Stadt schlägt Löwen-Boxer k.o.

Abrisspläne für die Ex-Turnhalle des TSV 1860

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Die Turnhalle in der Auenstraße.

München - Die Stadt will die alte Turnhalle an der Auenstraße abreißen oder renovieren. Egal, welche Variante zum Zug kommt: Die Boxabteilung des TSV 1860 München will die Stadt künftig nicht mehr dort haben. Sie müssen definitiv raus!

Dieses Relief in der Wittelsbacherstraße erinnert an alte Löwen-Herrlichkeit

Die seit 1919 bestehende Boxabteilung der Löwen zählt über 500 Mitglieder. „Pro Trainingstag kommen hier über 150 Sportler vorbei, um hier zu trainieren,“ erklärt Jonathan Fischer, der die Jugendabteilung betreut. „Alleine 30 bis 40 Jugendliche kommen zum Training“, erklärt Abteilungsleiter Ali Cukur, der in der Auenstraße im Auftrag des Jugendamtes auch Anti-Aggressionstraining für Jugendliche durchführt. Jugendcoach Fischer: „Unsere Boxerabteilung ist nicht nur eine Sportabteilung, es ist für viele Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen so etwas wie eine zweite Heimat.“ Fischer ist hauptberuflich Sozialarbeiter und weiß, wovon er spricht. „Wir haben einige unserer Leute schon dazu gebracht, zu studieren.“

Die Boxer von 1860 München und ihr Nachwuchs sollen ihre Heimat verlieren.

Doch so wie es aussieht, schlägt die Stadt die Löwenboxer k.o.! Das Referat für Bildung und Sport schrieb ihnen, dass die benachbarte Mittelschule in der Wittelsbacher Straße mehr Platz brauche und darum die Sporthalle abgerissen und neu gebaut oder saniert werden müsse. „Es besteht keine Möglichkeit, nach Beendigung der Bauarbeiten Räumlichkeiten so herstellen zu lassen, dass diese als Boxraum genutzt werden können.“ Der Baubeginn sei für 2015 vorgesehen. Und weiter: „Das Referat für Bildung und Sport hat in seinem Immobilienbestand keine vergeichbaren Räume, welche wir ihnen als Ersatz anbieten könnten.“ Spartenchef Cukur ist stinksauer: „Wären wir eine Sparte des FC Bayern, würde man nicht so mit uns umgehen.“

Christine Berr vom Sportamt der Stadt erklärt: „Die Verantwortlichen vom Verein wissen das schon länger, sie sind nicht auf uns zugegangen, um nach einem Ersatz zu suchen. Wir unterstützen sie dabei.“ Cukur: „Wo sollen wir denn in der Isarvorstadt, in der viele unserer Jugendlichen wohnen, einen Ersatzraum finden?“

Das alte Heim der Löwen

Trainer Jonathan Fischer (r.) ist entsetzt

Die Turnhalle in der Auenstraße war 93 Jahre lang die Heimstätte des Münchner Traditions-Fußballclubs 1860 München! Der erste Turnplatz des Vereins befand sich an der Müllerstraße. 1863 zog der Turn- und Sportverein in eine neu errichtete Turnhalle an der Jahnstraße. Wegen „Regulierungsarbeiten“ in der Jahnstraße musste der TSV sechs Jahre später wieder umziehen: Es entstand ein großzügiges Vereinsheim mit Turnhalle und Tennisplätzen!

Doch schon in den 20er- Jahren des 20. Jahrhunderts waren die Löwen klamm, sie verkauften das Grundstück südlich der heutigen Turnhalle, auf dem zwei Wohnblöcke entstanden. Noch heute zeugen zwei Reliefs in der Wittelsbacher Straße vom Löwen-Altbestand.

So sah die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Turnhalle des TSV aus

Im Krieg ging das 60er-Gelände im Bombenhagel unter, danach entstand ein Neubau in deutlich schlichteren Formen. Viele Löwen erinnern sich an legendäre Vereinssitzungen und lange Nächte. Ein Sturz des 1974 bis 1981 regierenden Vereinspräsidenten Erich Riedl in der Auenstraße wurde zu einem bösen Omen: Im Sommer 1982 entzog der DFB dem Verein die Profi-Lizenz, da er laut DFB zu große finanzielle Belastungen nach dem Wiederaufstieg in die Bundesliga eingegangen war. Der Verein verkaufte seinen Stammsitz für 4,1 Millionen Mark an die Stadt. Die Löwen mussten trotzdem zwangsweise in die Bayernliga absteigen.

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Johannes Welte

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