Massenpanik im Löwenbräukeller

Vor 40 Jahren starben hier zwei Menschen

3000 Teenies kamen am 12.4.73 zur Veranstaltung

München - Vor 40 Jahren erschütterte eine Katastrophe die bayerische Landeshauptstadt: Im Löwenbräukeller kamen bei einer Massenpanik auf einer Miss-Wahl zwei Menschen ums Leben. Ein Angehöriger erinnert sich.

In stillen Momenten, wenn die Bilder wieder in seinen Kopf kommen, da verschwindet das Lächeln aus dem Gesicht von Fred Reithmayr (67). Sein Blick wird leer, er hält das Bild seiner Nichte in der Hand und betet leise. „Das gibt mir Trost, aber Olga bringt es nicht zurück.“

40 Jahre ist es her, dass Olga Tschirwa bei einer Massenpanik im Löwenbräukeller ums Leben kam. Ihren Tod hat der Onkel nie verwunden. Jeden Artikel und jedes Bild über die Katastrophe hat er in einem dicken Ordner gesammelt. Darin lebt die Erinnerung an seine Olga weiter – er möchte sie nicht loslassen. „Sie war so ein liebes Kind, immer hilfsbereit und hat so schön gelacht.“

"Ich kann ihren Tod nicht vergessen": Fred Reithmayr trauert um seine Nichte Olga.

Heute jährt sich der 12. April 1973 – es ist ein dunkler Tag in Münchens Geschichte. Was war passiert? Im Löwenbräukeller findet ab 18 Uhr die Bravo Super Disco statt – ein Konzert für junge Leute, später wählen Bravo-Fans das Mädel des Jahres. Die Teenie-Idole Chris Roberts und Peter Maffay treten auf, zwei D-Mark kostet die Karte. Der Andrang ist riesig: 3000 Jugendliche pressen sich in den Löwenbräukeller, dabei sind nur 1800 zugelassen. Olga ist 14 – es ist ihr erstes Konzert.

Olga starb qualvoll.

Als das Mädchen nach Ende den Saal verlassen will, beginnt das Grauen. Kurz nach 22 Uhr: Draußen warten viele Eltern. Die Jugendlichen wollen durch den Haupteingang. Das Problem: Nur eine Flügeltür ist geöffnet, 3000 junge Pop-Fans quetschen sich durch 99 Zentimeter. Panik bricht aus, die ersten Kinder brechen zusammen. Im Gedränge trampeln sie über zu Boden gefallene Körper. „Die Kinder türmten sich in Lagen übereinander, es herrschte Todesangst“, sagen Augenzeugen. Sanitäter berichten von schlimmen Wunden: Stiefelabsätze reißen Löcher in Rücken, Becken brechen, Hände und Gesichter werden zerquetscht. „Meine Olga wurde zertreten. Von hunderten Füßen“, sagt Reithmayr. „Meine Schwester rief an und sagte nur: Mein Kind stirbt.“

Die schlimmsten Katastrophen in München

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Eine Woche lang kämpfen Ärzte um Olga – vergeblich. Auch die 15-jährige Barbara Mayr stirbt, 22 Jugendliche verletzen sich schwer. Auch nach 40 Jahren ist das Unglück unvergessen. „So etwas hätte nie passieren dürfen. Mein Mitleid gilt den Angehörigen“, sagt Christian Schottenhamel, heutiger Betreiber des Löwenbräukellers.

Stadt, Veranstalter, Besucher – „niemand hat sich je bei uns gemeldet“, sagt Reithmayr. Nur Sänger Chris Roberts ruft an. „Er sagte, es tut ihm leid.“ Kurz darauf nimmt Roberts eine Platte auf. Sie heißt: "Warum?"

So erlebte Peter Maffay den Schock

Das Jahr 1973: Es sind die Anfänge in der Karriere Peter Maffays. Auch er spielt am 12. April im Löwenbräukeller, singt Songs wie Du. „Dieser Auftritt ist mir immer noch als eine der schlimmsten Erfahrungen, die ich beruflich gemacht habe, in Erinnerung“, sagt der Musiker der tz. „Die Veranstaltung fand im ersten Stock statt und war, wie sich im Nachhinein herausstellte, völlig überfüllt mit Fans.“ Maffay erinnert sich an „chaotische Züge“: „Von professioneller Abwicklung konnte man nicht sprechen. Das war schon beim Soundcheck erkennbar. Als die Veranstaltung beendet war, verließen die Fans über Treppen den Raum. Nach meiner Information hatten Ordner eine der Ausgangstüren nicht vollständig geöffnet, sodass die von oben drängenden Fans nicht ungehindert nach außen gelangen konnten. Es entwickelte sich Panik und wohl aus diesem Umstand wurden zwei Fans totgetreten. Das war für alle ein Schock."

A. Thieme

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