Urnengänger tief gespalten

Abstimmung über Türkei-Referendum: So wählt München

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Im Postpalast an der Hackerbrücke findet die Abstimmung der türkischen Staatsbürger statt. 

Am Montag hat die Abstimmung über das Verfassungsreferendum für die türkischen Staatsbürger in Deutschland begonnen. Im Münchner Postpalast stimmten bereits mehr als 600 Menschen ab. Die Stimmung ist verhalten - die Lager tief gespalten.

Update vom 13. April 2017: Sie interessieren sich für die Wahl am 16. April über das Verfassungs-Referendum in der Türkei? Wir haben die Infos wie Sie die Wahl live im TV und Live-Stream verfolgen können.

Update vom 4. April 2017: Am 16. April stimmen die türkischen Bürger über das von Präsident Erdogan initiierte Verfassungsreferendum ab. Es könnte eine äußerst knappe Entscheidung werden. Wir haben bereits zusammengefasst, wann es voraussichtlich erste Ergebnisse zum Verfassungsreferendum in der Türkei gibt.

München - Vor dem Postpalast an der Hackerbrücke herrscht am Montag reges Kommen und Gehen: Ganze Familien fahren im Auto vor und nach kurzer Zeit wieder weg – seit 9 Uhr können türkische Staatsbürger hier über das Verfassungsreferendum des türkischen Staatspräsidenten Erdogan abstimmen. In der großen Halle, in der früher Pakete sortiert wurden, stehen hinter Absperrungen Tische und durchsichtige Wahlurnen. Sicherheitsleute fragen uns nach Ausweisen, nach wenigen Minuten müssen wir die Halle wieder verlassen. „Genug gesehen“, sagt eine Wahlhelferin zu uns. Alles, was Sie zum Referendum wissen müssen, können Sie hier nachlesen.

110 000 Türken leben in Südbayern. Sie alle können entweder in München oder Fürth über die Verfassungsänderung abstimmen. In München hat das Generalkonsulat vorsorglich Räume angemietet, um dem Andrang gerecht zu werden. Allein am Vormittag haben hier mehr als 600 Wahlberechtigte ihr Kreuz bei „Ja“ oder „Nein „gemacht.

Politiker Kemal Göktepe am Infostand: „Gegen die Ein-Mann-Diktatur“

Die Lager sind tief gespalten über der Frage, ob Präsident Erdogan mehr Macht bekommen soll oder nicht. Eine Großfamilie verrät, dass sie mit „Nein“ gestimmt hat, ihr Name soll aber geheim bleiben. „Die Leute fürchten sich – sie haben Angst, ihren Job zu verlieren oder in der Türkei verhaftet zu werden“, sagt Kemal Göktepe, München-Beauftragter der Partei HDP. 

Zusammen mit anderen Erdogan-Gegnern hat er einen Stand schräg gegenüber vom Postpalast organisiert. Sie wollen bis zum Ende der Abstimmung am 9. April kämpfen. Egal, wie die Abstimmung ausgeht, der Riss durch die deutsch-türkische Gesellschaft dürfte nicht so schnell wieder zu kitten sein.

Das sagen Münchens Türken nach der Wahl

Erdogan ist der Terrorist

Harun Barbarosogullari (63)

Ich liebe meine Heimat, deswegen habe ich mit „Nein“ gestimmt. Wir sind 80 Millionen Menschen in der Türkei, eine vielfältige Gesellschaft, wir können unser Leben doch nicht in die Hand nur eines Mannes legen! Erdogan hat alle als Terroristen beschimpft, dabei ist er selbst der Terrorist.

Frei und modern

Emine Koplay (53)

Ich habe mit „Ja“ gestimmt und bin sehr zufrieden mit Erdogan. Ich selbst habe den Putschversuch erlebt, bin um mein Leben gerannt – die Leute, die mit „Nein“ stimmen, sind Idioten. Seit Erdogan da ist, ist die Türkei frei und modern. Was über Erdogan berichtet wird, stimmt nicht.

Nein zum Welt-Diktator

Haydar Keles (54)

Ich habe „Nein“ gesagt, ein Zeichen für die Gerechtigkeit, für die türkische Bevölkerung! Erdogan ist der neue Welt-Diktator, so jemanden will ich nicht. Uns Aleviten hat er das Leben nur schwer gemacht, deswegen bin ich vor 30 Jahren nach Deutschland gekommen. Meine Kinder sind hier aufgewachsen.

Video: snacktv

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