15-monatige Haftstrafe droht

Damit sie nicht in den Knast kommen: 1860-Fans müssen Bayern-Trikot kaufen

+
Die Löwen-Fans haben im Bayern-Fanshop zugegriffen.

München - Fans des TSV 1860 München müssen ein Trikot des FC Bayern kaufen, um einer 15-monatigen Haftstrafe zu entgehen. Dieses Urteil fällte eine Richterin am Amtsgericht München.

Am Sonntag fand das „kleine Derby“ im Grünwalder Stadion statt, und auch diesmal kam es zu Rangeleien. Wie die Justiz mit Übergriffen von Fußball-Fans umgeht, zeigt ein Urteil des Amtsgerichts. Demnach hatten zwei Anhänger des TSV 1860 aus der Ultra-Szene am 12. August 2014 einem Bayern-Fan die Fan-Jacke – die sogenannte Kutte –, das Bayern-Trikot und einen Strohhut vom Leib gerissen. Das Amtsgericht bewertete dies als gemeinschaftlichen Raub und verurteilte die beiden 26 und 23 Jahre alten Männer zu einer 15-monatigen Haftstrafe – es sei denn, die Löwenfans zeigen sich einsichtig und beschaffen dem Opfer ersatzweise seine Fan-Utensilien.

Überfall auf Fan: Deswegen müssen die 1860-Fans das Bayern-Trikot kaufen

Die Täter hatten am Abend nach dem Derby den Bayern-Fan im Sperrgeschoss des Hauptbahnhofs verfolgt. Der 20-jährige Fliesenleger aus Franken habe bereits in der U-Bahn bemerkt, dass er von den beiden 1860-Fans und einem weiteren unbekannten Mann auffällig beobachtet worden sei, so das Gericht. Unter kräftiger Mithilfe des nach wie vor unbekannten dritten Mittäters zogen sie dem Opfer die Fan-Jacke aus. Das Trikot, das der Bayern-Fan noch am Leibe trug, rissen sie in Fetzen. Der dritte Mann sagte zu dem Bayern-Fan, dass er in „ihrem Revier“ nicht so herumlaufen solle, „sonst würde er eine aufs Maul kriegen“. Als sich zufällig eine Streife der Bundespolizei näherte, ließen die Täter ihr Opfer los. Ihrem Komplizen riefen sie zu, er solle flüchten, weil „die Bullen da“ seien. Den erbeuteten Strohhut hielt einer der Täter zum Zeitpunkt der Festnahme noch in der Hand.

 Die zuständige Richterin wertete zu Lasten der Angeklagten „deren gezieltes und geplantes Vorgehen“. Auch der Umstand, dass die Tat durch drei Personen verübt worden sei – begleitet von Beleidigungen und Beschimpfungen – und dass man dem Geschädigten förmlich die Kleider vom Leib gerissen und diesen unbekleidet in der Öffentlichkeit zurückgelassen habe, sei strafverschärfend. Die beiden festgenommenen Täter haben die Identität des dritten Mittäters auch vor Gericht nicht preisgegeben und kein Geständnis abgelegt. Reue hätten sie ebenso wenig gezeigt.

"Täter-Opfer-Ausgleich": 1860-Fans kaufen Bayern-Trikot

Mittlerweile haben sich die jungen Männer an einem sogenannten „Täter-Opfer-Ausgleich“ beteiligt. Nach Angaben von Günter Reisinger, dem Anwalt der 1860-Fans, hat das Opfer ein Schmerzensgeld von jeweils 500 Euro – also insgesamt 1000 Euro – bekommen. Außerdem hätten die Täter sich entschuldigt. Und, so Reisinger: „Sie haben die Höchststrafe für einen 1860-Fan angenommen: Sie sind in einen Fanshop des FC Bayern gegangen und haben Jacke, Bayern-Trikot und Strohhut gekauft.“ Diese Fan-Utensilien würden sie bei der Berufungsverhandlung dem Opfer überreichen. Reisinger hofft, dass die Strafe nun zur Bewährung ausgesetzt wird.

 Das hat auch das Amtsgericht in Aussicht gestellt, sollten die Löwenfans Reue zeigen. Laut Reisinger, der spezialisierter Fan-Anwalt ist, haben die beiden Sechzger ihr Opfer verwechselt. Sie hätten den 20-Jährigen als jemanden identifiziert, der zuvor in eine Auseinandersetzung zwischen Fangruppen verwickelt gewesen sei. „Die Situation war emotional belastet“, so Reisinger, wiewohl er die Tat nicht entschuldigen wolle. Der Anwalt sagt: „Die Justiz fährt mittlerweile eine vergleichsweise harte Linie im Umgang mit Delikten aus der Fußballfan-Szene.“ Auch Jochen Kaufmann, Leiter des Fanprojektes München, erklärt, das Urteil spiegele eine härtere Gangart bei Straftaten mit Fußballbezug wider. Passagen der Urteilsbegründung in diesem Fall seien polemisch. Den Täter-Opfer-Ausgleich wiederum halte er für ein sehr vernünftiges Instrument des Strafverfahrens.

Klaus Vick

auch interessant

Meistgelesen

Münchner Tagesmutter verhaftet - Pressekonferenz im Video
Münchner Tagesmutter verhaftet - Pressekonferenz im Video
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Zuhälter-Schorsch: Muss er jetzt für immer hinter Gitter?
Zuhälter-Schorsch: Muss er jetzt für immer hinter Gitter?

Kommentare