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Ludwig-Thoma-Straße wird doch nicht umbenannt - Reiter spricht Machtwort: „Nicht so lange ich OB bin!“

Die Ludwig-Thoma-Straße in Pasing sollte umbenannt werden.
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Die Ludwig-Thoma-Straße in Pasing sollte umbenannt werden.

Die Ludwig-Thoma-Straße wird nun offenbar doch nicht umbenannt. OB Dieter Reiter (SPD) soll das Thema mit den Worten „So lange ich OB bin, passiert das nicht“ intern einkassiert haben. Der Ältestenrat wird sich gleichwohl kommenden Freitag mit Straßen befassen, deren Namensgeber als historisch belastet gelten. Unter anderem geht es um Agnes Miegel, Hermann Proebst, Waldemar Bonsels und Herbert Quandt.

Wie berichtet, hatte eine Kommission aus Historikern und Vertretern der Stadt eine Liste mit über 40 Straßennamen erstellt, die einer Prüfung bedürfen. Darauf zu finden war dann eben auch die Ludwig-Thoma-Straße. Die Kommission soll mehrheitlich für eine Umbenennung gestimmt haben, zu entscheiden hat dies allerdings dann der Ältestenrat.

Thoma war wegen seiner antisemitischen Äußerungen im Miesbacher Anzeiger 1920 und 1921 nachträglich in die Kritik geraten. Die Hetzschriften waren 1989 entdeckt worden. Von „Sau-Jude“ ist da die Rede „Warum führt man Krieg mit den gutmütigen, anständigen Russen, statt mit ihnen diese Pest auszurotten“. Thoma schrieb über „dicke, faule Jüdinnen, die ihre Hintern zu Fettpolstern züchten“. Das warf einen Schatten auf Thomas Oeuvre, zu dem die „Lausbubengeschichten“, die „Heilige Nacht“ und „Der Münchner im Himmel“ zählen. Die Stadt hatte seinerzeit reagiert und die Ludwig-Thoma-Medaille eingestampft, die bis dato jährlich an Künstler wie Bruno Jonas oder Ruth Drexel verliehen worden war.

Dem Vernehmen nach waren Grüne und SPD nun auch für eine Umbenennung der Straße. Nach dem Machtwort Reiters jedoch hat sich das gewandelt. Vorstellbar sei nun, dass man eine erklärende Tafel an der Straße anbringen sollte. „Geschichte in all ihrer Komplexität muss auch mahnen“, sagt ein Genosse. „Wenn man sie komplett ausradiert. Gibt es sie nicht mehr.“

Der Vorschlag, die Ludwig-Thoma-Straße umzubenennen, hatte für Kritik gesorgt. Unter anderem hatte der einstige Fraktionschef der Landtags-SPD, Franz Maget sich gegen die „Umbenennerei“ ausgesprochen. Der antisemitische Thoma sei aber als Teil einer Gesamtgeschichte auszuhalten.

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