Mit diesen Methoden wird’s für Verbrecher eng

München - Mit High-Tech auf Verbrecherjagd: Besonders knifflige Fälle lösen die Ermittler vom Bayerischen Landeskriminalamt (LKA) nun mit brandneuen Verfahren. Sehen Sie hier das Video:

Im Kriminaltechnischen Institut (KTI) des LKA arbeitet ein riesiges Team aus 200 Wissenschaftlern fieberhaft an neuen Technologien. So setzen die Ermittler bei der Verbrechensbekämpfung nun auf 3-D-Aufnahmen vom Tatort und die Analyse feinster Hautschuppen. Sogar Schwankungen im Stromnetz können eine Spur auf den Täter liefern! In der tz erklären die Experten, wie die neuen Methoden funktionieren.

Auf Spurensuche mit dem 3-D-Laser

Nein, das Bild links ist keine Szene aus einem Computerspiel – das ist der rekonstruierte Tatort eines Mordes! Seit kurzem misst das LKA Tatorte mit Laser-Scannern. Das Ergebnis: Ein völlig realistisches, dreidimensionales Bild, auf dem alle Details zu erkennen sind! „Mit dieser Technik frieren wir quasi die optischen Gegebenheiten der Tatorte ein“, erklärt Guido Limmer, Leiter des Kriminaltechnischen Instituts (KTI).

Die spektakulärsten Verbrechen Münchens

Die spektakulärsten Verbrechen Münchens

KTI-Leiter Guido Limmer mit den beiden Scannern

Zwei Geräte kommen zum Einsatz: Der Laserscanner mit aufgesetzter Digitalkamera erfasst Tatorte mit einem Radius bis zu 80 Meter. Der kleinere Streiflicht-Scanner vermisst die Objekte in der Nähe – so können Einschusslöcher, Schuhspuren oder Körperverletzungen bis ins kleinste Detail im Submillimeterbereich untersucht werden. „Wir haben mit dieser Technik einen Täter überführt, der 2010 in der U-Bahn in Nürnberg einen jungen Mann verprügelt hat: Seine Schuhabdrücke haben mit den Kopfverletzungen des Opfers übereingestimmt“, sagt Limmer.

Sogar Jahre nach dem Verbrechen können mit dieser Methode Tatorte rekonstruiert und Zeugenausssagen aus allen Perspektiven über bewegte 3-D-Animationen überprüft werden. Auf dem Modellbild (li.) sieht man die Animation eines Mordes in einer kleinen Küche. „Anhand der Laseraufnahmen könnten wir etwa untersuchen, von welcher Position aus der Täter geschossen haben könnte“, sagt Limmer.

Allerdings ist das Verfahren sehr aufwändig und wird nur in Ausnahmefällen eingesetzt. Guido Limmer: „Das Scannen dauert zwar nur etwa eine Stunde – aber die Auswertung der Daten und die Erstellung der Animationen nimmt dann nochmal 20 Stunden in Anspruch.“

Analyse von Hautschuppen

Der Genetiker Dr. Wolfgang Voll bei der Analyse.

An der Kleidung von Mordopfern finden die Ermittler oft jede Menge Spuren. Doch welche gehört dem Täter? Um einzelne Hautschuppen zu finden, klebt LKA-Humangenetiker Dr. Wolfgang Voll die Kleidung mit speziellen Spurensicherungsbändern ab. An deren Klebefläche bleiben unzählige Mikrospuren hängen, die nur unter dem Mikroskop zu erkennen sind: Fasern, Haare, Blut, Staub, Hautschuppen. Früher wurde der Kleber nur abgekratzt. Die erhaltenen Mischspuren konnten so oft keiner bestimmten Person mehr zugeordnet werden.

Bayerns unheimliche Phantome

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 Heute können die Ermittler jede Spur einzeln unter dem Binokular und im Labor untersuchen – ist sie noch so klein. Eine aufwendige Technik: Um etwa die Spuren einer Jacke zu analysieren, sind mehrere Tage nötig. „Deshalb wird die Methode nur bei Kapitaldelikten angewandt“, sagt Dr. Voll. Die Ermittler kamen so bereits dem Mörder in einem mehrere Jahre alten Fall auf die Schliche: „Das Opfer wurde auf dem Sofa getötet. Wir haben die ganze Couch abgeklebt und untersucht – und unter hunderten Spuren nur eine einzige gefunden, die dem Täter gehörte!“

Das Stromnetz liefert Hinweise

Sogar das Stromnetz kann bei der Aufklärung von Verbrechen helfen! „In ganz Europa rotieren die Stromgeneratoren mit einer Frequenz von fünfzig Hertz“, erklärt KTI-Leiter Gudio Limmer. Im Tagesverlauf kommt es da zwar zu leichten Schwankungen – die sind aber im gesamten europäischen Stromnetz gleich. „Wenn zum Beispiel am Montag eine Firma in Portugal ihre Maschinen hochfährt, ist diese Schwankung in München genauso messbar wie in Bukarest oder Palermo.“ Der Verlauf ist somit zur selben Zeit an allen Orten gleich – einzelne Tage unterscheiden sich jedoch in ihren Frequenzen.

Jetzt kommt das Interessante: Sobald eine Ton- oder Filmaufnahme läuft – zum Beispiel ein Anrufbeantworter oder eine Videokamera – wird diese Frequenz automatisch als Schwingung aufgezeichnet. Bei einem Verbrechen können die Ermittler die Schwingung herausfiltern – und die Muster mit den Frequenzverläufen der Datenbank vergleichen. Guido Limmer: „So können wir genau sagen, an welchem Tag und um welche Uhrzeit die Aufnahme entstanden ist – wann zum Beispiel ein Täter auf den AB gesprochen hat oder ob es stimmt, dass eine Person zu der und der Zeit im Rotlichtmilieu war, wie Videoaufnahmen zeigen.“

Christina Schmelzer

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