London: So erleben zwei Münchner das Chaos

München - Ausnahmezustand in London! Nach mehreren gewalttätigen Nächten sind die Ausschreitungen am Montagabend eskaliert. Zwei Münchner berichten, wie sie das Chaos erleben.

Schon früh morgens beim Einschalten eine Nachricht vom Chef auf dem Handy zu finden, ist normalerweise kein gutes Zeichen. Aymar P.s (26) Vorgesetzter wollte am Dienstagmorgen allerdings nur sicherstellen, dass es seinem Mitarbeiter gut geht. „Er hat mich um 8 Uhr per SMS gefragt, ob ich in Sicherheit bin“, erzählt Aymar. Der Münchner studiert in London und wohnt nur 50 Meter von einer der Hauptstraßen in Haringey entfernt, die die Randalierer in den vergangenen Tagen in Schutt und Asche legten. „Der Schaden ist immens“, sagt er zur tz. Der ganze Bezirk sei abgesperrt, fast an allen Geschäften die Scheiben eingeschlagen. Die Plünderer hätten sämtliche Regale leergeräumt. „Hier geht nachts niemand mehr raus.“ Als Aymar am Montagabend wegen einer dringenden Besorgung doch nochmal auf die wie leergefegte Straße muss, blickt er nur auf verbarrikadierte Fensterfronten und Eingangstüren. „Ich kam mir vor wie in einer Geisterstadt“, sagt der 26-Jährige.

Die "Schlacht um London": Bilder von den Krawallen

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Mittlerweile sind viele Stadtteile auch tagsüber nicht mehr sicher. Die Münchner Rentnerin Charlotte K. lebt seit 1997 im Londoner Stadtteil Croydon. „Aber eine solche Angst habe ich noch nie gehabt“, sagt die 66-Jährige. Beim Einkaufen am Dienstagmittag begegnete sie zahlreichen jungen Familien, die Hamsterkäufe tätigten. „Plötzlich kam eine Durchsage: Wir sollten alle sofort zur Kasse“, berichtet Charlotte K. der tz. „Sie haben gesagt, der Supermarkt würde in fünf Minuten schließen.“Ein Mitarbeiter habe ihr erklärt, dass Plünderer etwa einen Kilometer weiter einen Supermarkt überfallen hätten.

Für Charlotte K. ist das Chaos noch lange nicht vorbei: „Ich kann noch gar nicht fassen, was hier geschieht, es ist wirklich wie im Krieg. Es ist sehr aufwühlend.“ Die Wohnung möchte sie erstmal nicht mehr verlassen. Was vor ihrer Haustür passiert, verfolgt sie im Fernsehen – und wartet endlich auf gute Nachrichten…

ISP

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