftig eine Verlängerung der jeweils fünf Jahre lang gültigen Lizenzen verweigern.

Und was sagen die Taxler? Die tz hörte sich um. Und befragte Reinhard Zielinski von der Taxi München eG. Dieser erklärt: „Natürlich gibt es bei uns schwarze Schafe, doch das macht etwa ein Prozent der Fahrer aus.“ Das Gutachten habe auch Rentner einbezogen, die nur ab und zu fahren. Tatsächlich gebe es zu viele Lizenzen. Aber: „Der Abbau von 300 Genehmigungen würde absolut ausreichen.“

Mehr Kontrollen und Lizenz-Entzug: Die Taxler finden’s gut!

Die Bösen bestrafen: „Es ist in Ordnung, dass die Stadt einigen Taxlern die Lizenzen entzieht. Wir müssen uns einen Kuchen teilen, die Stücke werden dann größer. Es gibt genügend, die etwas auf dem Kerbholz haben. Von diesen bösen Taxlern könnte die Stadt die Lizenzen einziehen. Zum Beispiel, die ihre Steuer nicht gezahlt haben.“ Willi ­Heyer (69)

Willi Heyer.

Zuviele Fahrer: „Derzeit fahren meiner Meinung nach 500 Taxler zu viel durch München. Bescheißen ist bei unserem Gewerbe nicht ungewöhnlich, wenn du davon Leben willst. Früher fuhr man fünf Stunden in einer Schicht, heute sind es nur noch zwei. Die restliche Zeit warten wir auf Gäste. Die Stadt sollte denen die Lizenz entziehen, die ohne Kfz-Versicherung fahren. Es wird trotzdem genügend Taxler geben.“ Herbert Becher (72)

Weniger Konkurrenz ist gut: „Ich finde es gut, wenn die Stadt einige Taxi-Lizenzen zurückzieht. Das heißt im Klartext für uns: weniger Konkurrenz, also mehr Umsatz. Meine Idee wäre, dass man denjenigen die Lizenz entzieht, die nicht regelmäßig arbeiten und nicht davon Leben müssen. Dass jeder vierte Taxler bescheißt, glaube ich.“ Besim Music (58)

Besim Music.

Lizenz prüfen: „Die Frage ist dann bloß, wie die Stadt die Lizenzen entzieht. Das müsste rechtlich ordentlich ablaufen. Zum Beispiel könnte die Stadt die Taxler, die altersbedingt ihre Lizenzen abgeben, diese nicht weiter verkaufen lassen. Das funktioniert natürlich nur bei den Alleinunternehmern. Ob einige Taxler bescheißen oder nicht, ist immer eine Frage des Unternehmers.“ Elmar Rüger (68)

Aufregung rund um Taxifahrer gab es kürzlich auch in der Fäustlerstraße. Dort probten Fahrer einen kleinen Aufstand.

Johannes Welte/Michael Sapper

Auch interessant

Meistgelesen

Kommentare