„Nicht zugänglich für Argumente“

Ärger um Übungsplatz: Zwischen Drohnen-Piloten und Anwohnern fliegen die Fetzen

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Drohnenpilot Patrick Rehm mit einem Quadcopter, Fernbedienung und Videobrille auf dem Sportplatz.

In der Nähe einer Münchner Siedlung trainieren seit vergangenem Jahr Drohnenpiloten. Vielen Anwohnern beklagen dabei Ruhestörungen. Sie wollen ein Verbot durchsetzen.

  • InLudwigsfeld ist ein großer Streit zwischen Anwohnern und Drohnen-Piloten entfacht.
  • Die Menschen klagen über schwere Ruhestörungen.
  • Für die Piloten ist die Fläche für das Training von großer Bedeutung.

München - Nahe der Siedlung Ludwigsfeld trainieren seit vergangenem Jahr Drohnenpiloten. Einigen Anwohnern passt das nicht. Sie beklagen sich über Ruhestörung. Eine Bürgerinitiative „Zukunft Wohnsiedlung Ludwigsfeld“ hat nun den Antrag gestellt, das Fliegen möge verboten werden.

Die Pilotengruppe nennt sich Munich FPV. Munich steht für München, FPV für First Person View, aus dem Englischen übersetzt: Ich-Perspektive. Diese nehmen die Drohnenpiloten ein, wenn sie ihre Quadcopter durch einen Parcours sausen lassen. Auf den Drohnen sitzt neben vier Rotoren auch eine Kamera. Sie überträgt die rasante Luftfahrt in Echtzeit auf Videobrillen. Die haben sich die Piloten um den Kopf geschnallt. Auf diese Weise sehen sie alles so, als würden sie mitfliegen.

Drohnen-Sport in München: Verein mit intensivem Wettbewerb 

Die Mitglieder des Munich FPV trainieren – zum Spaß, aber auch für hochklassige Wettbewerbe

Munich FPV besteht hauptsächlich aus Männern, von Jugendlichen bis hin zu einem Alter von etwa 40. Einige machen das zum Spaß, andere bestreiten Wettbewerbe auf teils hohem Niveau. Seit 2018 lassen sie ihre Quadcopter auf dem ehemaligen Fußballplatz des SV Italia 1965 westlich der Siedlung Ludwigsfeld fliegen. Nicht einfach so, sondern durch und über acht bis zwölf meist selbst gebaute Hindernisse, die sogenannten Gates.

Patrick Rehm ist einer der Piloten. „Früher waren wir auf wechselnden Wiesen unterwegs“, erzählt er. „Da mussten wir die Gates immer wieder ab- und aufbauen.“ Der alte Fußballplatz bietet ihnen deutlich bessere Bedingungen. Über einen Kleingärtner bekamen sie Kontakt zum SV Italia, sind mittlerweile dort Mitglieder und dürfen den Platz offiziell nutzen. Ein Vorteil laut Rehm: „Es ist ein abgesperrtes Gelände.“ Die Gates können stehen bleiben.

Laute Drohnen: Anwohner mit Beschwerden - „Dachten, uns hört man eh nicht“

Doch der neue Platz hat auch Nachteile. Er liegt direkt neben der Siedlung Ludwigsfeld. Nur das Schwabenbächl und eine Baumreihe trennen den Platz von den Häusern. Rehm sagt: „Wir dachten zunächst, uns hört man eh nicht.“ Doch schon bald bekamen die Piloten Besuch von einem aufgebrachten Fahrradfahrer. Er drohte ihnen mit baldigem Rauswurf. „Er war nicht zugänglich für Argumente“, erzählt Rehm.

Seitdem gab es weitere Beschwerden. Ein Anwohner schrieb einen Brief an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Darin klagt er über die Ruhestörung durch den Drohnenlärm. „Die Flüge sind in den Wohngebäuden an der Kristallstraße sowie hinein in die Rubinstraße zu hören“, teilte er dieser Zeitung auf Anfrage mit. Nach Aussagen des Ludwigsfelders finden die Flüge samstags sowie werktags am Abend statt. Messungen, wie laut die Lärmbelastung ist, habe es bisher nicht gegeben. Auch beim Bezirksausschuss (BA) Feldmoching-Hasenbergl ging eine Beschwerde ein.

Ein Drohnenflug an der Isar erhitzte im Sommer 2017 die Gemüter: Wurden Badegäste gefilmt?

Bürgerinitiative fordert Bezirksausschuss auf: Ende der Drohnen muss kommen

Die Bürgerinitiative Zukunft Wohnsiedlung Ludwigsfeld forderte den BA auf, sich für ein Ende des Drohnenflugs einzusetzen. Da es sich bei der Grundstücksfläche um ein Biotop handle, sei das Fliegen ohnehin nicht zulässig. Laut Drohnenverordnung ist es verboten, die Fluggeräte unter anderen über Industrieanlagen, Wohn- und Naturschutzgebieten kreisen zu lassen. Doch sind Biotope nicht notwendigerweise Naturschutzgebiete. Der ehemalige Fußballplatz ist im Flächennutzungsplan teils als allgemeine Grünfläche, teils als ökologische Vorrangfläche ausgewiesen.

Der BA will nun eine Einschätzung des Referats für Gesundheit und Umwelt (RGU) einholen, laut BA-Vorsitzendem Markus Auerbach (SPD) „einfach zu unserer Rechtssicherheit“.

Drohnenflieger unerlaubt unterwegs? Anwohner mit Vermutung

Der rasante Flug der Drohnen wird in Echtzeit auf Videobrillen übertragen.

Seitens der Anwohner kam zunächst die Vermutung auf, die Drohnenflieger hielten sich unerlaubt auf dem Fußballplatz auf.
Dem widersprechen Piloten und SV Italia vehement. Aus einem Schreiben der Stadt an die Bewohner geht hervor, dass ein Drittel des Platzes der Firma MAN gehört, der Rest einer Privatperson. MAN wolle sich mit dem SV Italia demnächst über die zukünftige Nutzung verständigen. Der Sportverein spielt auf der Fläche seit 1996 nicht mehr Fußball.

„Es ist ein Glücksgriff“, sagt Patrick Rehm, „für uns und den Verein. Denn wir kümmern uns jetzt um den lange brach liegenden Platz.“ Laut Aussagen der Flieger war auch die Polizei schon mal da. Die aber habe bestätigt, dass alles in Ordnung sei. „Wir fliegen nun hauptsächlich samstags um die Mittagszeit drei bis vier Stunden und manchmal unter der Woche, wenn es ohnehin laut in der Gegend ist“, erklärt Rehm. „Wir betreiben das als Sport und fliegen nur auf dem Platz, nicht übers Gebiet.“

Anwohner wollen Lärm nicht ertragen: Geht Drohnen-Streit in Verlängerung?

Das RGU wurde bereits informiert. Auf Anfrage dieser Zeitung gab es bisher aber keine Rückmeldung. Den Anwohnern teilte die Stadt Mitte November mit, dass sie nach Rücksprache mit MAN und dem Luftamt Südbayern, keine Möglichkeit sehe, „gegen die Drohnenflüge immissionsschutzrechtlich einzuschreiten“.

Für die Gegner des Drohnenflugs keine befriedigende Antwort. Sie haben nun Fragen an den BA: „Wieso fragt er nicht nach den Emissionswerten, die von den Drohnen ausgehen? Und haben sich die Mitglieder schon einmal dieses Flugspektakel angehört, um objektiv entscheiden zu können, ob dies den Bewohnern und der Flora und Fauna zuzumuten ist?“

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