U-Bahnen müssen Abstand halten

Automatik kaputt: Taktverstärker bei der U2 entfallen 

Die Fahrgäste der U2 freuen sich seit wenigen Wochen über die Pünktlichkeit ihrer Linien, seitdem die Bauarbeiten an der U3 beendet sind. Nun sorgt ein Fehler für weniger Züge in der Hauptverkehrszeit.

München - Zahlreiche Münchner U-Bahnen sind seit Jahren mit einem Sicherheitsproblem unterwegs: Die automatische Steuerung kann ausfallen. Bis auf Weiteres werden die Züge deshalb wieder von Hand gesteuert. Die Folge: Auf der U 2 fallen Verstärkerzüge aus, auf anderen Linien drohen Verspätungen.

Der Fehler betrifft laut MVG-Sprecher Matthias Korte Steuergeräte, die seit Jahren im Austausch gegen alte Elektronik eingebaut worden sind. Zwei Drittel der Münchner U-Bahn-Züge seien inzwischen damit ausgerüstet. Im Betrieb habe es nie Zwischenfälle gegeben, betont Korte. Doch nun sei MVG-Technikern bei Tests aufgefallen, dass die Geräte unter ungünstigen Umständen versagen könnten – nach jetzigem Kenntnisstand wegen eines Softwarefehlers.

Der Fehler trifft einen besonders empfindlichen Bereich des U-Bahn-Systems: die vollautomatische Steuerung, die theoretisch einen fahrerlosen Betrieb erlauben würde und kürzestmögliche Zugtakte ermöglicht. Wenn das sogenannte LZB-System arbeitet, muss der Fahrer nur noch „die Augen offen halten und beim Halt am Bahnsteig die Türen öffnen und schließen“, erläutert Korte. Den Zug steuert die Technik. Die automatische Steuerung minimiert die nötigen Sicherheitsabstände und steuert Brems- und Beschleunigungsphasen so genau, dass sie bei jedem Halt ein paar Sekunden schneller ist als ein menschlicher Fahrer. Doch seit der Fehler entdeckt wurde, ist der Autopilot gewissermaßen vom Dienst suspendiert.

Nun müssen die menschlichen Fahrer wieder ran. Sie steuern den Zug nach Signalen und halten größere Abstände ein. Das führt dazu, dass in den Stoßzeiten weniger Züge durch die Röhren rollen.

Auf der U 2 hat das konkrete Folgen: Zwischen Kolumbusplatz und Milbertshofen entfallen bis auf Weiteres die Verstärkerzüge, die an Schultagen in Hauptverkehrszeiten eingesetzt wurden. Statt drei Zügen in zehn Minuten sind damit nur noch zwei unterwegs. Die dürften dann entsprechend voll sein. Auf anderen Linien seien „temporäre Verspätungen“ nicht ganz zu vermeiden, bestätigt Korte. Techniker des Herstellers seien bereits dabei, den Fehler zu suchen und zu beheben, berichtet der MVG-Sprecher.

Wie lange das dauert, weiß freilich noch niemand zu sagen. Auch zu den Kosten kann die MVG noch keine Auskunft geben. Ob der Hersteller die Reparaturen und Ausfallzeiten zahlen müsse oder ob die MVG auf einem Teil der Summe sitzen bleibt, müsse man noch prüfen, sagt Korte. „Vorrangig ist jetzt, dass wir die automatische Steuerung so schnell wie möglich wieder einsetzen können.“

Auch interessant

Kommentare