Bahnhofsviertel München

„Nachts hier arbeiten – der Horror!“ - Casino-Angestellte in Todesangst  

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Ein nächtlicher Blick ins Bahnhofsviertel – viele fühlen sich hier unwohl. Marianne P. (Name geändert) hatte bei dem Angriff mit der abgebrochenen Flasche Todesangst.

Dieses Erlebnis im Juni 2017 wird Marianne P. (Name geändert) so schnell nicht mehr vergessen. Die Casino-Angestellte wurde im Münchner Bahnhofsviertel bedroht. Hat sich etwas geändert?

München - Nicht viel Positives gab es in der jüngeren Vergangenheit über das Bahnhofsviertel zu hören. Touristen und Münchner fühlten sich nicht mehr sicher, Geschäftsleute klagten. Auch das Mathäser-Kino schlug Alarm, dass Kinogäste sich über düstere Gestalten vor dem Kino beschweren würden. Stadt und Polizei reagierten mit einem Alkoholverbot auf dem Bahnhofsgelände und verstärkten Kontrollen im Viertel. Offenbar mit Erfolg.

Hilft das Alkoholverbot und die Polizeipräsenz?

Vor allem Gewaltdelikte, Drogengeschäfte und illegale Prostitution sind laut Polizei seit dem Inkrafttreten des Alkoholverbots im Februar um knapp 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Im Jahr 2016 war die Kriminalität im Vergleich zum Jahr 2015 noch um 52,6 Prozent auf 4058 Straftaten gestiegen. Ein Rückgang von etwa 20 Prozent entspricht umgerechnet einem Minus von etwa 800 Straftaten.

Neben dem Alkoholverbot scheinen die starke Präsenz und die verstärkten Kontrollen der Polizei im Bahnhofsviertel Wirkung zu zeigen. Wie das Präsidium nach der Razzia Mitte November angekündigt hatte, war die Polizei auch in den vergangenen Wochen immer wieder mit mehr Beamten im und rund um den Bahnhof unterwegs, um die Situation zu entschärfen.

An mehreren Tagen in den letzten beiden Novemberwochen kontrollierten die Beamten nach Angaben von Polizeisprecher Benjamin Castro Tellez etwa 300 Menschen. 126 bekamen einen Platzverweis, unter anderem, weil sie pöbelten oder gegen das nächtliche Alkoholverbot verstießen. Einer wurde wegen Trunkenheit in Gewahrsam genommen. Bei den Kontrollen wurden darüber hinaus 15 zur Fahndung ausgeschriebene Straftäter erwischt. Zudem registrierte die Polizei sechs Verstöße gegen das Alkoholverbot und zehn Straftäter, die hauptsächlich mit Drogen handelten.

Bedroht im Bahnhofsviertel: Casino-Angestellte in Todesangst

Die positive Entwicklung im Bahnhofsviertel bestätigt auch die Servicekraft Marianne P. (Name geändert), die seit acht Jahren im Bahnhofsviertel in einem Spielcasino arbeitet.

 „Ich bin kein ängstlicher Mensch, aber noch vor einigen Monaten hatte ich auf dem Weg zur Arbeit und nach Hause ein ungutes Gefühl“, erzählt sie. Es sei eine „Katastrophe“ gewesen. Betrunkene oder bekiffte Menschen hätten auf den Straßen gesessen. „Man merkt aber jetzt, dass die verstärkten Kontrollen der Polizei etwas bringen und es besser wird“, sagt sie. Auch der private Sicherheitsdienst, den die Geschäftsleute initiiert hatten, zeige Wirkung.

Der Angeklagte Gökhan A. wird in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht.

Ein Erlebnis, das die Servicekraft im Juni 2017 hatte, verfolgt sie allerdings bis heute. „Ich hatte Todesangst“, sagte sie jetzt bei der Gerichtsverhandlung. Der 24-jährige Gökhan A. hatte Marianne P. mit einer abgebrochenen Bierflasche bedroht und Geld gefordert. Seitdem will die 53-Jährige keine Nachtschichten mehr im Spielcasino machen.

Der 24-Jährige kam Marianne P. von Anfang an komisch vor. „Dabei habe ich mir aber nicht so viel gedacht. Wir haben hier öfter komische Leute.“ Zuerst wollte Gökhan A. kostenlos Kaffee, dann Zucker – angeblich wegen seiner Zuckerkrankheit. Als er anfing, mit sich selbst zu reden und sich an den Waschbecken bei den Toiletten zu waschen, bat die 53-Jährige ihn, zu gehen.

Der 24-Jährige ging zunächst tatsächlich, kam aber etwa eine Stunde später wieder und bedrohte die Angestellte. Trotz ihrer Angst gab P. dem 24-Jährigen kein Geld. Plötzlich ging er ohne Beute aus dem Spielcasino und sagte: „Ich suche mir jetzt jemand anderen.“ Da Gökhan A. laut Gericht unter paranoider Schizophrenie leidet, wird er nun psychiatrisch untergebracht.

Der Hauptbahnhof sowie sein direktes Umfeld gilt als Münchens heftigste Ecke - ein absoluter Brennpunkt für die Polizei

Nachrichten aus dem Viertel posten wir auch auf der Facebookseite „Ludwigsvorstadt - mein Viertel“.

2018 wird der Münchner Hauptbahnhof umgebaut - alles wird neu. 

Wir erklären, was rund um den eigentlichen Neubau im Umfeld geplant ist.

Von Stefanie Wegele

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